Auf die Straßenbahn abgefahren - Mehr als 20 000 Besucher bei der 100-Jahre-Party des Nahverkehrs

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31. August 2008, 09:23 Uhr

Schwerin-Haselholz - Die Straßenbahnlinie nach Zippendorf war ihre Lieblingsstrecke. „Wenn ich morgens die erste Tour Richtung Stadt hatte, wusste ich ganz genau, auf wen ich noch warten musste“, erinnert sich Elfriede Kliemchen. Sehr persönlich sei das Verhältnis zwischen Fahrer und Fahrgästen damals gewesen. „Es gab auch öfter mal einen Kasten Pralinen als Dankeschön.“

Mehr als 30 Jahre – von 1958 bis 1980 – chauffierte Elfriede Kliemschen Straßenbahnen durch die jetzige Landeshauptstadt. Geboren wurde die heute 88-jährige in Gadebusch, wo sie auch zunächst eine Ausbildung zur Köchin machte. Nach dem Krieg kam Elfriede Kliemchen dann nach Schwerin. 1951 fing sie beim Nahverkehr an, zuerst in der Werkstatt, um ein paar Jahre später aber in den Fahrdienst zu wechseln.

„Das Straßenbahn-Fahren liegt mir im Blut“, sagt Elfriede Kliemchen. „Wenn ich einen Tag frei hatte, war ich nicht zufrieden.“ Dabei sei die Arbeit damals durchaus beschwerlicher gewesen als heute – vor allem im Winter. „Mit Filzstiefeln und zwei Paar Hosen habe ich dann im Führerhaus gestanden“, erzählt die Veteranin, die sich auch im hohen Alter für die Straßenbahn-Technik begeistert.

Begeistert waren auch die Schweriner vor 100 Jahren, als am 1. Dezember 1908 die erste Elektrische Straßenbahn in Schwerin ihren Betrieb aufnahm. Zehn Pfennig kostete damals die Tour mit der Elektrischen. Die Strecke führte über den Alten Garten, die Schlossstraße, die Puschkinstraße, die Friedrichstraße, die Arsenalstraße, die Wismarsche Straße, den Luisenplatz (heute Grunthalplatz), den Moltkeplatz (heute Platz der Freiheit) bis zum Ring (heute Obotritenring) und zurück.

„100 Jahre Elektrische Straßenbahn in Schwerin“ – mit einem großen Familienfest und einem Tag der offenen Tür auf dem Betriebsgelände im Haselholz wurde dieses Jubiläum am Sonnabend gefeiert. Mehr als 20 000 Gäste kamen. Sie durften einmal hinter die Kulissen des Nahverkehrs blicken.

Ein 60 Meter hoher Kran mit Aussichtskorb, eine Trampolinanlage, eine Riesenhüpfburg und viele weitere Attraktionen gehörten zum Programm. Auf einer großen Bühne unterhielten die Gruppe Papermoon, ein Modern Talking Double, Petra Zieger, die Formation Samba de Brazil, A4u – die ABBA Revival Show und als Stargast der „König von Mallorca“, Jürgen Drews, die Besucher.

Natürlich konnten die Gäste der Jubiläumsfeier auch mal eine Runde mit den Traditionsbahnen drehen. Höhepunkt des Festes auf dem Betriebsgelände war ein großes Straßenbahn-Tauziehen, das die Mannschaft des Nahverkehrs vor den Teams der Polizei und der Mobilbetreuer gewann.

Das neue Buch über die Geschichte des ÖPNV in Schwerin ging am Tag der offenen Tür weg wie warme Semmeln. „Wir freuen uns darüber, dass so viele Menschen ihre Verbundenheit mit dem Nahverkehr gezeigt haben“, sagte NVS-Geschäftsführer Norbert Klatt. Er denkt unterdessen schon an das nächste Jubiläum: „Im Jahr 2010 könnten wir 75 Jahre Busverkehr in Schwerin feiern.“

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