Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln

Bereits zum vierten Mal führen NDR 1 Radio MV und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) einen gemeinsamen Servicetag zum Thema Grabnachforschung durch. Für den VDK wird in diesem Jahr auch der Geschäftsführer des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Karsten Richter, dabei sein. Karin Koslik sprach mit ihm.

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10. November 2008, 08:27 Uhr

Herr Richter, ist die Suche nach Menschen, die im Zweiten Weltkrieg gefallen oder gestorben sind, tatsächlich ein Thema, dass heute noch viele Menschen anspricht?
Richter: Aber ja. Sehr viele Menschen sind gerade jetzt wieder auf der Suche nach ihren Wurzeln – und die können bis zum Zweiten oder sogar bis zum Ersten Weltkrieg zurückgehen. Auf das Gräber-Suchsystem, das der Volksbund im Internet anbietet, gibt es zum Beispiel Monat für Monat zwischen 30 000 und 35 000 Zugriffe. Bei der letzten Aktion, die wir 2006 zusammen mit NDR 1 Radio MV durchgeführt haben, wurden fast 1500 Anrufer registriert. Diese Resonanz hat mich selbst verblüfft.
Wer fragt beim Volksbund nach – überwiegend ältere Menschen?
Richter: Die Fragen aus der Generation, die den Krieg noch selbst erlebt hat, ebben langsam ab. Aber mittlerweile setzen sich viele Menschen aus der ersten, zweiten oder sogar schon dritten Nachkriegsgeneration verstärkt mit dem Thema auseinander. In den letzten zehn Jahren ist die Familienforschung ja zu einem regelrechten Trend geworden. Da finden zum Beispiel junge Leute auf dem Boden bei Eltern oder Großeltern alte Fotos und Briefe – aber es lebt niemand mehr, der ihnen erzählen kann, wo die abgebildeten Personen bzw. die Absender dieser Briefe abgeblieben sind. Dann wenden sie sich an uns. Sogar aus dem angelsächsischen Raum bekommen wir solche Anfragen, in letzter Zeit sogar verstärkt. Das sind dann oft Nachfahren von Deutschen, die nach Nordamerika ausgewandert sind und die das unbekannte Schicksal von Verwandten geklärt haben möchten.
Aber können Sie nicht nur über diejenigen Auskunft geben, die im Krieg gefallen sind?
Richter: Nein, es müssen nicht immer Soldatenschicksale sein. Wir können in vielen Fällen auch zivile Opfer des Krieges aufspüren. Dabei arbeiten wir nicht nur eng mit mit dem Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes zusammen, sondern auch mit der Deutschen Dienststelle, die die Unterlagen der ehemaligen Wehrmachtsauskunftsstelle verwaltet.
Wie groß sind die Erfolgschancen, wenn jemand beim Volksbund einen Suchantrag stellt?
Richter: Die Gräbernachweisdatei des Volksbundes enthält aktuell 4 862 094 Registrierungen. Knapp 110 000 davon wurden erst im Jahr 2007 erfasst, die meisten davon betreffen auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion Gefallene oder Gestorbene. Dort haben wir als Volksbund ja erst in den 90er- Jahren damit beginnen können, Gräber aufzuspüren, die Toten zu identifizieren und ihre Gebeine auf eigene Friedhöfe umzubetten. Diese Arbeit wird auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen, so dass manches Schicksal, das sich im Moment nicht klären lässt, in einigen Jahren doch nachvollziehbar sein wird. Darauf setze ich auch selbst ein wenig, denn die Suche nach meinem Großvater, der seit dem Zweiten Weltkrieg als vermisst gilt, blieb bisher leider ergebnislos.
Welche Angaben oder Unterlagen braucht man, wenn man ein Schicksal klären lassen will?
Richter: Eigentlich nur wenige biografische Daten. Wenn der genaue Name und das Geburtsdatum bekannt sind, reicht das als Basisinformation schon aus, um eine Suche starten zu können. Kommen dann noch ergänzende Fakten wie die Einheit, der Truppenteil, das Todesdatum oder der Todesort dazu, steigen die Erfolgsaussichten, den Gesuchten zu finden, noch einmal stark an.

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