Auf der Spur der Exoten - Erstmals gibt es halbwegs verlässliche Zahlen über die Pampa-Strauße von Mecklenburg

Fünf junge Nandus auf Futtersuche – inzwischen soll es rund 65 Exemplare dieser Exoten in Nordwestmecklenburg geben. Foto: Steffen Oldörp
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Fünf junge Nandus auf Futtersuche – inzwischen soll es rund 65 Exemplare dieser Exoten in Nordwestmecklenburg geben. Foto: Steffen Oldörp

Seit Jahren tummeln sich im Westen Nordwestmecklenburgs Nandus. Bislang gab es nur vage Vermutungen über die Populationsstärke. Jetzt gibt es erstmals halbwegs verlässliche Zahlen. Demnach haben rund 65 Pampa-Strauße ihre Heimat in MV gefunden.

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29. Oktober 2008, 07:50 Uhr

Schlagsdorf/Lüdersdorf - Knapp fünf Monate ist es her, da erblickten allein bei Lüdersdorf 15 Nandu-Küken das Licht der Welt. Graubraun mit schwarzen Streifen und richtig putzig sahen sie aus.

Inzwischen ist der Nachwuchs nicht mehr klein, sondern fast so groß wie „Schorsch“, der ein verantwortungsvoller Nandu-Vater ist. Er kümmert sich noch persönlich um fünf seiner Zöglinge, während die Hennen schon vor Monaten davon gelaufen sind.

Wo der Rest von „Schorschs“ ausgebrütetem Nachwuchstrupp geblieben ist, weiß auch Frank Phillip nicht. Er ist Student für Landeskunde und widmet sich den Exoten in seiner Diplomarbeit. Phillip vermutet, dass Füchse und Menschen dafür verantwortlich sind, dass nicht alle Nandus überlebten. Denn ab und an gebe es auch Verkehrsunfälle mit den bis zu 1,50 Meter großen Laufvögeln. Es könne aber auch sein, so Phillip, dass sich der eine oder andere Nandu schon vom Vater abgekapselt hat.

Acht Jahre ist es her, dass ein Hahn und fünf Hennen aus einem Zuchtgehege in Groß Grönau entwischt sind. Aus dem Sextett sind inzwischen rund 65 Nandus geworden. Das zumindest schätzt Frank Phillip nach seiner jüngsten Zählung. Die Lebensweise und das Verhalten des Laufvogels aus Südamerika interessieren ihn besonders.

Denn eine so große Population, wie es sie in der Gemeinde Lüdersdorf gibt, ist nirgendwo anders in Deutschland oder Europa zu finden. „Ich finde es interessant, dass sich eine Tierart aus Südamerika hier ansiedeln kann.“

Bis auf einige Mitteilungen gibt es noch keine Informationen über das Leben von Nandus in Europa. Deshalb ist sein Projekt auch einmalig auf diesem Kontinent.

Um mehr über Nandus zu erfahren, begibt sich Philipp regelmäßig auf die Pirsch. Er sucht die Tiere, studiert ihr Verhalten und sammelt Kotproben, um sie auf tierische Reste zu überprüfen. Denn auch was Nandus fressen, will der Student heraus bekommen. Einen Laufvogel hat er sogar mit einem Sender versehen, um dessen Lebensrhythmus zu erforschen. Das erleichtert ihm die Arbeit und er findet das Tier immer wieder.

Im Frühjahr konnte der Vogtländer dank der Senderpeilung den Ort finden, an dem fünf Hennen zum Nest des Hahns kamen und dort ihre Eier abgelegten. Auf seinen Streifzügen durch die Region entdeckte er insgesamt fünf Nandu-Nester mit insgesamt 100 Eiern. Ein Drittel der geschlüpften Küken hat überlebt.

Im Mai dieses Jahres hatten Phillip und Ranger vom Biosphärenreservat Schalsee die Vögel erstmals in einer groß angelegten Suchaktion gezählt. Einen Tag lang waren sie im 80 Quadratkilometer großen Gebiet unterwegs. Ihr Ergebnis: Etwa 30 Nandus liefen im Frühjahr in der westmecklenburgischen Wakenitzniederung herum. Nachdem mehrere Tiere nun Nachwuchs bekommen haben, hat sich die Anzahl mehr als verdoppelt.

„Ich schätze, dass es etwas mehr als 60 Nandus von der A20 bei Schönberg bis fast nach Ratzeburg gibt“, sagt Phillip. Für ihn ein Beweis, dass sich die Nandus hier pudelwohl fühlen.

Bis Weihnachten will Phillip seine Diplomarbeit fertig haben. Dann gibt es ein erstes Werk über Anzahl, Verhalten und Ausdehnung der Nandus, die es seit 2001 im Kreis gibt.

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