In der Ueckermünder Heide lebt seit 2007 ein Wolf : Auf den Spuren eines Heimkehrers

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Der Wolf kehrt nach Deutschland zurück. In der Lübtheener Heide wurde bereits ein Exemplar gesichtet. Auch durch die Ueckermünder Heide streift Isegrim mittlerweile wieder.

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15. November 2010, 11:58 Uhr

"Wir sind in einem sogenannten Wolfserwartungsland", klärt Ueckermündes Tierpark-Leiter Helge Zabka die mehr als 40 Ausflügler auf. An einem Oktobermorgen sind sie der Einladung des Tierparks in den herbstlichen Wald bei Hintersee zu einer Wanderung gefolgt, einer Wanderung im Wolfsrevier. Denn in der Ueckermünder Heide wird der Wolf nicht nur erwartet, hier ist er seit 2007 wieder beheimatet.

Den Begriff Wolfserwartungsland findet Zabka zwiespältig. Die ersten Wolfstage am Stettiner Haff und in der Ueckermünder Heide sollen daher helfen das Image von Isegrim ein wenig aufzupolieren. Vorträge, Kinofilme, Tierparkvorführungen und zum Auftakt eine Wanderung mit Forstamtsmitarbeiter und Wolfsbetreuer Frank Jüttner sind unter Federführung des Tierparks Ueckermünde auf die Beine gestellt worden. Zwei bis drei Rudel hätten hier Platz, sagt Jüttner bevor die Gruppe für gut drei Stunden in den Wald aufbricht. Rund 25000 Hektar werden an der Grenze zu Polen von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) betreut.

Zusammen mit den ausgedehnten Waldgebieten auf polnischer Seite, erstreckt sich die Ueckermünder Heide sogar über 80 000 Hektar. Dennoch nennt nur ein Wolf dieses Gebiet sein Revier. Ein zweites Tier, das später auftauchte und die Hoffnung auf Nachwuchs nährte, sei inzwischen wieder abgewandert, erklärt Jüttner.

Die Aussicht, das Raubtier auf der Wanderung zu Gesicht zu bekommen, ist also äußerst gering. Selbst der Wolfsbetreuer habe das Tier noch nicht in freier Natur bewundern können. Reichlich Entdeckungen und Informationen wird Frank Jüttner trotzdem auf der Tour durchs Revier für die Wanderer parat haben. Erster Stopp ist an der alten Wolfswiese, die übrigens schon vor der Rückkehr von Isegrim so hieß. "Wir machen nichts für, aber auch nichts gegen der Wolf", erklärt Jüttner. Einzig die Spuren des Tieres werden von ihm dokumentiert, zum Beispiel anhand von Fotos. Im Unterholz versteckt und von den Wanderern zunächst nicht beachtet, legt der Forstamtsmitarbeiter eine Fotofalle frei. Aber auch Bilder, die andere Beobachter bei ihm abliefern, werden ausgewertet. "Seit es für ein Foto eine kostenlose Jagd gibt, haben die Jäger stets auch die Kamera scharf", scherzt Jüttner.

Die Wanderung geht weiter. Der Waldweg wird nun sandiger. Gute Voraussetzungen, um nach Spuren von Waldbewohnern Ausschau zu halten. Die Abdrücke des Wolfes von denen eines Hundes zu unterscheiden sei jedoch schwierig, erklärt der Wolfsbetreuer. Um eine Spur zu erkennen, müsse die Fährte über mehrere Meter betrachtet werden. So lasse sich der energiesparende, geschnürte Trab des Wolfes ausmachen. Dabei setzt das Tier die Hinterpfote genau in die Spur der Vorderpfote, beschreibt Jüttner die typische Fährte.

Die Wandersleute richten ihre Blicke zur Spurensuche nach unten. Der eine oder andere Abdruck eines Rehs wird gefunden. Doch keine Spur vom Wolf. Noch nicht. Beim Wolf aus der Ueckermünder Heide handele es sich wahrscheinlich um einen Rüden, sagt Jüttner. Darauf deute die Höhe von Markierungen an Bäumen hin. Eine hundertprozentige Gewissheit über das Geschlecht wird aber erst die Genanalyse von gefundenen Kotproben geben.

Als sich die Gruppe von Wanderern schon wieder auf dem Rückweg befindet, ist sie dann doch noch da - die Spur vom Wolf. An einer Weggabelung hat er wichtige Informationen hinterlassen. Denn die Wolfslosung gibt auch Aufschluss über das Fressverhalten des Tieres. "Haare, Knochen oder Zähne im Kot geben uns Auskunft über die bevorzugten Beutetiere", erklärt Jüttner. Etwa 100 Stück Wild reiße der Wolf pro Jahr. "Das hört sich zwar viel an, auf das ganze Gebiet der Ueckermünder Heide bezogen, ist es aber wenig." Selbst ein Wolfsrudel werde kein Gebiet "leerfressen". Eine Ausnahme stelle aber das Muffelwild dar. Das wird bei einer Rückkehr des Wolfes verschwinden, so Jüttner. Da das Muffelwild kein Fluchtverhalten kenne, sei es für den Wolf eine leichte Beute, erklärt er. Eigentlich auf Korsika beheimatet, haben sich Mufflons vor einigen Jahren in Deutschland angesiedelt, gehören eigentlich aber nicht in diese Breitengrade.

Aber auch Nutztiere, wie Schafe oder junge Kälber, können ins Beuteschema eines Wolfs geraten. In Mecklenburg-Vorpommern seien seit der Rückkehr des Wolfes jedoch keine Schäden an Nutztieren bekannt, sagt Jüttner, der auch Begutachter für gerissene Tiere ist. Wie bei der Fährtenlese, müssen bei einem Riss die Spuren analysiert werden, um sie von denen eines Fuchses oder wilden Hundes abzugrenzen. "Ein Wolf geht gezielt und sehr präzise an die Kehle seiner Beute", beschreibt Jüttner.

Neben dem Wolf in der Ueckermünder Heide, gibt es weitere Nachweise der Raubtiere in der Lübtheener Heide im Landkreis Ludwigslust sowie an der Grenze zu Brandenburg in der Jännersdorfer und Kyritz-Ruppiner Heide. Wann in MV erste Wolfsrudel auftauchen, sei nur eine Frage der Zeit. Dass Isegrim ins Land zurückkehrt, wenn bisher auch nur vereinzelt, ist nun mal ein Fakt.

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