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Takwe Kaenders: Diplom-Metallgestalterin : Auf das Wesentliche konzentriert

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Takwe Kaenders, eine Diplom-Metallgestalterin, die in Burg Giebichenstein studierte, kam nach dem Abschluss des Studiums nach Rothen. Sie brauchte einen Ort, wo sie in Ruhe arbeiten konnte.

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erstellt am 08.Jul.2011 | 01:03 Uhr

Wenn die dichte grüne Allee sich öffnet, fällt der Blick auf eine kleine idyllische Siedlung. Rothen, ein Ortsteil von Borkow unweit von Sternberg, gehört zu den wenigen Dörfern, wo man nicht über den Exodus der Einwohner klagen muss. Im Gegenteil, hier ziehen neue Einwohner zu.

Takwe Kaenders, eine Diplom-Metallgestalterin, die in Burg Giebichenstein studierte, kam nach dem Abschluss des Studiums 2001 hierher. Die junge Frau hatte von ihren Berliner Freunden von dem Ort und dem damaligen Kunstverein erfahren. Andrea Klein, heute Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Rothener Hof, hatte sie bei ihrem ersten Besuch gefragt, ob sie sich beim Aufbau eines ungewöhnlichen Projekts engagieren wolle. Es ging darum, aus einem riesigen ehemaligen Kuhstall einen Kunst- und Begegnungsort zu machen.

Und Takwe Kaenders brauchte einen Ort, wo sie in Ruhe arbeiten konnte - und natürlich eine passende bezahlbare Werkstatt. Schon beim ersten Besuch in Rothen wusste sie: "Das ist es. Hier will ich leben." Aber der Anfang war schwer. "Was ein Bildhauer macht, weiß eigentlich jeder. Ein Diplom-Metallgestalter ist doch ein eher unbekannter Beruf. Und da habe ich mich gefragt: Was kennen die Leute hier? Also habe ich gesagt, ich mache eine Schmiede auf."

Die Leidenschaft für Eisen und Stahl war eigentlich eher zufällig geweckt worden. Im Studium hatte sie sich zunächst für Steinbildhauerei entschieden, doch dann ließ das Metall sie nicht mehr los. "Es ist das mir gemäße Mittel geworden, mich auszudrücken. Insbesondere in der Reduktion auf das Wesentliche, in der Formgebung, die den Kern eines Gefühls ausdrückt, finde ich mich aufgehoben."

Takwe Kaenders hatte in Rothen ganz bescheiden begonnen. Zunächst richtete sie sich in der ehemaligen Melkküche eine Schmiede ein. Und da kamen dann Jugendliche zu ihr, denen sie was am Moped schweißen sollte, oder auch Leute, deren Grill oder Spaten zu reparieren war. Hat sie gemacht, nebenbei an den eigenen Skulpturen gearbeitet, und dann war da natürlich das fast baufällige Gebäude. "Mein Mann, der von Beruf Zimmermann ist, war von der Aufgabe begeistert." Es gab so viel zu tun, nur schrittweise ging es voran. Das Dach musste repariert, der Fußboden erneuert, Fenster ersetzt werden, man brauchte neue Treppen, Heizung usw. Der Kampf um die Fördermittel war jedes Jahr wieder ein nervenaufreibendes Abenteuer. Und so wie der "Kuhstall" schöner wurde, wuchs auch der Verein, der jetzt über 40 Mitglieder hat. Heute gibt es eine neue Schmiedewerkstatt für Takwe Kaenders, eine Schreinerei, wo die Holzgestalter Ulrike Steinhöfel und Achim Behrens arbeiten, ein kleines Restaurant und - der ganze Stolz des Vereins ist ein riesiger Dachboden, der bei Kulturveranstaltungen 240 Leuten Platz bietet.

Takwe Kaenders ist als Künstlerin anerkannt, sie gestaltet Skulpturen, monumentale Gebilde für den öffentlichen Raum und ihre geliebten Emailarbeiten. Diverse Ausstellungen haben auf ihr Schaffen aufmerksam gemacht, sie erhält Aufträge von öffentlichen Einrichtungen und Privatpersonen.

Rothen lebt auf mit der Vereinsarbeit, die gemeinsam mit anderen Künstlern initiiert wird. In der Mühle leben die Schröters, ein Holzgestalter und eine Textilkünstlerin, im Gutshaus haben die Lehsten ihr Zuhause, er ist Fotograf, sie Schmuckgestalterin. Immer mehr Feriengäste kommen von weither, genießen die herrliche Natur und die Kunstaktionen.

Am Wochenende feiert der Rothener Hof seinen zehnten Geburtstag. Freitagabend wird ein Film gezeigt (ab 20 Uhr), danach lädt die Cocktailbar ein. Am Sonnabend wird von 10 bis 19 Uhr buntes Markttreiben geboten, und um 19 Uhr startet das Tanzfest mit "Di grine Kuzine". Beim Frühschoppen am Sonntag verwöhnt das Hofcafé die Besucher. (Der Anstecker für alle Veranstaltungen kostet 15 Euro.)


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