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Am Montag startet bundesweit das neue Digitalradio : Auch hier spielt die Musik

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Unter der Dusche, im Auto, beim Kochen - 186 Minuten pro Tag dudelt das Radio beim Durchschnittsdeutschen vor sich hin. Es ist das Begleitmedium und hat viele Wandlungen durchlaufen.

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erstellt am 30.Jul.2011 | 04:07 Uhr

Unter der Dusche, im Auto, beim Kochen - 186 Minuten pro Tag dudelt das Radio beim Durchschnittsdeutschen vor sich hin. Es ist das klassische Begleitmedium und hat im Laufe der Jahrzehnte viele Wandlungen durchlaufen. Die nächste steht am Montag an. Dann wird der neue Digitalradiostandard DAB+ eingeführt. Redakteurin Sylvia Kuska und dpa-Korrespondent Dirk Averesch haben die wichtigsten Hintergründe dazu zusammengetragen.

Wofür steht die seltsame Abkürzung DAB+?

DAB+ bedeutet "Digital Audio Broadcasting" und meint die digitale Verbreitung von Audiosignalen über Antenne. Das Plus steht für eine moderne Übertragung ohne Rauschen, die auch programmbegleitende Zusatzinformationen wie Verkehrsdaten oder Wetterkarten auf dem Radiodisplay ermöglicht. Das Digitalangebot wird über ein eigenes Netz ausgestrahlt. DAB+ löst den bisherigen digitalen Standard DAB ab.

Warum wird das Digitalradio eingeführt?

Die analoge Verbreitung von Radioprogrammen über UKW stößt an ihre Grenzen. Angesichts der vielen Anbieter werden zum Beispiel die Frequenzen knapp. Außerdem können neue Verkehrsinformationsdienste und Serviceangebote nur sehr eingeschränkt über UKW übertragen werden.

Muss man sich nun ein neues Radio kaufen?

Nicht zwingend. Auf UKW wird erst einmal weiter gesendet wie bisher. Laut Telekommunikationsgesetz läuft der Frequenznutzungsplan für den UKW-Hörfunk zwar 2015 aus. In diesem Jahr steht aber eine Novelle des Gesetzes an, und mit Blick darauf wird über eine Verlängerung der Nutzungsdauer diskutiert. Der endgültige UKW-Abschalttermin wird auch abhängig sein von der Akzeptanz des neuen Digitalradios.

Mit analogen Radios kann man jedoch kein Digitalradio empfangen. Dafür benötigt man ein DAB+ taugliches Empfangsgerät. Diese Radios haben auch ein UKW-Empfangsteil, ermöglichen also parallel den analogen Empfang. Verschiedene Hersteller bieten zudem Digital-Plus-Tuner für Stereoanlagen an.

Herkömmliche DAB-Empfänger können Programme im neuen DAB+ Standard ebenfalls nicht wiedergeben.

Welche Vorteile bietet Digitalradio?

Die Programmvielfalt wird größer, sagen die Verantwortlichen. Neben den gewohnten landesweiten, regionalen und lokalen Programmen gibt es ein bundesweit einheitliches Angebot. Während per UKW an einem Ort in der Regel nicht mehr als 30 Programme gleichzeitig ausgestrahlt werden können, sind mit DAB+ mehr als 100 Programme möglich.

Der Ton rauscht und knistert nicht, denn digitaler Empfang bedeutet: Entweder ist alles einwandfrei zu hören - oder gar nichts, wenn das Signal zu schwach ist. Alle Sender strahlen das gleiche Programm über die gleiche Frequenz aus. Dadurch entfällt das Suchen und Einstellen von Frequenzen.

Neben ihren Programmen können die Sender außerdem zusätzliche Dienste anbieten, zum Beispiel Titellisten, Wetterkarten und Album-Cover - sofern die Geräte das nötige Display dafür haben. Das ist im Moment aber nur bei wenigen Modellen der Fall. Digitalradios, die über ein Display mit mehr als zwei Zeilen verfügen, seien in großer Zahl erst zur zweiten Gerätegeneration mit DAB+ zu erwarten, sagt Helmut G. Bauer. Er ist Geschäftsführer der DRD Digitalradio Deutschland GmbH, die die Interessen des bundesweiten privaten Digitalrundfunks vertritt.

Wie viele Sender kann man empfangen?

Mit der Einführung von DAB+ gibt es 14 neue digitale Programme, die bundesweit einheitlich ausgestrahlt werden: Lounge FM, Absolut Radio, Radio Energy, 90elf, Radio Bob, ERF Radio, Klassik Radio, Kiss FM und der christliche Sender Radio Horeb gehen ab Montag auf Sendung. ERF Pop und Sunshine live wahrscheinlich erst ein wenig später. Von Anfang an dabei sind zudem die öffentlich-rechtlichen Sender Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und D-Radio Wissen. Hinzu kommen zum Teil die DAB-Sender, die auch bisher zu empfangen waren. Ihre Zahl schwankt von Bundesland zu Bundesland: In Bayern gibt es derzeit zum Beispiel mehr als 20 landesweite digitale Programme, Brandenburg kommt nur auf fünf.

Können die digitalen Sender überall empfangen werden?

Nein. Zum Start gibt es nach Angaben von Sendernetzbetreiber Media Broadcast deutschlandweit 27 Sendestationen, die 38 Millionen Menschen in ihren Häusern erreichen und 50 Prozent der Fläche Deutschlands für den mobilen Empfang abdecken. Bis 2014 soll das Netz auf 110 Stationen ausgebaut werden.

In der Folge ist die Versorgung in den einzelnen Bundesländern recht unterschiedlich. Niedersachsen, zum Beispiel, weist nur noch geringe Versorgungslücken auf, Hamburg ist mit dem Aufbau von 2 Senderstandorten vollständig versorgt. In Mecklenburg-Vorpommern dagegen ist der Empfang noch sehr begrenzt. Laut Verbreitungskarte werden Hörer in einem Radius zwischen der Region Wismar, Ludwigslust, Parchim und Güstrow erreicht. "Ein Sendernetz in dieser Größenordnung kann nur langsam aufgebaut werden", begründet Holger Crump von Media Broadcast die geringe Reichweite. Für den Ausbau gebe es bundesweite Pläne - und die sehen für MV im Moment nur wenig Empfang vor.

Ähnlich ist die Situation in Brandenburg. Auch die Prignitz liegt "derzeit noch nicht im Empfangsgebiet des neuen Dienstes", so Crump.

Was mache ich mit meinem alten DAB-Gerät?

Mit dem kann vorerst weiter empfangen werden - allerdings nur das schrumpfende DAB-Angebot in den Ländern. Dieses wird nämlich Schritt für Schritt von DAB auf DAB+ umgestellt, zum Teil schon am Montag. Dauerhaft parallel in DAB und DAB+ will nur das Deutschlandradio seine Programme senden.

Kostet der Empfang von Digitalradio extra Geld?

Wenn man von den Anschaffungskosten für ein digitaltaugliches Radiogerät absieht, nein. Der Empfang bleibt wie bei UKW und DAB kostenlos.

Gibt es schon Digitalradios mit DAB+ zu kaufen?

Ja. Die Digitalradio Deutschland GmbH hat zum Start mindestens 120 Geräte gezählt, die DAB+ empfangen können. Die Preise schwanken zwischen 50 und 1000 Euro.

Kann man Digitalradio auch schon im Auto hören?

Einige Hersteller bieten das schon ab Werk als Option an. Man kann auch nachträglich ein entsprechendes Radio einbauen. Auch im Auto gilt: Bereits vorhandene DAB-Geräte können die neuen Plus-Programme nicht empfangen. Wie viele digitale Sender unterwegs empfangen werden können, hängt zudem von der Region ab, durch die man fährt.

Was ist der Unterschied zwischen DAB und DAB+?

Für DAB+ wird noch weniger Bandbreite benötigt, ohne dass die Programme schlechter klingen. Die freiwerdende Bandbreite kann für mehr und neue Programme genutzt werden.

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