Atomkraftwerk neben Usedom?

Neben dem umstrittenen Bau des Steinkohlekraftwerks in Lubmin sorgen jetzt auch zwei geplante Atomkraftwerke nur wenige Kilometer von Usedom entfernt für Aufregung.

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18. Mai 2009, 08:27 Uhr

zvs | Westpommern will sich nach Angaben eines polnischen Experten mit vier oder fünf Standorten um den Bau der in Polen geplanten zwei Atomkraftwerke (AKW) bewerben. Neben Gryfino (Greifenhagen) in Nähe der deutschen Grenze seien Standorte im Osten sowie im Südosten der Woiwodschaft in der engeren Auswahl, sagte der Physiker Konrad Czerski von der Universität Stettin (Szczecin).

Nach seiner Einschätzung ist Westpommern besonders gut für den AKW-Bau geeignet. Dafür sprächen die geringe Bevölkerungsdichte, die gute Lage zum Wasser und die Unterversorgung mit Kraftwerken im Norden Polens. Bei Gryfino werde wegen der Lage allerdings mit Widerstand aus Deutschland gerechnet.

In Gryfino demonstrierten am Samstag rund 50 deutsche und polnische Umweltschützer gegen die Pläne. Sie zogen durch den 20 000-Einwohner-Ort und hielten eine Kundgebung ab. "Wir sehen die Veranstaltung als Beginn einer deutsch-polnischen Anti-AKW-Bewegung", sagte Axel Vogel, Landesvorsitzender der Grünen in Brandenburg. An der Aktion beteiligten sich Spitzenpolitiker der Grünen aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin.

In Polen erarbeitet eine Kommission derzeit Vorschläge, die in den kommenden zwei bis drei Monaten der polnischen Regierung übergeben werden sollen. "Westpommern steht dabei im Wettbewerb mit den anderen Woiwodschaften", sagte Czerski, der der Kommission angehört. Ende Januar 2009 hatte die polnische Regierung den Bau von zwei Atomkraftwerken beschlossen.

Welteit 400 neue AKW geplant "Kernkraft ist sauberer als Kohle und stößt auch auf breite Akzeptanz in Polen", warb Czerski für den Bau. Rund 80 Prozent der Polen seien nach den Gasversorgungsproblemen im vergangenen Jahr inzwischen für den Bau von Atomkraftwerken als verlässliche, billige und CO2-freie Energiequelle. Vor einem Jahr hätten lediglich 40 Prozent dem Bau von Atomkraftwerken positiv gegenüber gestanden. Die Region Westpommern erhofft sich durch den Bau und den Betrieb einer solchen Anlage einen wirtschaftlichen Aufschwung. Rund 30 Prozent der Steuereinnahmen blieben in der Region, sagte Czerski und verwies auf den geschätzten Jahresgewinn von einer Milliarde Euro.

Langfristig wird aus seiner Sicht auch Deutschland an dem Bau von neuen Kernkraftwerken nicht vorbeikommen. "Rundherum um Deutschland entstehen Atomkraftwerke", sagte Czerski und verwies auf entsprechende Pläne in Schweden. Weltweit seien 400 neue AKW geplant.

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