Atom-Schrott für Lubmin

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18. Mai 2008, 04:07 Uhr

Lubmin - Im atomaren Zwischenlager in Lubmin können künftig radioaktiv belastete Großteile aus Atomkraftwerken anderer Bundesländer zerlegt und bearbeitet werden. Das CDU-geführte Innenministerium genehmigte nach jahrelangem Rechtsstreit und einem Nein des früheren Umweltministers Wolfgang Methling (Linke) die sogenannte erweiterte Pufferlagerung, wie das Ministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa mitteilte. Damit darf künftig schwach und mittelradioaktiv belasteter fremder Atomabfall für zehn statt bisher zwei Jahre in Lubmin gelagert werden, um hier zerlegt und dekontaminiert zu werden. Zudem darf sich bei zwar gleichbleibendem radioaktiven Grenzwert die Menge fremden Atommülls von 6700 auf 15 000 Tonnen mehr als verdoppeln.

Methling kritisierte die Genehmigung scharf. „Diese Entscheidung des Innenministeriums ist ein Dammbruch und macht den Weg für eine Ausdehnung der Lagerung fremden Atommülls frei“, sagte er. Die Landesregierung habe weder alle zur Verfügung stehenden politischen noch juristischen Mittel ausgeschöpft, um die Ausdehnung der Pufferlagerung zu verhindern. Als früherer Fachminister hatte Methling eine entsprechende Genehmigung verweigert.

Für die Energiewerke Nord (EWN), die 2006 mit einer Untätigkeitsklage gegen das damals von Methling geführte Umweltministerium vor Gericht gezogen waren und gewonnen hatten, ist mit der nun erteilten Genehmigung der Weg für millionenschwere Aufträge bei der Behandlung von Atommüll frei. Das bundeseigene Unternehmen will möglichst noch in diesem Jahr von der Änderung Gebrauch machen, wie EWN-Sprecherin Marlies Philipp sagte. So sollen - vorausgesetzt, die Transportgenehmigung kommt rechtzeitig - aus dem im Mai 2005 stillgelegten Kernkraftwerk Obrigheim (Baden-Württemberg) zwei Dampferzeuger quer durch Deutschland an die Küste transportiert werden.

Hier sollen die Großkomponenten innerhalb der nächsten zehn Jahre unter größten Sicherheitsbestimmungen von Experten zerlegt und wenn möglich durch physikalische und chemische Spezialverfahren wie das Abstrahlen dekontaminiert werden. Nach einer Freimessung könnten sie dann in den normalen Schrott gelangen. Lasse sich das Material nicht dekontaminieren, werde der Abfall für die Zwischen- und Endlagerung sicher verpackt und an den Auftraggeber zurückgeschickt, wie Phillip sagte.
Die EWN gelten durch ihre Erfahrungen bei der Demontage der DDR-Atomkraftwerke Lubmin und Rheinsberg als weltweit gefragte Spezialisten auf dem Gebiet der sogenannten Konditionierung. Durch den im Jahr 2000 von der damaligen rot-grünen Bundesregierung beschlossenen Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie erhofft sich das Unternehmen nun ein lukratives Millionengeschäft. Für weitere Aufträge zur Zerlegung von Großteilen aus dem Reaktorumfeld haben die EWN bereits Angebote abgegeben, sagte Anlagenleiter Manfred Häger. „Unsere eigentlichen Aktivitäten, der Rückbau der Kraftwerke in Rheinsberg und Lubmin, sind endlich“. Mit diesen Zusatzaktivitäten könnten nicht nur Einnahmen für den Bund generiert, sondern auch nach Ende der 3,2 Milliarden Euro teuren Demontagearbeiten langfristig Arbeitsplätze in Lubmin gesichert werden.
Seit Inbetriebnahme des Zwischenlagers 1998 haben die EWN bereits kleinere Mengen fremden Atommülls zerlegt. Der neue Auftrag wäre allerdings nur schwer zu realisieren gewesen, wenn die Genehmigung nicht gekommen wäre, sagte Häger. Zudem könnte durch die längere Pufferlagerung die Anzahl der Atomtransporte deutlich verringert werden. So sei geplant, die beiden Dampferzeuger aus Baden-Württemberg in einem Transport an die Küste rollen zu lassen.

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