Arbeitsmarkt trotzt Konjunkturflaute

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28. August 2008, 01:51 Uhr

Nürnberg - Der deutsche Arbeitsmarkt trotzt weiterhin der Konjunkturflaute und zeigte auch im August keinerlei Abschwächungstendenzen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Donnerstag waren in dem Ferienmonat 3 196 000 Männer und Frauen ohne Arbeit; das sind 14 000 weniger als im Juli und 510 000 weniger als vor einem Jahr. Der Rückgang fiel damit etwas geringer geringer aus als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 7,6 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,8 Prozent gelegen.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) sieht trotz einer pessimistischen Einschätzung von Banken-Volkswirten bislang noch keine „konjunkturellen Bremsspuren“ auf dem Arbeitsmarkt. „Ich habe im Moment noch keine Hinweise, dass die Arbeitsmarktentwicklung nach unten geht“, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt am Donnerstag in Nürnberg. „Unsere Daten zeigen, dass es weiterhin eine Dynamik am Arbeitsmarkt gibt“, ergänzte er. Saisonbereinigt ging die Erwerbslosenzahl im August um 40 000 auf 3,2 Millionen zurück.

Auch für das kommende Jahr rechnet Alt mit einer weiteren Entspannung. Die Arbeitslosenzahl dürfte im Jahresdurchschnitt 2009 um weitere 40 000 bis 50 000 auf voraussichtlich 3,38 Millionen sinken. Damit verlangsame sich zwar der Abbau der Arbeitslosigkeit im Vergleich zu 2008, setze sich aber dennoch fort. Genauere Prognosen will die Bundesagentur erst im Spätherbst vorlegen. Für 2008 rechnet die BA bislang mit einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 3,43 Millionen. „Aber auch dieser Wert könnte noch ein Stück besser werden“, fügte Alt hinzu.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) erklärte laut Mitteilung seines Ministeriums am Donnerstag, die jüngsten Arbeitsmarktdaten machten Mut und seien Ansporn, „das Ziel Vollbeschäftigung fest im Griff zu behalten. Vollbeschäftigung ist möglich, wenn wir weiter das Richtige tun“. Aus diesem Grund müssten Bildung, Qualifikation und Ausbildung verbessert werden. Vor allem die 500 000 arbeitslosen Schulabbrecher müssten mit einem Rechtsanspruch auf einen Schulabschluss bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten.

Knapp wird in diesem Jahr nach Angaben der Bundesagentur-Führung die für diesen Herbst vielfach prognostizierte Unterschreitung der Drei-Millionen-Marke bei der Arbeitslosenzahl. Dazu müsste innerhalb der nächsten zwei Monate die Zahl der Erwerbslosen um mehr als 200 000 sinken. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir im September unter drei Millionen Arbeitslose kommen, ist sehr klein. Im Oktober liegt sie etwas über 50 Prozent“, sagte Alt.

Als Hinweis auf die unverändert robuste Arbeitsmarktlage wertet die BA auch das große Angebot an freien Stellen. Mit 419 000 bei den Arbeitsagenturen registrierten Stellen liege die Nachfrage im August in etwa auf dem Niveau der Vormonate. Auch die steigende Zahl der Erwerbstätigen bestärke die BA in ihrer Einschätzung. Die Zahl lag zuletzt im Juli mit 40,31 Millionen um 560 000 über dem Vorjahreswert. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm binnen Jahresfrist um 596 000 auf 27,45 Millionen zu.

Die BA-Führung räumte allerdings ein, dass der Arbeitsmarkt nicht nur von der nach wie vor hohen Kräftenachfrage, sondern auch von der zunehmenden Überalterung der deutschen Gesellschaft profitiere. Allein wegen der wachsenden Zahl der Ruheständler werde der deutsche Arbeitsmarkt pro Jahr um rund 100 000 Menschen entlastet; dieses schlage sich natürlich auch in der Arbeitslosenstatistik positiv nieder. Umgekehrt belastete den Arbeitsmarkt das Auslaufen vorruhestandsähnlicher Regelungen. Ältere, die solche Regelungen genutzt hatten, waren bis Ende 2007 nicht als arbeitslos gezählt worden. Jetzt tauchten sie wieder in der Statistik auf.

Unverändert tief ist die Kluft zwischen den Arbeitsmärkten in West- und Ostdeutschland. In Relation zu allen Erwerbspersonen ist die Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern noch immer doppelt so hoch wie in alten. Während die Quote im Westen bei 6,3 Prozent lag, betrug sie im Osten 12,8 Prozent. In Westdeutschland waren im August 2 109 000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das waren 11 000 weniger als im Juli und 335 000 weniger als im entsprechenden Vorjahresmonat. In Ostdeutschland gab es im August 1 087 000 Arbeitslose, 3000 weniger als im Juli und 175 000 weniger als vor zwölf Monaten.

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