Arbeitslosenzahl leicht gestiegen

Schwerin/Kiel - Die weltweite Finanzkrise ist nach Einschätzung der Bundesarbeitsagentur auf dem Arbeitsmarkt von Mecklenburg-Vorpommern noch nicht angekommen. Die Arbeitslosenzahl stieg im November nur leicht an. Es seien 3100 Menschen mehr arbeitslos als im Oktober, teilte die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Kiel mit. Der Anstieg sei saisonal bedingt. „Das ist ein völlig normaler Vorgang in einem November“, sagte der Chef der Regionaldirektion, Jürgen Goecke, in Schwerin. Mit aktuell 112 300 Erwerbslosen oder einer Quote von 12,8 Prozent sei die Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Novemberstand seit 1990.

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27. November 2008, 02:43 Uhr

Im Vergleich zum Vorjahresmonat gebe es 17 600 Erwerbslose weniger. Der saisonbedingte Anstieg im Spätherbst betreffe besonders die vom Tourismus geprägten Regionen des Landes. Auch die Landwirtschaft brauche in dieser Jahreszeit weniger Arbeitskräfte. Entscheidend sei der „dramatische Rückgang“ der Arbeitslosenzahl in den vergangenen drei Jahren um mehr als 45 000, betonte Goecke. „Die Hartz-IV-Reform hat sich sehr ausgezahlt.“ Für das nächste Jahr erwartet Goecke einen Anstieg, die Zahl werde aber auch im Januar noch unter 140 000 liegen. Hintergrund sei die - von den Werften abgesehen - „weitgestreute Wirtschaft“ des Landes. Der starke Tourismus könne ein deutlicher Stabilitätsfaktor sein. „Wir sehen optimistisch in die Zukunft“, sagte der Agenturchef.
Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) hob positiv hervor, dass mehr sozialversicherungspflichtige Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt entstanden seien. „Wir haben hier seit 30 Monaten Zuwachs.“ Seidel betonte, die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft im Land müssten weiter verbessert werden. „Das gilt gerade in Zeiten, wo sich die Konjunktur abschwächt.“ Die Abschwächung zeigt sich nach Angaben der Arbeitsagentur besonders an der Zahl der ungeförderten offenen Stellen, die im Vergleich zum Oktober um 20,1 Prozent zurückging.

Neue Jobs wurden in den vergangenen zwölf Monaten im verarbeitenden Gewerbe, bei den Dienstleistungen und im Gesundheitswesen geschaffen. Im September habe es rund 528 000 sozialversicherungspflichtige Stellen im Land gegeben, 5200 mehr vor Jahresfrist. Profitiert hätten vor allem Frauen und jüngere Arbeitslose, hieß es von der Arbeitsagentur.
Die Agentur rechnet damit, dass die Zahl der Arbeitssuchenden im nächsten Jahr um 120 000 in den neuen Ländern sinken wird, in Mecklenburg-Vorpommern um 10 000. Hintergrund sei die demografische Entwicklung, es gingen mehr Ältere in den Ruhestand als Jüngere nachkämen, erklärte Goecke. Er appellierte darum an die Betriebe, mit den Ausbildungsanstrengungen nicht nachzulassen. Langfristig werde es einen Arbeitskräftemangel geben.

Im Vergleich der Bundesländer liegt Mecklenburg-Vorpommern derzeit gemeinsam mit Berlin wieder auf dem letzten Platz in der Arbeitsmarktstatistik. Die höchste Arbeitslosenquote im Land hat der Uecker-Randow-Kreis mit 16,5 Prozent, die niedrigste der Kreis Bad Doberan mit 8,7 Prozent. Unter den kreisfreien Städten liegt Rostock mit 12,4 Prozent an der Spitze und Neubrandenburg mit 15,1 Prozent am Ende. Als einzige der sechs größeren Städte verringerte Greifswald seine Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vormonat, und zwar um 248 oder 6,6 Prozent.

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