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Offizielle Statistik sieht deutliche Verbesserung : Arbeitslos - eine Frage der Quelle

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Die Konjunktur belebt den deutschen Arbeitsmarkt - diese Nachricht gilt derzeit offiziell auch für große Teile MV`s, messbar an sinkenden Arbeitslosenzahlen. Allerdings zeigt ein Blick ins Detail...

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erstellt am 22.Jan.2011 | 11:18 Uhr

In Westmecklenburg besteht ein Nord-Süd-Gefälle; während die Landkreise Ludwigslust und Parchim im Vergleich der Monate Dezember 2009 und Dezember 2010 um 6,3 bzw. 8,6 Prozent weniger Arbeitslose haben (Schwerin: minus 11,1 Prozent), lag der Rückgang in Nordwestmecklenburg im Vergleichszeitraum lediglich bei 2,7 Prozent. In der Hansestadt Wismar schlug die Werften-Krise durch: Hier kletterte die Zahl aller registrierten Arbeitslosen sogar um 9,9 Prozent. Noch stärkeren Rückgang gab es von Dezember 2009 zu Demeber 2010 in den Landkreisen Güstrow, Bad Doberahn sowie der Hansestadt Rostock (siehe Grafik). Kritiker halten die Statistik nach wie vor für fehlerhaft.

Kreis Parchim

Im Einzelnen: Deutschlandweit sank Zahl der arbeitslos registrierten Frauen und Männer im genannten Zeitraum um 7,9 Prozent - ähnlich wie im Landkreis Parchim. Ende 2010 waren kreisweit 5170 Menschen ohne Job - ein Rückgang um 486. Dabei profitierten von dieser Entwicklung wie fast überall mehr Männer als Frauen; in Summe waren aber mit 2855 immer noch deutlich mehr Vertreter des so genannten starken Geschlechts in den Datenbanken der Arbeitsagentur. Die Quote der erfassten Arbeitslosen bezogen auf alle erwerbsfähigen Menschen sank damit von 10,8 auf 10,0 Prozent.

Kreis Nordwestmecklenburg

Anders die Entwicklung im Gebiet des Landkreises Nordwestmecklenburg: 6784 Arbeitslose im Dezember 2010 waren 185 weniger als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote sank nur leicht von 10,6 auf 10,5 Prozent.

Kreis Ludwigslust

Der langjährige Krösus in der Arbeitslosenstatistik Westmecklenburgs, der Kreis Ludwigslust, hat derzeit eine Gesamtquote an Arbeitslosen von 8,3 Prozent, vor einem Jahr lag sie bei 9,0 Prozent. Mit 5781 gab es Ende 2010 genau 493 Arbeitslose weniger als Ende 2009.

Schwerin

In der Landeshauptstadt waren im vergangenen Dezember mit 5846 genau 730 Frauen und Männer weniger arbeitslos als ein Jahr zuvor erfasst. Die Gesamtquote sank von 13,4 auf 11,9 Prozent.

Wismar

Gegen den Bundestrend stehen die Zahlen für die Hansestadt Wismar. Hier gab es im Dezember 2010 mit 3423 sogar 307 Arbeitslose mehr in den Büchern der Arbeitsagentur als vor Jahresfrist. Die Gesamtquote kletterte damit von 14,1 auf aktuell 15,6 Prozent.

Kritik löst die aktuelle Statistik - 20 Jahre nach der Wende - in der Politik aus. Die Linkspartei spricht von geschönten Zahlen, da viele Menschen in z.B. Ein-Euro-Jobs aus der Statistik fallen. Kreisvorsitzende Ellen-Erika Raeschke erklärte kürzlich, dass es im Lamdkreis Parchim etwa 2000 Arbeitslose mehr gebe als verkündet.

Die "tatsächlichen Zahlen" lägen landesweit um etwa 50 000 höher, sagte gestern Jörg Böhm, Landesvorsitzender des Arbeitslosenverbandes. Er moniert, "dass die Arbeitslosen-Statistik nicht alle Daten abbildet". So tauchten alle in Maßnahmen Beschäftigten und Arbeitslose, die von privaten Vermittlern betreut werden, dort nicht auf. Im vergangenen Dezember habe es z.B. landesweit 15 000 Ein-Euro-Jobber gegeben.

"Dadurch, dass die Statitik häufig verändert wurde, ist ein Vergleich z.B. mit 2005 nicht möglich", so Böhm. "Das hat Wirtschaftsminister Seidel selbst eingeräumt." Viel interessanter sei für ihn die Zahl der Hilfebedürftigen: laut Arbeitslosenverband in ganz MV derzeit etwa 160 000 Menschen - zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Darunter seien auch Aufstocker, die zwar arbeiten, aber wegen geringen Verdienstes Zuschüsse erhalten. Böhm fordert: "Das muss man als Problem erkennen."

Jörg Böhm vom Arbeitslosenverband benutzt lieber den Begriff der "Unterbeschäftigung" - laut Verbandsberechnungen rund 155 000 Betroffene: 50 Prozent mehr. Denn neben Ein-Euro-Jobbern oder zu Qualifizierenden seien weitere Gruppen nicht in der Statistik enthalten: z.B. von privaten Personal-Service-Aghenturen betreute Arbeitslose oder Menschen in Kurzarbeit. Darüber hinaus, und laut Böhm nicht berechnet, müssten Auspendler, Mini- und Midi-Jobber oder Menschen mit Job, die wegen geringen Lohns einer Aufstockung von der Arge erhalten, hinzugerechnet werden. Dieses fehlende "Arbeitszeitvolumen" wolle der Erwerbslosenrat MV in den kommenden Monaten ermitteln.

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