Lübzer Agentur-Leiter Volker Syring fordert Unternehmer auf : "Arbeitgeber müssen umdenken"

Gehören sie zum alten Eisen? Viele Arbeitgeber scheuen sich davor, vorhandene Stellen mit Arbeitnehmern jenseits der 50 zu besetzen.
Gehören sie zum alten Eisen? Viele Arbeitgeber scheuen sich davor, vorhandene Stellen mit Arbeitnehmern jenseits der 50 zu besetzen.

Im Amtsbereich Lübz ist die Anzahl derer, die Arbeitslos gemeldet sind und bereits das Alter von 50 Jahren überschritten haben, groß. Rund 35% der arbeitslos gemeldeten sind über 50 bis unter 65 Jahre alt.

von
23. Dezember 2010, 08:27 Uhr

Das heißt konkret 486 Menschen im November. Das sind fast vier mal so viele wie es derzeit junge Arbeitslose zwischen 15 bis 25 Jahre gibt. Die viel diskutierte Jugendarbeitslosigkeit steht also einer nicht unbedeutenden Arbeitslosigkeit von Menschen fortgeschrittenem Alter gegenüber. Nicht nur in der Region Lübz, Goldberg, Plau weist die Statistik diese Bilanz aus. Im Bereich Nordwestmecklenburg ist es ähnlich.

"Diese Zahlen sind bezeichnend für die Struktur in der Region. Wir sind ein altersschwaches Land und das spiegelt sich auch in den Statistiken wider," erklärt Volker Syring, Leiter der Agentur für Arbeit in Lübz. "Auch in den letzten Jahren haben sich diese nicht geändert." Das hängt unter anderem mit dem demografischen Wandel zusammen, erklärt der Agenturchef. Die älteren Menschen nehmen in der Gesellschaft zu, die Jüngeren werden immer weniger. "Das fällt auch auf, wenn man Stellen zu besetzten hat."

Wenn jemand, der 30 oder 40 Jahre gearbeitet hat, plötzlich wegen Arbeitslosigkeit zur Agentur für Arbeit gehen muss, dann stehe er erst einmal unter Schock, sagt Volker Syring. "Wir versuchen dann hier Perspektiven zu bieten. Aber natürlich reden wir auch nichts schön. Das Alter ist, wenn man wieder Arbeit finden möchte, schon ein Problem," räumt der Agenturchef ein. "Viele Arbeitgeber fürchten, dass ältere anfälliger und öfter krank sind als junge Arbeitnehmer," so Syring. In der Baubranche, wo die Arbeitnehmer körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten zu verrichten hätten, seien viele mit 53 bereits "verbraucht", gibt er zu bedenken. Doch generell sei es sehr branchenabhängig, wie alt der potentielle Arbeitnehmer sein kann. "Manche Betriebe bauen auf langjährige Berufserfahrung, zum Beispiel im Büro oder bei Ingenieuren, da wird Erfahrung dringend gesucht", sagt Syring.

Doch generell könne man nicht sagen, dass es eine Branche gebe, die verstärkt Menschen über 50 Jahren einstellt. "Es muss ein Umdenken bei den Arbeitgebern einsetzten. Das Alter sollte egal sein," befindet Syring. Denn das Hauptproblem sei ein großer Fachkräftemangel in der Region. Die Angebote, die Arbeitnehmer machen, seien zudem nicht immer attraktiv genug, um junge Menschen zu motivieren, in die Region zu ziehen. Ein weiteres Problem, das zu erkennen sei, wäre die Motivation der jüngeren Arbeitnehmer - zum einen in die Region zu kommen, zum anderen für einen zum Teil vergleichsweise geringen Lohn hier zu arbeiten. "Bei älteren Menschen ist das oft ganz anderes, die sind hochmotiviert und eher bereit einen geringer bezahlten Job in dieser Region anzunehmen," kann Volker Syring aus Erfahrung berichten.

Außerdem gebe es besondere Fördermöglichkeiten für Arbeitssuchende über 50: sogenannte Eingliederungszuschüsse, die für ältere Arbeitnehmer gelten, um bei Arbeitgebern das Hemmnis Alter zu entkräften. "Und die Förderung ist lukrativ für Arbeitgeber." Eine andere Förderungsmaßnahme sei die Entgeltsicherung. Mit ihr werden älteren Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitnehmer Anreize zur Aufnahme einer Tätigkeit geboten. Ist die Aufnahme einer neuen Beschäftigung mit finanziellen Einbußen im Vergleich zum Lohn aus früheren Tätigkeiten verbunden, kann die Nettodifferenz durch eine zeitlich befristete Aufstockung durch die Agentur teilweise ausgeglichen werden. Etwas vergleichbares gebe es nicht für jüngere Arbeitnehmer. "Diese Förderungen sind ein Anreiz für beide Seiten, auch Menschen über 50 einzustellen," ist sich Volker Syring sicher.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen