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22. September 2017 | 02:34 Uhr

Apache, Alexis und Zirkusdirektor

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erstellt am 11.Jun.2010 | 06:01 Uhr

Berlin | Lange schwarze Haare, die von einem Stirnband gehalten werden, unergründlicher Blick, muskulöser Körper, Mokassins und fransige Lederhosen - die Rolle des Indianers war Gojko Mitic wie auf den Leib geschneidert. In den neuen Bundesländern hat er einen fast 100-prozentigen Wiedererkennungswert. Fans reden von ihm auch heute meist nur mit dem Vornamen. Vielen ist er von frühester Kindheit ein treuer Begleiter. Morgen (13. Juni) wird Gojko Mitic 70 Jahre alt.

Alter ist für Mitic eine Frage der Einstellung. "Es kommt von innen heraus", ist er sich sicher. Über anerkennende Worte zu seinem Aussehen - immer noch volles Haar, wenn auch heute grau - freut er sich schon. Und Fragen nach Tipps und Tricks wie er das schafft, muss er schon seit Jahren beantworten: konsequenter Verzicht aufs Rauchen, gesundes Essen mit viel Gemüse und wenig Fett, regelmäßig Sport und mäßig Alkohol. Und ein striktes "No" zu Schönheits-Operationen, um sich auch noch im Spiegel zu mögen. Dabei belässt er es, denn weitere Fragen zu seinem Privatleben umschifft er immer charmant. Über seinen runden Geburtstag will er überhaupt nicht reden.

Chingachgook, Ulzana, Winnetou

Die DDR-Filmgesellschaft DEFA wollte in den 1960er Jahren ein Pendant zu den im Westen beliebten Karl-May-Verfilmungen setzen. Zwischen 1966 und 1985 kamen aus den Studios in Potsdam-Babelsberg 15 Streifen, die damals ein Millionenpublikum fanden. Mit dem jungen, 1,80 Meter großen, in Jugoslawien geborenen Mitic fand man schnell einen Star, der auch optisch perfekt in die Rolle passte. Bereits in den 1960er Jahren hatte er im Westen in Karl-May-Filmen mitgespielt.

Mitic gab in den DDR-Indianerfilmen die Häuptlinge Chingachgook, Ulzana oder Tecumseh. Er überzeugte vor allem durch seine raumgreifende Präsenz: Mitic hatte in der Heimat ein Studium zum Sportlehrer und eine Schauspielausbildung absolviert. Wagemutige Stunts übernahm er selbst. Bei rasanten Ritten durch die Weiten der Prärie - die in Wirklichkeit bei den Filmarbeiten irgendwo im Brandenburgischen lag - saß er majestätisch auf dem Pferd.

Auch wenn Mitic zu DDR-Zeiten in einem Science-Fiction-Streifen und in Fernsehproduktionen vor der Kamera stand oder Regie bei Kinderfilmen führte: Seine Popularität verdankte er vor allem den Indianer-Rollen. Das brachte ihm waschkörbeweise Fanpost ein. In Kinderzimmern prangten Poster von ihm in seiner Paraderolle als mutiger Indianer, der sein Volk verteidigt. Seine Beliebtheit vor allem bei Kindern erklärt er sich so, dass er immer den guten Indianer spielte. Die DDR-Rockgruppe Winni II besang ihn, seine spielenden Muskeln und die starken Fäuste. Die Musiker outen sich als Fans: "He, Gojko, Gojko, du bist ganz groß!"

Mit der Wende bleibt Mitic dem bekannten Terrain treu. 1992 wird er für die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg als "Winnetou" engagiert. Die Film-Paraderolle von Pierre Brice hatte er bis dahin kein einziges Mal gespielt. In 15 Spielzeiten gibt er dann den stolzen Häuptling der Apachen. Bei mehr als 1000 Aufführungen steht er als Winnetou auf der Bühne und begeistert gesamtdeutsch. 2006 tritt er dort ab, als bis dato dienstältester Winnetou.

Mitic ist auch in TV-Produktionen zu sehen und bleibt dem Theater treu. In "Einer flog über das Kuckucksnest" spielt er am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin von 2007 bis 2009 den Indianer-Häuptling Bromden. Bei den Schweriner Schlossfestspielen 2009 übernimmt er die Hauptrolle in "Alexis Sorbas". Hier kommt es auch auf eine seiner weiteren Leidenschaften an, das Singen. Die Plattenfirma Amiga hatte bereits einige Tonträger mit ihm herausgegeben.

Mitic, der in Berlin lebt, hat gerade eine Episodenrolle in der ARD-Reihe "Commissario Laurenti" abgedreht. Im Sommer steht er vor der Kamera für die ZDF-Serie "Notruf Hafenkante". Dort in der Rolle eines Zirkusdirektors.

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