Antragsflut stoppt Liechtenstein-Prozess - Anwälte bezweifeln Zuständigkeit des Gerichts

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06. Mai 2008, 08:05 Uhr

Rostock - Der Prozess gegen mutmaßliche Erpresser der Liechtensteiner Landesbank ist am Dienstag in Rostock erneut durch eine Antragsflut der Verteidiger gestoppt worden. Noch vor Verlesung der Anklageschrift bezweifelten die Anwälte die Zuständigkeit des Rostocker Landgerichtes, monierten die Auswahl einiger Schöffen und beantragten die Ersetzung eines Rostocker Pflichtverteidigers. Für einen ihrer Mandanten wurde die Einstellung des Verfahrens gefordert, da die Klageschrift zu unkonkret sei, wie die Verteidiger kritisierten. Das Gericht wollte noch am Abend über die Anträge entscheiden.

Damit gerät der Prozess gegen ursprünglich vier Beschuldigte, die der banden- und gewerbsmäßigen Erpressung angeklagt sind, erneut ins Stocken. Bereits Mitte April war die Hauptverhandlung eröffnet worden, auch damals musste sie wegen zahlreicher Anträge noch vor der Verlesung der Anklageschrift ausgesetzt werden. In der Zwischenzeit wurde ein Verfahren abgetrennt, weil die Verhandlungsfähigkeit eines der mutmaßlichen Täter überprüft werden soll.

Den Männern aus Lübeck, Kiel und Rostock wird vorgeworfen, sich vor fünf Jahren mehr als 2300 gestohlene Kontenbelege verschafft zu haben, um damit Kunden sowie die Liechtensteiner Landesbank LLB zu erpressen. Umgerechnet neun Millionen Euro Schweigegeld wurden vom Geldinstitut bereits bezahlt. Zum Verbleib des Geldes sowie nicht ausgehändigter Kontenbelege machten die Angeklagten bislang keine Angaben.

Eher zufällig war der Erpressungsfall im Rahmen von Ermittlungen zu Geldwäschedelikten aufgedeckt worden. Ende vergangenen Jahres geriet einer der Angeklagten, ein verurteilter Bankräuber und Erpresser, wegen eines dubiosen Geldtransfers ins Visier der Behörden und wurde festgenommen. Die drei mutmaßlichen Mittäter wurden später ermittelt, alle sitzen wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

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