Schwerin : "Anschub" wirkt an 62 Schulen

Wie 61 weitere Schulen in Mecklenburg-Vorpommern, ist das Erasmus-Gymnasium in Rostock eine Anschub-Schule. zvs
Wie 61 weitere Schulen in Mecklenburg-Vorpommern, ist das Erasmus-Gymnasium in Rostock eine Anschub-Schule. zvs

Es geht um nichts Geringeres als die "gute gesunde Schule". 62 Schulen im Land firmieren heute als Anschub-Schulen, Anschub gilt mithin als größtes Präventionsprogramm im Nordosten.

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09. Dezember 2010, 11:12 Uhr

Anschub.de - die Allianz für nachhaltige Schulgesundheit und Bildung in Deutschland - hat sich diesem Ziel verschrieben und seine mecklenburg-vorpommerschen Mitstreiter gestern zum 1. Gesundheitstag ins Schweriner Schloss geladen.
Aufgelegt hatte es die Bertelsmann-Stiftung im Jahre 2002 mit Blick auf ganz Deutschland. Mecklenburg-Vorpommern war zwei Jahre später eingestiegen, zunächst mit 14 Schulen im Schulamtsbereich Greifswald. 2008 folgten 15 Schulen in und um Rostock, zu guter Letzt kamen in diesem Schuljahr 12 Schulen im Schulamt Neubrandenburg und 21 im Bereich Schwerin hinzu.

In fünf Bundesländern erreicht Anschub.de mittlerweile 375 000 Schüler und 30 000 Lehrer, wie Prof. Peter Paulus von der Leuphana Universität Lüneburg darlegte. Als geistiger Kopf des Programms verdeutlichte er einmal mehr den Zusammenhang zwischen Bildung, Gesundheit und sozialer Lage. "Die Eltern tragen natürlich Verantwortung für das gesunde Aufwachsen von Kindern, darüber hinaus besteht eine öffentliche Verantwortung für förderliche Rahmenbedingungen", sagte Peter Paulus.

Knapp ein Viertel in "Schonhaltung"

Anhand von aktuellen Untersuchungen beschrieb der Wissenschaftler die gesundheitliche Lage im Schulwesen. Demnach seien im Durchschnitt nur 17 Prozent der Lehrkräfte rundum gesund, knapp ein Viertel der Lehrerschaft habe zum Selbstschutz eine "Schonhaltung" eingenommen. Laut Kiggs, einer Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, sind an einer exemplarischen Grundschule mit 250 Kindern 44 psychisch auffällig, überwiegend Jungen. Zudem sei zu beobachten, dass ein Kind in dieser Lebensphase deutlich mehr Gewicht zunehme als vor- und nachher. "Möglicherweise weil das Spielkind zum Sitzkind wird?", fragte der Dozent.

Er warb nachdrücklich dafür, das Thema Gesundheit über Projekte zur Prävention oder gesunde Ernährung hinaus zum selbstverständlichen Lehrinhalt zu machen. Schule sei mehr als ein Ort des Lernens, sie müsse sich als "Lebensort" und "sozialer Anker" etablieren. Allerdings erinnerte er auch daran, dass es einen langen Atem braucht, ein solches Selbstverständnis zu gewinnen und zu vermitteln. "Gute Gesundheit unterstützt erfolgreiches Lernen", sagte der Professor. Und: Dies gelte ebenso im Umkehrschluss.

Netzwerke von Sympathisanten

Aus Sicht von Bildungsminister Henry Tesch (CDU) zeigen sich bei der Auswertung der Anschub-Arbeit erste Erfolge auf dem Weg zur "guten gesunden Schule". "Durch die Vernetzung von Gesundheit und Bildung wird die gesamte Schulentwicklung positiv und nachhaltig gefördert", sagte er und lobte die Zusammenarbeit mit den Partnern des Programms. Angestoßen durch die Bertelsmann-Stiftung, die sich nunmehr schrittweise aus diesem Thema zurückziehen will, haben sich in den Bundesländern Netzwerke von Sympathisanten und Förderern entwickelt. Sie wollen die Arbeit aus eigener Kraft fortsetzen. Hierzulande sind neben dem Bildungs- und dem Sozialministerium die AOK, Barmer/GEK, Techniker Krankenkasse, die Unfallkasse und die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Partner für die Schulen. Im Schloss stellten sie beim Gesundheitstag ihre Angebote für Gesundheitsprävention und Suchtvorbeugung, für Bewegung und gesunde Ernährung vor.

Im Januar, so kündigte Henry Tesch an, werde sein Ministerium mit allen Beteiligten eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnen, die Anschub.de offiziell in ein Landesprogramm umwandelt. "Weitere Unterstützer sind durchaus noch gern gesehen", betonte der Minister. Er sprach sich zudem für einen verstärkten Erfahrungsaustausch zwischen den Anschub-Schulen aus.

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