VS-Skandal - Musterverfahren vor dem Landgericht Rostock : Anleger klagen gegen Volkssolidarität

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Beim Landgericht Rostock haben gestern fünf Opfer der insolventen Immobilienfonds der Volkssolidarität in Mecklenburg-Vorpommern Zivilklage eingereicht. Dabei handelt es sich um Musterverfahren.

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09. Dezember 2010, 08:48 Uhr

Rostock | Beim Landgericht Rostock haben gestern fünf Geschädigte der insolventen Immobilienfonds der Volkssolidarität (VS) in Mecklenburg-Vorpommern Zivilklage eingereicht. Dabei handle es sich um Musterverfahren, insgesamt gehe es um 200 000 Euro Schadenersatz, sagt der Anlegeranwalt Jochen Resch. Er wirft den Verbänden der VS vor, das von den Fonds betriebene Schneeballsystem geduldet zu haben. Die Zinsen für die Anleger hätten nur mit dem Geld neuer Kunden bezahlt werden können. Bereits 2001 sei klar gewesen, dass dieses Geschäft scheitern musste. Doch: "Auf vielen Ebenen und bis in den Bundesverband hinein saßen Verantwortliche, die ihre Augen trotz des unabwendbaren Zusammenbruchs fest geschlossen hielten", sagt der Jurist. Auf diesem Ansatz baue er nun auf.

Hanns Feldmann, einer der Geschädigten, kann die Klagewelle nur befürworten. "Ich möchte, dass die Wahrheit auf den Tisch kommt", sagt der 74-Jährige. Aufgrund der Insolvenz der Immobilienfonds bange er um mehrere Tausend Euro. Wenn die ersten Klagen Erfolg hätten, könne auch er sich vorstellen, vor Gericht zu ziehen. Enttäuscht vom Verhalten der Verantwortlichen hat sich Feldmann, der Mitglied im Kreisverband Bad Doberan/Rostock Land war, mittlerweile von der VS verabschiedet. "Eigentlich wollte ich danach nie wieder in einen Verein gehen", sagt der Groß Bölkower. Doch inzwischen ist er in den Verband der Geschädigten von VS-Geldanlagen eingetreten, in dem sich rund 400 Anleger versammelt haben. "Jetzt wollen wir sie weich klopfen", sagt Feldmann.

Mitglieder verlieren ihr Vertrauen in die VS

Aus diesem Grund ist auch Silke Biemann Mitglied in dem Interessenverein geworden. Die 45-Jährige vertritt ihre 85 Jahre alte Mutter, die sehr unter dem Skandal gelitten habe, sogar davon krank geworden sei. Auch sie habe mehrere tausend Euro in die Fonds gesteckt, weil ihr dafür ein bevorzugter Platz im Betreuten Wohnen oder im Pflegewohnheim versprochen worden sei. "Sie war der festen Überzeugung, da kann nichts schiefgehen", erzählt die Tochter. Doch mittlerweile habe sie ihr Vertrauen in die VS verloren. Wenn die Klagen erfolgreich sind, kann sich auch Biemann vorstellen nachzuziehen. "Wir müssen zeigen, dass wir uns so etwas nicht gefallen lassen", sagt sie.

Die Zivilklagen richten sich gegen die beiden Kreisverbände Mecklenburg Mitte und Bad Doberan/Rostock-Land sowie gegen den Landes- und den Bundesverband. Nach Angaben von Resch, der die Kläger vertritt, hatte die VS seit den 1990er-Jahren Freunde und Mitglieder dazu aufgefordert, ihre Ersparnisse gegen 5,5 Prozent Zinsen als "Darlehen" einzubringen. Mehr als 1400 meist ältere Bürger seien dem Angebot gefolgt. Seit der Insolvenz des Immobilienfonds im Jahr 2009 drohe ihnen der Totalverlust ihrer Einlagen. Insgesamt sollen 9,5 Millionen Euro versickert sein. "Nun müssen die Verbände der Volkssolidarität dafür geradestehen", fordert der Jurist. Gegen zwei Ex-Chefs der VS ermittele die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Betrugs.

Viele der Betroffenen sind älter als 70 Jahre

Der Sprecher des Geschädigten-Verbands, Gottfried Hörnig, zeigte sich enttäuscht von der Reaktion der VS. Alle Hoffnung, dass sie sich freiwillig auf die Geschädigten zubewege, hätten sich nicht erfüllt. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Zivilklagen erfolgreich sein werden, die VS verfüge über ein großes Vermögen. Es stimme nicht, wenn sie mit Blick auf ihre Gemeinnützigkeit stets betone, dass sie nicht zahlen könne und dürfe. "Das ist glatter Unsinn", sagte er. Da viele der Geschädigten schon älter als 70 Jahre sind, hofft Dr. Jürgen Fischer, Vorstand der Neuen Verbraucherzentrale, dass das Landgericht die Verfahren zügig beginnt. "Der Zeitfaktor sitzt uns im Nacken", sagt er.

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