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26. September 2017 | 16:46 Uhr

Angst vor dem Feuerteufel geht um

vom

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2010 | 08:55 Uhr

Schwerin | In der katholischen St.-Anna-Kirche in der Schlossstraße liegt noch immer Brandgeruch in der Luft.
Pfarrsekretärin Stephanie Montag kann nicht fasse n, was am Donnerstag geschehen ist: Gegen 13.30 Uhr zündeten unbekannte Täter den Samtvorhang eines Beichtstuhls aus dem 19. Jahrhundert an (wir berichteten). "Wir haben noch großes Glück gehabt, dass das Feuer nicht den ganzen Beichtstuhl erfasst hat", sagt Stephanie Montag, die den Schaden in der Kirche festgestellt und die Polizei verständigt hatte.

Die Angst vor einem Feuerteufel geht um in Schwerin. Besorgt sind vor allem die Bürger in der Schelfstadt. Dort hatte es am Dienstag gegen 21.40 Uhr zunächst im Sanitärtrakt und in der Küche des Konservatoriums gebrannt. Da das Gebäude mit Rauchmeldern ausgestattet ist, war die Feuerwehr schnell vor Ort und konnte die Flammen löschen. Personen wurden nicht verletzt. Am Mittwoch gegen 11.20 Uhr brannte es dann in der Schelfkirche. Eine Gemeindemitarbeiterin bemerkte das Feuer auf der Altardecke und schritt behe rzt da gegen ein.

Im Mai dieses Jahres bereits hatte eine Brandserie die Schelfstädter in Atem gehalt en, unter anderem waren Papiercontainer angezündet worden. Auch die Altardecke in der Schelfkirche stand dama ls schon mal in Flammen. Im Stadtteil macht nun die Idee einer Art "Bürgerwehr" die Runde: Einwohner überlegen, ob sie gemeinsam Streife gehen sollen. In Einrichtungen wie dem Schleswig-Holstein-Haus und dem Kultur-Informations-Zentrum, beide in der Puschkinstraße, achten die Mitarbeiter jetzt besonders auf die Besucher (siehe Umfrage).

Die Polizei geht unterdessen davon aus, dass zumindest zwischen den Bränden in der Schelfkirche und der St.-Anna-Kirche ein Zusammenhang besteht. "Auffällig sind die P arallelen in der Begehungsweise und beim Tatzeitpunkt", sagt der Sprecher der Schweriner Po lizeidirektion, Niels Borgmann. Die Abteilung "Spezielle Kapitaldelikte" der Kriminalpolizeiinspektion habe die Ermittlungen aufgenommen. Vorläufig gäbe es aber noch keine heiße Spur, so Borgmann. Gesucht würden weiterhin Zeugen, die Angaben zu dem etwa 1,60 Meter großen, gehbehinderten Mann machen könnten, der am Mittwoch zur Tatzeit in der Schelfkirche gesehen worden sei.

Neben der Ermittlungstätigkeit setzt die Polizei auch auf Prävention. "Wir habe n ein besonderes Auge auf die Kirche n in der Stadt", betont Sprecher Borgmann. Streifenwagen patrouillierten verstärkt in den betreffenden Be reichen der Stadt. Darüber hinaus stehe die Polizei in engem Kontakt mit der kommunalen Ordnungsbehörde.

"Die Schelfkirche bleibt vorerst geschlossen", bestätigt der Propst der evangelischen Kirche in Schwerin, Holger Marquardt, auf Anfrage unserer Zeitun g. Er zeigt sich empört und be unruhigt: "Was veranlasst einen Menschen, ein Feuer in einer Kirche zu legen?", fragt Marquardt. Zugleich macht der Propst deutlich, dass geschlossene Türen in einem Gotteshaus nicht das letzte Wort sein könnten: "Das widerspricht unserem Anliegen." So sei etwa der Schweriner Dom auch weiterhin für Besucher geöffnet.

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