Angeklagte im Blitzlichtgewitter: Großes Medieninteresse beim Prozessauftakt in Schwerin

svz.de von
16. Juli 2008, 09:46 Uhr

Schwerin - Wohl selten hat das Schweriner Landgericht einen derartigen Medienandrang erlebt. In Live-Schaltungen berichteten Fernseh- und Radioteams gestern vom Auftakt des Prozesses gegen die Eltern von Lea-Sophie. Fotografen blitzten um die Wette. Auch das Interesse aus der Bevölkerung war groß. Am Einlass zum Gerichtssaal bildete sich schon vor dem offiziellen Prozessbeginn um 9 Uhr eine lange Schlange. „Die ersten Besucher kamen bereits um 7.30 Uhr“, sagte die stellvertretende Gerichtssprecherin, Katharina Herr. So waren die rund 40 Plätze schnell belegt, doppelt so viele hätten es sein können.

„Der Fall Lea-Sophie hat uns tief berührt“, sagten zwei Schwerinerinnen, die im Gerichtssaal dabei sein wollten. Ihre Erwartungen? „Wir hoffen auf ein gerechtes Urteil gegen die Eltern, die in erster Linie für ihr Kind verantwortlich gewesen sind – bei allen Fehlern der Stadt.“ Auch Hiltrud Adam vom „Väteraufbruch für Kinder“, Regionalverband Rostock, war in die Landeshauptstadt gekommen: „Ich erwarte Gerechtigkeit“, so Adam. Die Eltern von Lea-Sophie genauso wie Vertreter des Jugendamtes müssten nun Rede und Antwort stehen.

Polizeikräfte sicherten den Prozessauftakt ab. „Wir leisten der Justiz Amtshilfe“, sagte Einsatzleiter Wolfram Hohmann. Für größere Zwischenfälle habe es im Vorfeld aber keinerlei Anzeichen gegeben. Trotzdem galten erhöhte Sicherheitsvorkehrungen: Wer in den Gerichtssaal wollte, wurde kontrolliert fast wie auf dem Flughafen.

Vor dem Gerichtsgebäude hatte Timo Tasche ein Transparent aufgestellt: „Wie konnte es dazu kommen?“ Der 28-Jährige aus Marl in Nordrhein-Westfalen war eigens zum Prozessauftakt angereist. Seit 6 Uhr hielt er Mahnwache. „Lea-Sophie hat furchtbare Qualen erlitten, die sich nicht in Worte fassen lassen“, sagte Tasche.

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