An Tankstellen nur noch Limo statt Pils

Fruchtsaft statt Bier, Wasser statt Wein: Das geplante Verkaufsverbot für Alkohol an Tankstellen sorgt für Zoff an der Zapfsäule. Aktionismus, der das Alkoholproblem nicht löst, lehnen die Pächter ab. Das Verbot biete einen besseren Schutz für Jugendliche, begründet der Nationale Drogen- und Suchtrat hingegen den Plan.

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22. April 2008, 06:37 Uhr

Schwerin/Rostock - Prohibition an der Tankstelle: Die Pächter fürchten um ihr Geschäft. Vom reinen Kraftstoffverkauf können sie längst nicht mehr leben. „Da müssten die Pächter noch Geld mitbringen“, meinte Jochen Wilhelm, Chef des Fachverbandes des Tankstellengewerbes, in Radeberg. Ohne den Shopbetrieb läuft kaum noch etwas an den 350 Tankstellen mit 2000 Beschäftigten in MV. Doch was jetzt der Nationale Drogen- und Suchtrat in einem Maßnahmekatalog für Bund und Länder vorschlägt, bringt die Pächter um ihre Existenz, klagt Wilhelm. Verkaufsverbot für Alkohol in Tankstellen: „Das macht uns das Geschäft kaputt, löst aber das Alkoholproblem nicht“, meinte Frank Tornier, Pächter mehrerer Stationen in und um Schwerin.

Nach dem Rauchverbot und Umsatzeinbrüchen in Einraumkneipen, bringt nun ein weiteres Verbotsverfahren eine Branche in Not. Die Pläne gefährdeten ein Drittel der bundesweit 15 000 Tankstellen, erwartete Jürgen Ziegner, Chef des Zentralverbandes des Tankstellengewerbes. 30 000 der etwa 100 000 Arbeitsplätze seien betroffen. Damit würde im Flächenland MV die Kraftstoffversorgung weiter ausgedünnt, kritisierte Klaus-Michael Rothe, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwerin.

Fast ein Fünftel des gesamten Shopumsatzes erwirtschafteten die Pächter mit dem Getränkeverkauf einschließlich Alkohol. „Jede Beeinträchtigung im Shopgeschäft entzieht den Pächtern die Existenz“, kritisierte Wilhelm. Ausfälle seien kaum durch weitere Einsparungen auszugleichen. „Da ist alles ausgereizt“, meinte Wilhelm. Den Verkauf zu verbieten sei eine „gravierende Ungleichbehandlung“. Ob Bahnhöfe oder Kioske, es gebe eine Reihe anderer Verkaufsstellen, wo ebenfalls Alkohol zu kaufen ist. Deutschland verfüge über ausreichende gesetzliche Regelungen für den Jugendschutz, die auch von den Tankstellen eingehalten werden, fügte Pächter Tornier hinzu. „Wir haben ein Vollzugs-, aber kein Erkenntnisdefizit“, sagte Rothe. Ein Verkaufsverbot sei hingegen nur unzweckmäßiger Aktionismus, lehnte er weitere Einschränkung ab. Das Thema Alkohol sei ein gesellschaftliches Problem, über das breit aufgeklärt werden müsse. Die IHK wolle zusammen mit den Mineralölkonzernen und Schulen eine entsprechende Aufklärungskampagne starten.

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