An der Metropole vorbei

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28. Mai 2010, 09:03 Uhr

Schwerin | Kaffee und Kuchen haben geholfen, vor 20 Jahren den Landeshauptstadtstreit zwischen Schwerin und Rostock zu entscheiden. Weil die Kreistage der drei DDR-Nordbezirke eine Vorentscheidung treffen sollten, luden die Stadtoberen die Delegierten zur Schnupper-Tour nach Schwerin ein. Dennoch war die Wahl Schwerins durch den Landtag am 27. Oktober 1990 kein Selbstgänger - so jedenfalls erinnert sich Georg Diederich, der als Regierungsbevollmächtigter des Bezirks Schwerin damals für seine Stadt kämpfte. Im Wende-Frühjahr, so Diederich auf einer Festveranstaltung im Landtag am Mittwochabend, standen die Chancen für Schwerin noch schlecht.

Rostock war seit langem die Metropole an der Ostseeküste der DDR. Wirtschaftskraft, Einwohnerzahl und eine altehrwürdige Uni waren Pluspunkte im Hauptstadt-Streit, der mit Blick auf die Wiedervereinigung und die Neugründung Mecklenburg-Vorpommerns ausgebrochen war. "Wer aber kennt Schwerin?" fragten sich Diederich und seine Mitstreiter damals. Ihren Status als Landeshauptstadt hatte die Stadt 1952 eingebüßt.

Da die 33 Kreistage eine Vorentscheidung treffen sollten, luden Schwerins Oberbürgermeister Johannes Kwaschik und Diederich möglichst viele Delegierte ein. "Die Dampferfahrt samt Kaffee und Kuchen war inklusive", berichtete Diederich. Viele Lokalpolitiker ließen sich offenbar auch vom Schloss beeindrucken, trotz bröckelnder Fassade. Zudem versprachen die Schweriner, mit anderen Regionen zu teilen. Neubrandenburg etwa bekam den Sitz des Landesrechnungshofs zugesprochen.

Im Spätsommer zeigte die Schweriner Charme-Offensive Wirkung. Mit 21 zu 12 stimmten die Kreise für Schwerin. Der erste Landtag wurde ins Schloss einberufen, wo der Plenarsaal des Landtags schon hergerichtet war. Mit 40 zu 26 Stimmen bestätigten die Parlamentarier die Vorentscheidung.

Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow nannte die Wahl zur Landeshauptstadt eine "Sternstunde" für Schwerin. Wäre Schwerin nicht Landeshauptstadt, fehlten der Stadt heute wahrscheinlich 10000 Arbeitsplätze. Und das Schloss wäre nicht mit inzwischen 100 Millionen Euro saniert worden.

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