Amoklauf am Niederrhein - Drei Tote und ein Schwerverletzter

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19. August 2009, 12:25 Uhr

Bei einem Familiendrama in Schwalmtal am Niederrhein (Kreis Viersen) sind am Dienstag drei Menschen ums Leben gekommen, ein weiterer Mann wurde schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei und der Kreisverwaltung Viersen hatte ein Hauseigentümer bei einem Zusammentreffen mit Immobilien-Gutachtern des Kreises Viersen und der dortigen Sparkasse gegen 16.30 Uhr am Nachmittag das Feuer eröffnet. Eines der drei Opfer sei vor dem Haus der Familie getötet worden, die beiden anderen im Haus. Eine weitere Person sei angeschossen und schwer verletzt worden. Sie befindet sich im Krankenhaus.

Der mutmaßliche Täter hatte sich nach Angaben der Polizei zunächst in seinem Haus verschanzt. „Gegen 19.30 Uhr hat er aufgegeben, daraufhin haben Spezialeinsatzkräfte das Haus betreten“, sagte Polizeisprecher Markus Niesczery. Seinen Angaben zufolge ist der mutmaßliche Todesschütze unverletzt, er soll jetzt von den Ermittlern zu seinen Motiven befragt werden. „Momentan tappen wir bei den Hintergründen für diese schreckliche Tat noch im Dunkeln“, so Niesczery. Wie es aus Polizeikreisen hieß, soll eine „Mischung aus Familiendrama und bevorstehender Zwangsenteignung“ zu der Amoktat geführt haben. Anfangs war auch von einer möglichen Geiselnahme die Rede, derartige Meldungen konnte die Polizei aber letztlich nicht bestätigen.

Nachträglich korrigieren mussten die Ermittler auch die Zahl der Toten. Nachdem zunächst von vier Toten die Rede war, reduzierte die Polizei später die Zahl der Opfer auf drei. „Offenbar hatte es bei dem Einsatz eine große Verwirrung gegeben, so dass zunächst diese falsche Zahl herausgegeben worden war“, sagte Niesczery.

Derweil reagierten Anwohner in Schwalmtal geschockt. Die Tat hatte sich inmitten eines Neubaugebietes ereignet. Zahlreiche Bewohner kamen stundenlang nicht in ihre Häuser. „Dass so etwas hier passiert, hätte ich nie gedacht“, zeigte sich ein Nachbar entsetzt. „So etwas hört man ja sonst nur aus den USA.“ Andere beobachteten das Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften ebenfalls mit Schrecken. „Da fragt man sich: Wo lebt man? Wo ist man überhaupt noch sicher?“, so eine Frau in Begleitung ihrer Tochter.

Andere Anwohner bereiteten der Polizei derweil Schwierigkeiten. Trotz Warnungen der Einsatzkräfte versuchten immer wieder Nachbarn, das Geschehen am Tatort zu filmen oder zu fotografieren. „Hier und da ragte immer mal wieder einer aus der Dachluke heraus, obwohl hier auf die Gefahr durch den Täter hingewiesen hatten“, sagte Polizeisprecher Niesczery.

Auch der Landrat des Kreises Viersen, Peter Ottmann, war im Laufe des Abends an den Ort des Geschehens gekommen. „Ich möchte den Angehörigen der Opfer mein Mitgefühl ausdrücken. Es handelt sich teilweise um meine Mitarbeiter, es ist schlimm“, sagte Ottmann, der „in den nächsten Tagen“ eine erste Aufklärung des Geschehens erwartet.

Einzelheiten zur Identität oder zum Alter des Todesschützen wollte die Polizei indes noch nicht nennen. In einer Pressekonferenz am Mittwoch sollen weitere Details zur Bluttat von Schwalmtal bekannt gegeben werden.

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