Am Ende zahlt der Bürger

Was noch vor wenigen Monaten als begehrter Rohstoff galt, türmt sich seit der Wirtschaftskrise in den Lagern der jeweiligen Firmen. Altpapier und Co. finden derzeit kaum Absatz.

von
16. Dezember 2008, 07:42 Uhr

Prignitz/Falkenhagen - Die Wirtschaftskrise hat unter anderem auch bei Rohstoffen zu einem Preisverfall geführt. Haben die Altpapierentsorger im Juni noch je nach Sortierung zwischen 80 und 120 Euro pro Tonne Altpapier bekommen, werden sie den Rohstoff jetzt zum Teil gar nicht mehr los. „Wenn wir Glück haben, bekommen wir noch fünf oder zehn Euro pro Tonne, aber zur Zeit nimmt kein Papierwerk mehr Altpapier ab“, sagt Harry Klinger, Betriebsstättenleiter der Mitteldeutschen Logistik GmbH (MDL) in Falkenhagen.
Grund: Der Markt ist zusammengebrochen. Die Papierfabriken, so Klinger, werden ihre Endprodukte kaum noch los, haben die Rohstofflager aber voll mit Altpapier. Der Export nach Asien sei völlig zusammengebrochen. Nun sitzt man in Deutschland auf dem Rohstoff, der einst wie Goldstaub gehandelt wurde.

Viele Unternehmen, auch in der Prignitz, haben sich um das Altpapier gerissen. „Ich denke, die private Altpapiersammlung mit den blauen Tonnen wie die Firma Veolia das macht, wird bald eingestellt werden, ähnlich wird sich das bei den Becker Umweltdiensten verhalten“, schätzt Klinger die Situation ein. Denn für das Altpapier gibt es einfach kein Geld mehr.

Bei der Ausschreibung um die Altpapierentsorgung in der Prignitz hat die MDL dem Landkreis etwa 340 000 Euro für die Entsorgung angeboten. „Noch können wir den Vertrag einhalten, doch im Moment weiß niemand, was die nächsten sechs Monate bringen“, so Klinger.

Zwar habe man mit einer Papierfabrik einen langfristigen Vertrag abgeschlossen, um die Zusagen an den Landkreis zu halten. Doch sinkt das Papieraufkommen durch die Aktivitäten von Becker und Veolia um etwa 20 Prozent. Und niemand weiß, wie die Entwicklung auf dem Markt verläuft.„Zur Zeit machen wir unser eigenes Lager voll. Wir werden nirgendwo Altpapier los“, so Klinger. Wenn sich die Situation in den nächsten Monaten nicht schnell zum Positiven ändere, müsse man an verschiedenen Orten Gespräche führen.

Einer dieser Gesprächsorte könnte die Kreisverwaltung in Perleberg sein. „Wir haben einen gültigen Vertrag, es gibt keinen Grund für Nachverhandlungen“, sagte Edelgard Schimko vom Fachbereich Wirtschaft der Prignitzer Kreisverwaltung. Am Ende, da ist sich auch Harry Klinger sicher, wird der Bürger fehlende Erträge beim Altpapier ausgleichen müssen. Denn Personal und Technik müssen für die Entsorgung des Altpapiers bereit stehen, egal wie hoch der Ertrag aus der Vermarktung des Rohstoffes ist.

Kaum Handel mit SchrottDoch der Preisverfall konzentriere sich nicht nur auf das Altpapier. Ähnlich sehe es bei Schrott aus, aber auch bei Plastikabfällen oder Holz. Alles Rohstoffe, die noch vor sechs Monaten hoch gehandelt wurden.

Die Wirtschaftskrise beschränke sich nicht auf Deutschland sondern habe ganz massiv auch Asien und China getroffen, wohin viele der in Deutschland gesammelten Reststoffe exportiert wurden. Der Export sei zum Stillstand gekommen, was Redereien genauso treffe wie Speditionen und Entsorger.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen