Am besten direkt wieder aufsteigen

<strong>Mohammed Lartey</strong> wurde in Düsseldorf, nicht in Accra geboren, und er ist auch keineswegs der erste Hansa-Profi aus Ghana - das war Godfried Aduobe. <foto>Klaus Feuerherm</foto>
Mohammed Lartey wurde in Düsseldorf, nicht in Accra geboren, und er ist auch keineswegs der erste Hansa-Profi aus Ghana - das war Godfried Aduobe. Klaus Feuerherm

svz.de von
01. Juli 2010, 11:11 Uhr

Rostock | Mohammed Lartey vermochte in den ersten beiden Testspielen des Fußball-Drittligisten FC Hansa in Vorbereitung der Saison 2010/11 bereits Akzente zu setzen. Sowohl bei Verbandsligist Neubrandenburg (9:0) als auch bei Landesligist Güstrow (8:0) steuerte er einen Treffer bei.

Der 23-Jährige, der wie Sebastian Pelzer und Michael Wiemann vom Mitabsteiger aus der 2. Bundesliga Rot-Weiss Ahlen nach Rostock kam, fühlt sich offensichtlich wohl an der Ostsee: "Ich habe einen Vertrag bis 2011, und in dieser Zeit möchte ich hier erfolgreich spielen, am besten oben mit bzw. direkt wieder aufsteigen. Daran will ich mit guten Leistungen teilhaben."

Zuletzt in Ghana gewesen, als er acht war

"Mo" wurde am 4. Dezember 1986 geboren. Allerdings nicht, wie beispielsweise Wikipedia behauptet, in Ghanas rund zwei Millionen Einwohner zählender Hauptstadt Accra, sondern in Düsseldorf als Sohn einer deutschen Mutter und eines aus dem westafrikanischen Land stammenden Vaters.

In seiner zweiten Heimat gewesen ist er auch erst zweimal, zuletzt, als er acht war. Doch da Papa Ibrahim in der Nähe von Accra ein Haus gebaut hat, will er bald mal wieder hinfliegen - vermutlich in der Winterpause.

Auch dass Lartey der erste ghanaische Profi beim FC Hansa sei, wie schon zu hören gewesen ist, stimmt nicht: Das war Godfried Aduobe, der zwischen 2003 und 2005 für Rostock in der 1. Bundesliga auflief (45/1).

Als B-Jugendlicher kam der 1,75 m große Mittelfeldspieler 2001 zu Bayer Leverkusen. Im Männerbereich fasste er unter Trainer Ulf Kirsten Fuß in der zweiten Vertretung (2005 bis 2008 Regionalliga 52/9, Oberliga 30/12). In der Saison 2008/09 schaffte er mit Holstein Kiel (Regionalliga 31/5) den Aufstieg. Nicht umsonst wurde Mohammed zum "Fußballer des Jahres 2008" von Schleswig-Holstein gewählt. Allerdings ließ er dann die "Treppenstufe" 3. Liga aus und erklomm sogleich noch eine höher, indem er nach Ahlen in die 2. Bundesliga (19/1) wechselte. Hier flog er frühzeitig, am 2. Spieltag 2009/10 beim 0:1 gegen Kaiserslautern, wegen einer Notbremse vom Platz (79.). Doch nicht daran, auch nicht an mehreren Trainerwechseln lag es, dass Lartey erst vier Monate später in der letzten Partie der Hinrunde (0:4 gegen Cottbus) wieder auf dem Platz stand. Er hatte sich einen Innenband-anriss im linken Knie zugezogen, "hätte nicht gedacht, dass das so lange dauert".

Auch ansonsten war die vorige Saison keine glanzvolle, denn Ahlen musste am Ende genau wie Rostock in die Drittklassigkeit. Sein einziges Tor erzielte "Mo" am 20. März 2010 beim 1:3 in Augsburg in der 45. Minute mit einem verwandelten Handelfmeter. Meist wurde der Deutsch-Ghanaer im Mittelfeld eingesetzt - so am 5. März 2010 beim 1:0-Auswärtssieg von RWA bei Hansa -, gelegentlich aber auch in der Abwehr.

Sogar seine Schwester Nany Maimuna spielt Fußball

Schnell, dribbelstark, sehr torgefährlich sei er und habe zudem einen guten Schuss, schätzt Trainer Peter Vollmann die fußballerischen Qualitäten von Lartey ein. Doch er hat auch andere, machte z. B. kürzlich als Model bei Fotoaufnahmen für den neuen Fanartikelkatalog eine gute Figur. "Hat Spaß gemacht", so der ausgebildete Bürokaufmann. "Die Sachen werden bei den Fans gefragt sein, T-Shirts mit Fischkopp drauf und so." Kostproben: www.fc-hansa.de

Der 23-Jährige hat drei Geschwister: Schwester Nany Maimuna (15) sowie die Brüder Babacar (18) und Ismael (25). Sie alle spielen ebenfalls Fußball, Babacar sogar immerhin für den Dritt-liga-Absteiger Wuppertaler SV.

Bleibt die interessante Frage: Welchem Boateng drückt Mohammed Lartey die Daumen - Kevin-Prince oder Jerome? Sympathisiert er im WM-Viertelfinale morgen mit Ghana oder Sonnabend mit Deutschland? "Ich bin für beide. Auch in der Vorrunde (1:0 für Deutschland - d. Red.) war es eher so ein Zwischending, fifty-fifty. Aber zum Glück sind ja beide weitergekommen", sagt der Mann, der beide Staatsbürgerschaften besitzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen