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Schwerin : Altlasten gefährden Trinkwasser

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Schwerin ist in der glücklichen Lage, das Trinkwasser aus eigenen Ressourcen gewinnen zu können. Um so wichtiger ist der Schutz des Grundwassers. Systematisch werde deshalb die Sanierung vorangetrieben.

svz.de von
erstellt am 01.Jan.2011 | 02:53 Uhr

Ein wichtiger Meilenstein in der Sanierung kontaminierten Geländes war die Fertigstellung des 58 Hektar großen Areals in Görries. Das Gebiet war seit 1925 zuerst zivil, später als militärischer Flugplatz genutzt worden. Nach 1945 hatte die Rote Armee das Gelände übernommen und dort Panzer, eine funkmesstechnische Einheit und einen Technikpark stationiert. Mit dem Abzug der sowjetischen Armee ging die Liegenschaft in das Eigentum des Bundes über. 1994 begann die Altlastenerkundung. Neben der chemischen Reinigung ging es vor allem um die Bereiche der Tankstellen, Fasslager, Wasch- und Montagerampen sowie die Schießstände. Parallel zum Rückbau der Tankstellen mit gleichzeitigem Bodenaustausch erfolgte seit 1997 im Auftrag des landeseigenen Betriebes für Bau und Liegenschaften (BBL) die Planung zur Sanierung des Areals. Ende 2006 konnte die einst militärisch genutzte Fläche in Görries in perfektem Zustand übergeben werden (SVZ berichtete).

Insgesamt 1,1 Tonnen des Schadstoffes Trichlorethen wurden aus dem Grundwasser und dem Boden geholt und fachgerecht entsorgt. Die Sanierungsmaßnahme kostete den Bund als Eigentümer der Fläche rund eine Million Euro. Aber es hat sich gelohnt: Das Gelände im Südwesten zwischen dem Gewerbegebiet Görries im Süden und dem Landschaftsschutzgebiet im Norden kann ohne Sorgen für die Zukunft genutzt werden.

Auch wenn die Zahl der noch zu bereinigenden unterirdischen Grundwasserläufe im Stadtgebiet nicht eben klein ist, muss sich kein Schweriner um die Qualität des Trinkwassers sorgen. Das bestätigen die täglichen Tests aus dem Schweriner Wasserlabor in Schwerin-Süd. Dennoch sind die Nachfolgen der DDR-Zeit, vor allem der militärischen Nutzung, spürbar.

"Wir haben verschiedene Gebiete, die wir in den kommenden Jahren systematisch sanieren müssen", sagt auch Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff. Dazu zählen beispielsweise das Areal um die alte Panzerbahn in Klein Buchholz, die einstige Mülldeponie Finkenkamp in Neumühle, Gosewinkel, oder auch das Gelände des alten Gaswerkes. Parallel steht auch das größte natürliche Fließgewässer der Landeshauptstadt, der Aubach, unter permanenter Kontrolle der Wasserwerker. Im Bereich Finkenkamp sieht der Umweltdezernent eher eine geringe Gefahr. Gosewinkel musste als Reservoir dagegen schon geschlossen werden. "Wir weisen den Bereich aber weiterhin als Trinkwasserschutzzone aus, daher werden wir das Areal sanieren", sagt Friedersdorff. "Wir haben aber keinen zeitlichen Druck.

Größte Gefahr lauert in Klein Buchholz

Besonders das einstige Übungsgelände des Militärs in Klein Buchholz birgt unterirdische Gefahren. Seit 1936 rollten erst deutsche, dann russische Panzer durch das Gelände zwischen dem Dreesch und Stern Buchholz - und das bis Anfang der 90er-Jahre. Und weil die Fahrzeuge zumeist auch chemisch gereinigt wurden, sickerten über Jahrzehnte Giftstoffe in den Boden und damit auch ins Grundwasser. Da das Gebiet Klein Buchholz etwa 60 Meter höher liegt als das wichtige Trinkwasser-Reservoir der Landeshauptstadt in Pinnow, besteht die Gefahr, dass sich die unterirdischen, belasteten Wasser-"Fahnen", wie die Experten es nennen, ausbreiten. Das soll natürlich verhindert werden. Über technische Anlagen sei eine Reinigung möglich. Das Grundwasser wird dabei ausgepumpt, gereinigt und anschließend zurückgeführt - zum Teil mit spezieller Versickerung. Diese aufwändige Prozedur übernimmt aber das Land.

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