Althaus ohne Erinnerung an Skiunfall - Erster Zeuge meldet sich bei Polizei

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06. Januar 2009, 08:17 Uhr

Der bei einem Skiunfall in Österreich schwer verletzte thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) kann sich nicht an den Ablauf des Unglücks erinnern. Auch habe Althaus sein räumliches und zeitliches Orientierungsvermögen noch nicht vollständig zurückerlangt, sagte der Ärztliche Direktor des Kardinal Schwarzenberg„schen Krankenhauses in Schwarzach im Pongau, Reinhard Lenzhofer, am Montag. Nach Angaben der ermittelnden Staatsanwaltschaft Leoben meldete sich inzwischen ein Zeuge des Unfalls.

Lenzhofer sagte, Althaus liege noch auf der Intensivstation und werde dort überwacht. Dass bei dem Skiunfall eine Frau ums Leben kam, wisse Althaus noch nicht. Althaus war nach dem Unfall wegen schwerer Kopfverletzungen zwischenzeitlich in ein künstliches Koma versetzt worden. Der Gesundheitszustand des Ministerpräsidenten habe sich allgemein gut entwickelt, sagte Lenzhofer. Er habe sich im Bett bereits aufgesetzt und könne Arme und Beine bewegen. Mit dem Universitätsklinikum Jena sei bereits über eine Verlegung Althaus“ gesprochen worden. Einen Zeitpunkt für eine Verlegung wollte Lenzhofer jedoch nicht nennen.

Der Medizinische Vorstand der Uni-Klinik Jena, Klaus Höffken, sagte, seine Mediziner seien jederzeit zu einer Übernahme von Althaus bereit und fähig. Er verwies auf die große Erfahrung bei der Betreuung durch Traumapsychologen. Der renommierte Marburger Traumaexperte Georg Pieper hält eine psychologische Aufarbeitung der Ereignisse für erforderlich. Die Beteiligung von Althaus am Tod der Frau werde für den Regierungschef eine „ganz schwere Bürde“ sein.

Die Staatsanwaltschaft Leoben ermittelt unterdessen weiter gegen Althaus wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Dem Sprecher der Staatsanwaltschaft, Walter Plöbst, zufolge meldete sich ein Zeuge, der den Unfallhergang beobachtet hatte. Der Mann sei bereits von der Polizei befragt worden. Der Zeuge habe den Beamten von einem Frontalzusammenstoß zwischen Althaus und der dabei tödlich verletzten Frau berichtet.

Ob und wann Althaus vernommen werden könne, sei noch unklar. Plöbst zufolge sind Sachverständige bestellt worden, die das Unfallgeschehen rekonstruieren sowie die Blutproben der Unfallbeteiligten chemisch-toxikologisch sowie deren Bekleidung und Ausrüstungsgegenstände auf Spuren untersuchen sollen. Mit den Gutachten werde in etwa vier Wochen gerechnet.

Sollte die Behörde hinreichende Beweise für eine Schuld von Althaus sehen, werde Strafantrag gegen ihn gestellt. Ein mögliches Strafverfahren würde vor dem Land- oder Bezirksgericht Leoben stattfinden. Dies sei aber im Moment “noch Zukunftsmusik„, sagte Plöbst.

Das österreichische Strafrecht sieht für fahrlässige Tötung eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr, in schweren Fällen bis zu drei Jahren vor. Dem Wiener Strafrechtler Helmut Fuchs zufolge müsste Althaus im Falle einer Verurteilung allenfalls mit einer Geldstrafe rechnen. Um eine Haftstrafe zu erhalten, müsste er schon alkoholisiert oder besonders rücksichtslos gefahren sein, betonte Fuchs.

Althaus war am Neujahrstag im Skigebiet Riesneralm in der Steiermark mit einer Skifahrerin zusammengeprallt. Er erlitt dabei ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit einer Hirnblutung. Die Frau, eine 41-jährige gebürtige Slowakin und Mutter von vier Kindern, starb nach dem Unfall. Die Obduktion ergab massive Kopfverletzungen als Todesursache.

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