Altersvorsorge über den Betrieb

Steffen Schulz
Steffen Schulz

Ohne Alternativen zur gesetzlichen Rente geht nichts mehr. Eine davon ist die betriebliche Altersversorgung (bAV), auf die Arbeitnehmer sogar einen gesetzlichen Anspruch in Form der Entgeltumwandlung haben. Wir sprachen darüber mit Steffen Schulz, Kundenberater der GMFS Versicherungsmakler GmbH in Rostock und Gewinner des Awards "Altersvorsorgeberatung 2008".

von
07. April 2009, 12:04 Uhr

Kürzlich sorgte die Studie "Betriebliche Altersvorsorge im Mittelstand" der Haufe Marktforschung für Unruhe, nach der das Interesse an der betrieblichen Altersvorsorge gerade in kleinen und mittleren Unternehmen gering ist. Herr Schulz, kennen Sie die Studie?
Schulz:
Ja. Die Studie des Personalmagazins und des britischen Lebensversicherers Standard Life sagt im Kern, dass die betriebliche Altersversorgung vor allem bei kleinen und mittelgroßen Firmen einen schweren Stand hat. Drei Viertel der bAV-Verantwortlichen in diesen Unternehmen sehen nur geringe Chancen, ihren bAV-Anteil auszubauen. Der Grund dafür soll das geringe Interesse der Mitarbeiter an der Altersversorgung sein.

Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?
Schulz:
Man muss zwischen Konzernen, in denen die bAV oft schon breit vertreten ist, und kleinen Firmen unterscheiden. In Betrieben mit weniger als 100 Mitarbeitern ist die Altersversorgung meist Chef-Sache und genießt nicht dieselbe Priorität wie in Unternehmen mit mehr als 500 Angestellten. Von einem grundsätzlichen Desinteresse der Arbeitnehmer will ich deshalb auch nicht sprechen. Ich sehe vielmehr die bAV-Verantwortlichen in den Betrieben und die Anbieter gefordert, mehr über diese Form der Altersvorsorge aufzuklären. Denn wenn die Mitarbeiter erst einmal die Vorteile der bAV erkannt haben, steigt in der Regel auch ihr Interesse.

Welche Vorteile meinen Sie?
Schulz:
Generell ist die bAV die einzig steuerlich geförderte Form der Altersvorsorge, von der Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren. Die spezifischen Vorteile können je nach Durchführungsweg verschieden sein.

Nennen Sie bitte ein Beispiel.
Schulz:
Insgesamt gibt es fünf sogenannte Durchführungswege in der bAV. Der bei der Entgeltumwandlung am häufigsten vertretene ist die Direktversicherung: Sie entspricht einer normalen Rentenversicherung, die ein Arbeitgeber zu Gunsten seines Arbeitnehmers abschließt. 73 Prozent der Betriebe, in denen eine betriebliche Altersvorsorge existiert, bieten eine solche Direktversicherung an, hat die Studie ergeben. Dafür gibt es im Wesentlichen vier Gründe: Erstens kann der Arbeitnehmer bis zu 216 Euro monatlich (gegebenenfalls zuzüglich weiterer 1800 Euro pro Jahr) aus seinem Bruttoeinkommen steuerfrei in eine solche Altersvorsorge umwandeln. Zweitens fallen auf den Beitrag in Höhe von maximal 2592 Euro pro Jahr keine Sozialabgaben an. Drittens ist die Direktversicherung Hartz-IV-sicher und bleibt auch bei einer Insolvenz des Arbeitgebers erhalten. Und viertens kann der Arbeitnehmer seinen Vertrag beim Jobwechsel mitnehmen.

Und was hat der Arbeitgeber davon?
Schulz:
77 Prozent der Arbeitgeber haben laut der Studie ein Interesse an der Vorsorge ihrer Mitarbeiter. Außerdem können sie mit einer bAV ihre Mitarbeiter zusätzlich motivieren. Schließlich macht eine Direktversicherung relativ wenig Aufwand, hilft Lohnnebenkosten zu senken und spart effektiv Steuern.

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