Altersarmut – das Risiko steigt

Alt und arm – in MV wächst das Risiko, später von der Rente nicht mehr leben zu können. Schon jetzt ist fast jeder siebte Einwohner im Alter von 50 bis 65 Jahren auf Hartz IV angewiesen,

wie eine aktuelle DGB-Studie

belegt. Gebrochene Erwerbsbiografien, hohe Arbeitslosenquote und niedrige Löhne ergeben eine besorgniserregende Mischung für die Altersvorsorge.

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28. März 2008, 04:45 Uhr

Noch sind es vor allem ältere ALG-II-Empfängerinnen in Westdeutschland, die von späterer Altersarmut bedroht sind. Sie weisen die kürzesten Beitragszeiten zur Rentenversicherung auf und haben meist nur geringe Beiträge eingezahlt, wie eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit zeigt. Anders im Osten: In der DDR war die Berufstätigkeit der Frau die Regel. Dadurch ist das Risiko der Altersarmut vergleichsweise gering.

Dieses Ost-West-Gefälle dürfte sich jedoch schon bald mehr als angleichen. Bei den nachrückenden Jahrgängen reißt die schwierige Arbeitsmarktlage in Ostdeutschland zunehmend große Lücken in die Erwerbsbiografien – und damit auch in die Alterssicherung, warnt Arbeitsmarktforscherin Christina Wübbeke. Hintergrund: Für ALG-II-Empfänger werden nur verschwindend geringe Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung abgeführt: Pro Jahr beträgt der erworbene Anspruch ganze 2,19 Euro.

Spitzenreiter bei Aufstockern
Schon jetzt ist das Verarmungsrisiko ab 50 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern beträchtlich. Das belegt eine neue Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Demnach lebt fast jeder Siebte von 50 bis 65 Jahren im Land von Hartz IV. Diese Quote sei trotz konjunkturellen Aufschwungs gestiegen, so Wilhelm Adamy, Leiter der Abteilung Arbeitsmarktpolitik beim DGB. Demnach sank zwar die Gesamtzahl der Hartz-IV-Empfänger im erwerbsfähigen Alter in MV im Oktober 2007 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,4 Prozent. Doch die Zahl der Bedürftigen von 50 bis unter 65 Jahren nahm im gleichen Zeitraum um 3,7 Prozent auf insgesamt 46 885 zu. Diese Entwicklung gegen den Trend betrifft nicht nur den Nordosten. Bundesweit gibt es den Angaben zufolge derzeit mehr als eine Millionen Bedürftige in der rentennahen Altersgruppe.

Im Land zeichnet sich für die kommenden Jahre allerdings ein besonderes Armutsrisiko ab. Ursache sind die immer noch verhältnismäßig hohe Arbeitslosenquote und das im Bundesvergleich geringe Lohnniveau. Jeder elfte Einwohner, der sich im Oktober 2007 arbeitslos gemeldet hat, bezog laut DGB-Studie ein derart geringes Arbeitslosengeld, dass er zuzätzlich auf Hartz-IV-Mittel zurückgreifen musste.

Hinzu kommt: Mit 6,4 Prozent ist MV beim Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die zusätzlich aufstocken müssen, bundesweiter Spitzenreiter. Insgesamt liegt die Quote von Hartz-IV-Empfängern im erwerbsfähigen Alter demnach bei 17,8 Prozent. Damit teilt sich das Land mit Sachsen-Anhalt Platz zwei hinter Berlin (19,1 Prozent).

Während also in Westdeutschland demnächst mehr Doppelverdiener in Rente gehen, sind es in Ostdeutschland mehr Langzeitarbeitslose und Geringverdiener. Rentenexperte Bert Rürup warnt: „Die jüngeren Arbeitslosen von heute sind die armen Alten von morgen.“

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