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Alter Pfarrstall wird Begegnungsstätte

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erstellt am 13.Okt.2010 | 06:51 Uhr

Groß Brütz | Noch gehört etwas Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass aus der einstigen Remise des Pfarrstalls auf dem Groß Brützer Pfarrhof eine Begegnungsstätte wird. Und doch schwärmt Pastorin Gesine Isbarn schon von dem künftigen Kinder- und Jugendraum, der hier entstehen soll. 30 Quadratmeter groß soll er werden. Die Pastorin kann sich durchaus vorstellen, dass die Kinder des Dorfes hier basteln, sich mit alten Handwerkstechniken vertraut machen oder Flöte spielen lernen. Einen Flötenkurs anzubieten, das stehe ganz vorn auf der Wunschliste, betont Gesine Isbarn. Und sie denkt auch daran, eine christliche Pfadfindergruppe aufzubauen - das aber in Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreis Wismar, zu dem die Kirchgemeinde Groß Brütz gehört.

Aber der künftige Kinder- und Jugendraum soll als Begegnungsstätte für alle dienen. Denn im Dorf gibt es bislang keinen kommunalen Gemeinschaftsraum. In der ausgebauten Remise könnten sich Jung und Alt, Christen wie Nichtchristen treffen. Gesine Isbarn: "Wir wollen den Raum auch anderen Interessierten anbieten, etwa für Frauen- oder Arbeitslosenfrühstück. Und Kindergärten und Schulklassen fragen jetzt schon nach, ob sie auf ihrer Tour hier Station machen können."

Apropos Station machen. Der einstige Pfarrstall soll ebenso Pilgern offen stehen. Wandern ist auch im Nordosten des Landes in Mode gekommen. Familie Isbarn selbst pilgert im Urlaub gern. Pilger stellen keine hohen Ansprüche, oft sind sie dankbar für eine einfache Unterkunft. Und die wolle man ihnen hier bieten, sagt die Groß Brützerin. Denn neben dem Kinder- und Jugendraum im Erdgeschoss wird auch der Dachboden ausgebaut. Im Erdgeschoss entsteht außerdem ein kleiner Raum für sanitäre Anlagen.

Weil der Pfarrstall, 1860 erbaut, so alt ist, achtet die Bauherrin auf eine denkmalgerechte Sanierung. So werden die Wände des 30 Quadratmeter großen Raumes aus Lehm erneuert und die alten Fenster durch Sprossenfenster aus Holz ersetzt. Eine komplette Heizung aber sei im Projekt nicht vorgesehen, bemerkt die Pastorin. Um später die Betriebskosten in Grenzen zu halten, wird ein Kaminofen aufgestellt.

Der Ausbau, der eher eine Erhaltung des alten Gebäudes sei, so Gesine Isbarn, kostet insgesamt 104 000 Euro. Davon stammen 44 000 Euro aus dem europäischen Landwirtschaftsfonds. 10 800 Euro geben die Gemeinden Brüsewitz und Grambow dazu, der Kirchenkreis beteiligt sich mit 12 000 Euro. Die restliche Summe muss die Kirchgemeinde Groß Brütz aufbringen. Und

dies falle ihr nicht gerade leicht, sagt die Pastorin. "Mit diesem Projekt sind dann unsere finanziellen Reserven aufgebraucht." Daher würde sie sich über Spenden aus der Bevölkerung freuen. Auch bei der Einrichtung des Raumes sei die Kirchgemeinde Groß Brütz für Unterstützung dankbar. Denn noch fehlen Tische, Stühle, eine kleine Küche und der Ofen.

Die Erhaltung des historischen Pfarrstalls sei auch für das Dorf ein großer Gewinn, betont die Pastorin. Er gehört neben der Kirche und dem Pfarrhaus zum ortsprägenden Ensemble. Doch das Stallgebäude war in einem desolaten Zustand. Das Dach wurde zwar schon einmal Mitte der 1990er Jahre gesichert. Aber die Wände aus Ziegelstein waren durch die Witterung nahezu hinüber und von der Lehmdecke fehlten große Teile. Es gab kaum befestige Fußböden und verputzte Wände. Das ändert sich nun. Zwölf Firmen aus der Region, unter anderem aus Sülstorf und Groß Brütz, haben hier zu tun. Dazu gehört die Sanierung des Feldsteinfundaments. An den Außenwänden werden kaputte Steine ausgewechselt. Allein am Westgiebel waren es 200. Vor allem aber müssen die verwitterten Fugen erneuert werden.

Die Bauarbeiten begannen im August und sollen noch in diesem Jahr beendet werden. Pastorin Isbarn rechnet damit, dass die Räume zum Frühjahr nächsten Jahres genutzt werden können.

Beherbergen soll der einstige Pfarrstall aber weiterhin einen Lager- und Werkstattraum für die Kirchgemeinde. Und auch die derzeit ausquartierten Hühner sollen dann wieder in einem kleinen Stall des Gebäudes Platz finden.

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