Der Güstrower Tatortreiniger : „…als wäre nichts geschehen“

Der Fingerabdruck ist das neue Markenzeichen des Tatortreinigers Ralf  Starck aus Güstrow. Jens Griesbach
Der Fingerabdruck ist das neue Markenzeichen des Tatortreinigers Ralf Starck aus Güstrow. Jens Griesbach

Das ist das Motto des Güstrowers Ralf Starck. Der 38-Jährige macht eine Arbeit, die sonst keiner machen will: er reinigt Leichenfundorte und desinfiziert Messie-Wohnungen. Eine ausgefallene Geschäftsidee.

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27. November 2012, 10:48 Uhr

Es ist eine dreckige Arbeit, aber irgendjemand muss sie tun. Das dachte sich auch der Güstrower Ralf Starck und setzte eine originelle Geschäftsidee in die Realität um: seit dieser Woche ist Starck als Tatortreiniger im Einsatz - der bisher einzige weit und breit. Sein Motto: "…als wäre nichts geschehen". Aus dem Nichts baute er seine eigene Firma auf. Sein Dienstleistungsangebot klingt ziemlich unappetitlich, Arbeiten, denen die Normalbürger lieber aus dem Weg gehen: Tatort-, Leichenfundort- und Unfallortreinigung mit Desinfektion, Geruchsneutralisationen bei Brand, Nikotin, Fäkalien, Tieren oder Schimmelbildung sowie das Ausmisten von total verdreckten Messie-Wohnungen. Für Starck eindeutig eine Marktlücke. Von ekelhaften Gerüchen, Blut, Körperflüssigkeiten, Exkrementen und Geweberesten lässt sich der 38-Jährige dabei nicht abschrecken: "Ich bin abgehärtet und habe eine hohe Schmerzgrenze."

Schnelle und effektive Hilfe nach Todesfällen

Starck sieht sich für seine neue Aufgabe gut gewappnet. Der gelernte Bau- und Möbeltischler arbeitete lange Zeit bei einem Güstrower Bestattungsunternehmen. Hier entstand auch seine Geschäftsidee. "Ich habe dort einmal die Wohnung eines Verstorbenen entrümpelt. Angehörige benötigen bei Todesfällen schnelle und effektive Hilfe, um eine für sie scheinbar ausweglose Situation bewältigen zu können", sagt er. Zudem gebe es immer wieder Messie-Wohnungen, vor allem von Mietnoma den, sowie Verstorbene, die schon länger tot in ihrer Wohnung liegen würden. "Es ist dann keiner da, der aufräumen will", hat Starck festgestellt. "Mit meiner Erfahrung als Bestatter, weiß ich, was mich erwartet. Da habe ich vieles gesehen." Seine Dienstleistungen bietet er vor allem Angehörigen sowie Betroffenen, Wohnungsgesellschaften und Immobilienunternehmen an und will dabei auch der Polizei helfen und mit ihr kooperieren.

Spezialisiert hat sich Starck unter anderem auf die Geruchsneutralisation. "Unangenehme Gerüche entstehen besonders durch Fäulnisprozesse nach längerer Liegezeit eines Verstorbenen oder unsachgemäße Haltung von Tieren, durch Fäkalien oder Schimmel", erläutert der Existenzgründer. Aktuell macht Starck noch eine Weiterbildung zum staatlich anerkannten Desinfektionator. Zum Beseitigen von ekelhaften Gerüchen hat er sich ein Ozongerät besorgt. "Durch die Ozonbehandlung werden diese Gerüche eliminiert, Viren, Bakterien und Schimmelpilze durch die desinfizierende Wirkung des Ozons dauerhaft abgetötet", sagt er. Spezielle Reinigungsgeräte und -mittel kommen hinzu. "Ich biete eine professionelle, intensive und nachhaltige Reinigung inklusive Desinfektion", sagt Starck und ist von seiner Geschäftsidee fest überzeugt.

Noch ist Starck bei der Kundenakquise, stellt seine Firma überall vor. Den Großteil seiner Geräte hat er bereits, ein Transporter steht bereit. In ganz Mecklenburg-Vorpommern will er künftig seine Dienste anbieten. Von vielen Seiten habe er mit seiner Geschäftsidee Bestätigung und Unterstützung erfahren, sagt Ralf Starck und fühlt sich bestärkt. Jetzt will er voll einsteigen, hat sein neues Büro in der Gleviner Straße eingerichtet. "Es wird nach einigen Startschwierigkeiten gut anlaufen. Dabei rechne ich mir nichts schön. Der Bedarf für einen Tatortreiniger ist einfach vorhanden", gibt sich der 38-Jährige selbstbewusst.

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