Als „harmlose Rangelei“ abgetan

Die Polizeidirektion Schwerin ermittelt im Falle der Kummeraner Schlägerei wegen Körperverletzung. Die Mutter eines am Vorfall Beteiligten versuchte gestern gegenüber unserer Redaktion den Vorfall als „harmlose Rangelei“ herabzuspielen. Die Gewaltbereitschaft der mutmaßlichen Täter ist an der Schule jedoch bekannt.

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10. März 2008, 07:12 Uhr

Picher/Kummer - „Die ganze Geschichte ist völlig aufgebauscht. Das war doch nur eine harmlose Rangelei unter Jugendlichen“, kritisierte gestern früh die Mutter eines am Vorfall beteiligten Schülers die Berichterstattung über den Überfall an der Bushaltestelle in der Karl-Marx-Straße.
„Welche Intensität die Auseinandersetzung tatsächlich hatte, werden die noch laufenden Untersuchungen klar stellen. Auf jeden Fall ermitteln wir weiter wegen Körperverletzung“, bestätigte gestern Hauptkommissar Klaus Wiechmann, Pressesprecher der Polizeidirektion Schwerin.

Bespuckt, geschlagen - und das Ganze auch noch gefilmt

Zwei 15-jährige Schüler sollen am 4. März in den frühen Nachmittagsstunden einen gleichaltrigen Mitschüler nach der Schule zuerst beleidigt, danach bespuckt und geschlagen haben. Als der Schüler am Boden lag, sollen seine Mitschüler sogar auf ihn eingetreten und ihn verletzt haben. Während der Attacke filmten zwei weitere Schüler, unter ihnen ein Mädchen, die Schlägerei mit der Kamera ihrer Handys. Nachdem die Schläger von ihrem Opfer abließen, wurde die Polizei von der Familie des Jungen verständigt. Die Polizeibeamten haben daraufhin am Mittwoch, also einen Tag später, die beiden mutmaßlichen Schläger in ihrer Schule in Picher aus dem Unterricht geholt und vorläufig in Gewahrsam genommen. Aufgrund der Videos und Blutflecken an ihren Jacken seien sie eindeutig identifiziert, informierte die Ludwigsluster Polizei. Nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens könnten die beiden mit einer Jugendfreiheitsstrafe von bis zu einem Jahr verurteilt werden.

Gewaltbereitschaft der Schüler überrascht nicht

Der Leiter der Realschule mit Grund- und Hauptschulteil in Picher, Michael Tiede, erklärte gestern, dass er mit den betreffenden Klassen, den mutmaßlichen Tätern sowie dem mutmaßlichen Opfer gesprochen habe. „Uns hat die Tat an sich zwar überrascht, jedoch nicht die Gewaltbereitschaft der beiden Schüler, die sich übrigens keiner Schuld bewusst sind. Wir versuchen schon lange über die Gewaltprävention hier entgegen zu wirken.“ Die Schüler würden nun Elternbriefe mit Schilderungen und Reaktionen mit nach Hause bekommen, teilte der Schulleiter weiter mit.

CDU: Intensive Auseinandersetzung mit Schulgewalt nötig

Nach dem Übergriff hat der Bildungsexperte der Schweriner CDU-Landtagsfraktion, Marc Reinhardt, eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema „Gewalt“ an der Schule angemahnt. „Wenn Schüler einen anderen Schüler derart misshandeln, weitere Schüler der Gewalttat ungeniert beiwohnen und das Ganze auch noch filmen, so zeigen sich erhebliche Defizite im Sozialverhalten“, erklärte er. Wer angesichts einer solchen Tat nicht einschreite, mache sich mitschuldig.

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