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Handwerkskammer Schwerin : Als Bonus den Lkw-Führerschein

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In Handwerksbetrieben gehen die Lehrmeister in Rente, andere junge Leute müssen die Aufgaben übernehmen. Um das zu fördern entstand das Pilotprojekt "Meisterliche Ausbildung im Handwerk Westmecklenburgs".

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erstellt am 26.Mär.2011 | 02:04 Uhr

Schwerin | "Warum sollte ich Bäcker lernen oder Fleischer und mein ganzes Leben lang mitten in der Nacht zur Arbeit gehen? Warum soll ich mich mit harter körperlicher Arbeit als Gerüstbauer abschinden?" Das fragen sich immer mehr Jugendliche und verweisen darauf, dass es ja noch genug andere freie Lehrstellen gebe, berichtet Pamela Buggenhagen vom Innovationstransfer- und Forschungsinstitut Schwerin (itf). Deshalb sei gemeinsam mit der Handwerkskammer Schwerin das Pilotprojekt "Meisterliche Ausbildung im Handwerk Westmecklenburgs" auf den Weg gebracht worden. Das Ziel: Erhöhung der Attraktivität und Verbesserung der Qualität der Lehrausbildung, damit der Fachkräftenachwuchs auch für die Berufszweige gesichert werden kann, die in der Gunst der jungen Leute nicht an oberster Stelle stehen.

Bislang war der Fokus der Aufmerksamkeit diverser Berufsbildungsprojekte meist auf die Lehrlinge gerichtet, jetzt stehen die Ausbilder im Mittelpunkt. Denn: "Es sind die Lehrausbilder, die eine besondere Verantwortung tragen, sie müssen sich neben ihrer täglichen Arbeit in der Firma zusätzlich um die Auszubildenden kümmern", erläutert Projektmitarbeiterin Nadine Böttcher. "Sie sind nicht nur Ausbilder oder Lehrer, sondern auch Freund und Kollege. Aus Schulkindern machen sie Erwachsene."

Das Problem: In vielen Handwerksbetrieben gehen die erfahrenen Lehrmeister in Rente, andere Leute müssen die Aufgaben übernehmen. Das sei zunehmend schwierig, weil die neuen Meister oft kaum älter als die Auszubildenden sind und ihnen Gefühl, Erfahrung und Geschick bei der Führung der jungen Leute vielfach noch fehle, so Böttcher. "Wir wollen sie unterstützen, ihnen bei der Fülle der Aufgaben helfend zur Seite stehen, damit die Lehrlinge eine hochwertige Berufsausbildung bekommen."

Dafür wird ein Kooperationsverbund ins Leben gerufen. Monatlich finden Unternehmerstammtische statt, die den Firmenchefs und Lehrmeistern branchenübergreifend die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion mit Theoretikern aus dem Bereich Berufsbildung und mit Vertretern der Handwerkskammer bieten, berichtet Buggenhagen. Dabei sei der Bedarf an einem Austausch aus Praxissicht genau so groß wie im Theoriebereich, insbesondere was neue Erkenntnisse der Wissenschaft und juristische Rahmenbedingungen betreffe. Als drittes Element des Verbundes komme die Unterstützung der Ausbilder vor Ort hinzu. "Wir analysieren die Situation und erarbeiten dann gemeinsam Ideen zur Verbesserung des Niveaus der Ausbildung", erläutert die ITF-Projektleiterin.

Wie mit attraktiven Formen der Lehrausbildung junge Leute motiviert werden können, zeigen Beispiele Schweriner Betriebe, berichtet Buggenhagen und verweist auf die Thomas-Elekto GmbH, die Firma Elektro Office Zabel oder Gerüstbau Güll. "Bei uns gibt es ein Bonussystem für gute Zensuren in der Berufsschule und Prämien bis hin zur Unterstützung beim Erwerb des Lkw-Führerscheins. Es ist wichtig, die jungen Leute zu motivieren", sagt Unternehmer Gerd Güll und fügt hinzu: "Das funktioniert, meine Azubis haben Bestnoten." Das KGW hat mit IHK-Hilfe einen Lehrlingsaustausch mit Schweden auf den Weg gebracht: KGW-Azubis arbeiten in Skandinavien, junge Schweden - derzeit sind es vier - machen Praktika in Schwerin. Buggenhagen: "Ausbilden allein reicht heute nicht mehr. Es kommt darauf an, das gut zu tun. Dafür setzt unser Projekt ,Ausbildungsmeister Impulse."

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