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Thorsten Dennert aus Perdöhl: staatlich geprüfte Tagesvater : Allein unter Frauen

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Seit September des vergangenen Jahres arbeitet der 44-Jährige Thorsten Dennert als staatlich geprüfter Tagesvater. Er ist der einzige Tagesvater im Landkreis.

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erstellt am 03.Mär.2011 | 11:18 Uhr

Virginia (18 Monate) hüpft auf dem großen Hüpfball durchs Wohnzimmer. Elias (3) schiebt unermüdlich die Holzeisenbahn über den Teppich. Anna (5) kommt an der Hand von Thorsten Dennert angelaufen und stellt ihre Freunde vor: "Das sind Virginia, Elias, Max und Katze Mimi. Und wer bist du?" Ein ganz normaler Vormittag im Haus der Familie Dennert. Thorsten Dennert hat gerade die Reste vom Obstfrühstück weggeräumt, im Nebenraum rumpelt die Waschmaschine. In einer Stunde muss sich der Tagesvater um das Mittagessen kümmern. Es gibt Kartoffelpuffer mit selbstgemachtem Apfelmus.

Seit September des vergangenen Jahres arbeitet der 44-Jährige als staatlich geprüfter Tagesvater. Er ist der einzige Tagesvater im Landkreis. In den ersten zwei Monaten betreute er nur seine zwei eigenen Kinder. Anna (5) und Max (6). "Dass der Einstieg schwierig wird, damit haben wir ja gerechnet", sagt seine Frau Cindy Materna. "Aber dass es dann so schwierig war, hat uns doch sehr überrascht." Woran das liegt? "Vielleicht am Rollenverständnis. Die Eltern erwarten in diesem Beruf einfach eben immer noch eine Frau", sagt Thorsten Dennert. Dabei bringt er alles mit, was Eltern auch von einer Tagesmutter erwarten: die Erfahrung (er hat für seine beiden Kinder die komplette Elternzeit übernommen), die Qualifikation (er hat sich in Schwerin zum Tagesvater ausbilden lassen und ein Praktikum in der Kindertagesstätte absolviert) und die Flexibilität (er passt seine Betreuungszeiten den Arbeitszeiten der Eltern an).

Thorsten Dennerts flexible Arbeitszeiten haben auch die Eltern von Virginia überzeugt. Virginias Mama arbeitet im Schichtdienst, der Vater ist bei der Feuerwehr - "da ist einem mit einem Kindergarten, der um 17 Uhr schließt, wenig geholfen", sagt Dennerts Ehefrau Cindy Materna. Sei weiß aus Erfahrung, wie schwierig es ist, die eigenen Kinder betreut zu wissen, sobald man pendeln muss. "Finden Sie mal einen Arbeitgeber, der seine Angestellten um 15 Uhr gehen lässt, nur weil die Kita um 16 Uhr schließt." Bevor Thorsten Dennert sich als Tagesvater selbstständig machte, arbeiteten er und seine Frau in Hamburg. "Wir hatten jedes Mal Stress, die Kinder pünktlich abzuholen. Und immer will man Oma und Opa ja auch nicht einspannen."

Die Idee, noch einmal umzuschulen und komplett von vorn anzufangen, kam Dennert nach der Elternzeit. "Ich wollte nicht mehr den ganzen Tag hinter einer Maschine sitzen. Und darauf warten, dass ich mit 67 Jahren in Rente gehen kann", sagt der gelernte Lagerist. Tagesvater sei für ihn nicht irgendein Job zum Geldverdienen. "Hier bin ich täglich von Menschen umgeben, kann erleben wie sie lernen, sich entwickeln und selbst darauf Einfluss nehmen."

Seine Frau Cindy Materna bewundert ihn für seine Geduld, die Ruhe und die Nerven. "Ich glaube, Männer sind da eher abgeklärter." Seine Entscheidung für die Arbeit als Tagesvater werde von der ganzen Familie getragen. "Wir ziehen dafür auch keine Grenzen im Haus", sagt Cindy. "Es gibt zwar ein Spielzimmer, aber die Kinder tollen auch durchs Wohnzimmer." Weil sie den Kanarienvögeln zuzugucken wollen, die dort in einem großen Käfig leben.

Wer sein Kind zu Thorsten Dennert in die Tagespflege gibt, muss Tiere lieben. Nicht umsonst heißt seine Einrichtung "Mausekind & Hase". Vier Katzen, acht Meerschweinchen und fünf handzahme Hühner leben auf dem Hof. Vom Bauern im Dorf holt Dennert mit den Kindern Heu und Stroh, und den Pferden auf der Koppel nebenan bringen sie fast täglich frische Futtermöhren.

Jeder Tag ist anders. Mal bringt Elias Mutter ihr Kind schon um 5.30 Uhr zu Thorsten Dennert, weil ihr Dienst um 6 Uhr beginnt. Mal fahren sie alle gemeinsam zum Zwergensport nach Wittenburg. Gestern Nachmittag war ein Ausflug nach Schwerin auf den Buga-Spielplatz geplant. Meistens montags setzt sich Thorsten Dennert hin und schreibt einen Plan für die nächste Woche. Er freut sich auf den Frühling. "Dann werden wir viel draußen sein. Wir werden das große Trampolin aufbauen, Ball spielen und durch die Natur wandern." Und die Nachbarn? Die einen haben auch Kinder. Und die anderen kommen aus dem kinderfreundlichen Schweden. "Besser kann man es nicht treffen."

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