Alleen in Gefahr?

Brandenburg gilt mit einem Anteil von 37 Prozent am Gesamtbestand als das alleenreichste deutsche Bundesland. Doch angesichts des neuen Straßengesetzes befürchten Umweltschützer einen erheblichen Rückgang märkischer Alleen.

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01. Mai 2008, 09:09 Uhr

Polßen - „In Brandenburg sind Alleen durch ein neues Konzept der Landesregierung und durch geplante Änderungen im Straßengesetz akut in Gefahr“, hieß es vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) am Mittwoch. Anlass war eine Visite von BUND-Bundesvorstandsmitgliedern im uckermärkischen Polßen. Sie besuchten eigenen Angaben zufolge eine Allee mit Walnussbäumen – der Walnussbaum ist Baum des Jahres 2008 – sowie eine Allee an der Bundesstraße 198. Dort gebe es Schäden an Bäumen und es fehlten Nachpflanzungen, sagte Silke Friemel vom BUND-Alleenprojekt.

Etwa ein Drittel der noch vorhandenen Alleen sollten in den nächsten 20 Jahren in Brandenburg gefällt werden, gab Friemel an. Es würden mehr Bäume abgeholzt als gepflanzt. „Alleen werden deutlich sichtbar aus dem Landschaftsbild verschwinden.“ Nachpflanzungen seien aber aufgrund des schlechten Zustandes vieler Bäume wichtig.

Geplante Neuregelungen im Brandenburger Straßengesetz sehen laut Friemel vor, dass für Herstellung und Unterhaltung von Straßen keine Genehmigungen anderer Behörden – etwa der Unteren Naturschutzbehörde – mehr notwendig sind. Damit werde die im Brandenburgischen Naturschutzgesetz festgelegte Nachpflanzpflicht ausgehebelt.

Dem BUND zufolge sieht das Konzept der Landesregierung vor, die Zahl der nachzupflanzenden Bäume an Bundes- und Landesstraßen auf jährlich 5000 Stück festzulegen. Da aber sehr viele Bäume gefällt werden müssten, führe dies zu einem erheblichen Rückgang das Alleebestandes, hieß es weiter. Die gesetzlichen Grundlagen für einen umfassenden Alleenschutz in der Mark seien eigentlich ausreichend, nur müssten sie konsequent umgesetzt werden. „Ein Alleenkonzept für Brandenburg muss regeln, wie alte Bäume besser vor Belastungen geschützt werden, wo und nach welche Kriterien nachgepflanzt wird und wie das finanziell zu regeln ist.“

Brandenburg verfügt nach Landesangaben über rund 2400 Kilometer Alleen. Auch das brandenburgische Infrastrukturministerium geht trotz der seit 1990 laufenden Nachpflanzungen in den kommenden 20 Jahren von einem dramatischen Rückgang von derzeit rund 330 000 auf 230 000 Alleebäume aus.

Hintergrund sind demnach das hohe Alter zahlreicher Bäume sowie der Verzicht auf Nachpflanzungen zwischen 1935 und 1990.

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