Universität Rostock präsentiert digitales Portal : Alle Studenten seit 1419 im Netz

Bringen Listen ins Netz: Angela Hartwig,  Kersten Krüger, Wolfgang Schareck und Karsten Labahn (v. l.)inny
Bringen Listen ins Netz: Angela Hartwig, Kersten Krüger, Wolfgang Schareck und Karsten Labahn (v. l.)inny

Studenten finden sich in einer Matrikel-Datenbank aus 600 Jahren Hochschulgeschichte wieder. Gestern hat Rektor der Uni Rostock, Prof. Wolfgang Schareck, die einzigartige Datenbank ins Netz gestellt.

von
25. November 2010, 11:50 Uhr

Somit können die Nummern zurück bis zum Gründungsjahr 1419 eingesehen werden. Mehr als 70 000 Einträge enthält die Datenbank bisher. Dahinter verbergen sich nach Semestern und Rektoren geordnete Studenten. "Mit diesem Portal können wir nachvollziehen, wer bei uns studiert hat", sagt Schareck. Sogar der erste Rektor Petrus Stenbeke hat somit einen Interneteintrag erhalten. "Damals musste er einen Eid für das Statutenbuch leisten", so der Rektor.

Studenten haben die Möglichkeit, ihre Vorfahren wiederzufinden und längst verstorbenen und vergessenen Menschen ein Gesicht zu geben. "Denn die Daten können durch eine Kommentarfunktion erweitert oder Fehler korrigiert werden", sagt Karsten Labahn von der Forschungsstelle für Universitätsgeschichte. Die Funktion der Eltern und religiöse Ausrichtung können beispielsweise hinzugefügt werden. Bisher enthält das Portal lediglich Informationen über den Namen des Studenten, dessen Geburtsdatum und Herkunft. "Der Heimatort der Person ist über eine interaktive Landkarte wiederzufinden", sagt Labahn. Außerdem sind die Quellen zugänglich gemacht worden. Freizeitforscher können die digitalisierten Matrikelbücher und deren originale mittelalterliche Handschriften einsehen. "Über eine Suchfunktion recherchieren sie gezielt nach Personen", so Labahn. Eventuelle Überlieferungen aus privaten Familienchroniken können sie anschließend auf dem Portal veröffentlichen. "Die Erwartungen der Ahnenforscher sind groß", betont Prof. Kersten Krüger, Leiter des Matrikel-Projekts. Er selbst hat seinen Urgroßvater aus dem Jahr 1858 wiedergefunden. "Solche Funde stärken die Bindung der Studenten zur Rostocker Uni", meint er.

Vor zwei Jahren hat das Team um Kersten Krüger mit der Einarbeitung der Matrikel in die zentrale Datenbank begonnen. Die Nummern reichen bis zum Jahr 1945. "Die Jahre 1946 bis 1994 sind noch in Arbeit", so Projekt-Leiter Krüger. Anschließend will das Team auf die Alumni-Datenbank zurückgreifen, die bereits auf einem digitalisierten Stand ist. "Bis 2019 sammeln wir die Geschichten der ehemaligen Studenten", sagt Labahn. Er hofft auf die Zuarbeit vieler nach ihren Vorfahren suchenden Rostocker: "Vielleicht könnte es dann ein Buch dazu geben."

Besonders spannend für Rektor Schareck ist auch der Rückblick auf vergangene Epochen. Die Uni Rostock galt im 16. Jahrhundert als eine der ältesten und renommiertesten Hochschulen Nordeuropas und war somit ein begehrter Anlaufpunkt. "Mit dem Matrikelportal können wir das damalige Einzugsgebiet der Uni wiedergeben", sagt er. Auch wie sie während und nach dem Dreißigjährigen Krieg an der Studentenzahl geschrumpft ist, lässt sich dadurch nachvollziehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen