zur Navigation springen
Übersicht

19. September 2017 | 21:01 Uhr

Alle Schulbücher mit einem Ausweis

vom

svz.de von
erstellt am 11.Jun.2010 | 08:14 Uhr

Rostock | Ein Stück Plastik im Scheckkartenformat, auf dem Name, Vorname und ein Strichcode gedruckt werden - so könnte er aussehen, der einheitliche Bibliotheksausweis, mit dem alle Schüler der Hansestadt künftig vor Schuljahresbeginn alle Lehrbücher in der Bibliothek abholen können. Die Idee dahinter: So ein Ausweis soll Schülern und Eltern die Organisation des Schulalltags erleichtern und der Stadtkasse gleichzeitig Geld sparen.

Geld könnte vor Ort investiert werden

Derzeit prüft die Stadtbibliothek, ob sich so ein Ausweis und die zentrale Verwaltung der Schulbücher für Rostock lohnt. Den Auftrag dazu bekam sie von der Bürgerschaft. Manfred Heckmann, Leiter der Stadtbibliothek, ist schon jetzt überzeugt, dass das Projekt rentabel ist: "Ich gehe von einer Ersparnis von zehn Prozent im ersten Jahr aus. Sie würde sich von Jahr zu Jahr erhöhen", sagt er. Bei einem Schulbuchbudget von 460 000 Euro im Jahr sind das fast 50 000 Euro - allein im ersten Jahr.

Und so soll es funktionieren: Wenn etwa ein zukünftiger Drittklässler in der Schulbibliothek der St.-Georg-Schule kurz vor Schuljahresbeginn seinen Ausweis scannen lässt, ist bereits computermäßig erfasst, welche Bücher er braucht. Sein Mathebuch kommt aus Lütten Klein, das Lesebuch von einer Grundschule in Toitenwinkel. Dafür werden die Bücher für die zweite Klasse, die er gerade abgegeben hat, an eine Schule in Lichtenhagen gebracht - oder dorthin, wo sie noch gerade gebraucht werden. Statt an vielen verschiedenen Orten würden die Schulbücher in einem zentralen Magazin gesammelt werden. Die Verwaltung übernimmt die Stadtbibliothek, an die die einzelnen Schulbüchereien und Leihstellen angeschlossen werden. Der Transport zwischen den Schulen erfolgt über einen Transportservice in den Sommerferien. Das Konzept ist in Deutschland bislang einmalig - und es soll sich rentieren, je länger es verfolgt wird. Nach und nach würde der Schulbuchbestand im zentralen Depot wachsen und über die Computererfassung ein Katalog entstehen, der Aufschluss über Menge und Zustand der Lehrbücher gibt. Das würde manche Neuanschaffungen überflüssig machen. "Die Bücher können viel effizienter wiederverwendet werden", sagt Heckmann, der die momentane Situation als weitaus weniger wirtschaftlich einschätzt. "Jetzt kann sich jeder Fachlehrer pro Schuljahr für ein Buch für seine Klasse entscheiden", erklärt er. Was nicht vorhanden ist, wird angeschafft - auch wenn etliche Exemplare des gleichen Buches in einer anderen Schule vielleicht gerade nur im Regal stehen.

Nach den Vorstellungen des Bibliotheksleiters könnte ein Teil des auf diese Weise eingesparten Geldes an den Schulen bleiben und für andere Anschaffungen verwendet werden. "Das würde auch einen Anreiz zum Sparen geben", sagt er. Für ihn ist das System ebenso simpel wie erfolgversprechend. "Die größte Herausforderung wird es sein, die Schulbücher in den großen Mengen über die Sommerferien an die richtigen Schulen zu bringen", sagt Heckmann. Doch ein Testlauf im Käthe-Kollwitz-Gymnasium, bei dem die Zeiten für alle Arbeitsschritte gemessen wurden, habe gezeigt: Es ist zu schaffen.

Ob die Vision des einheitlichen Bibliotheksausweises für Rostocks Schüler Realität wird, darüber muss die Bürgerschaft mit einer neuen Schulbuchsatzung entscheiden. Anfang September will die Verwaltung den Fraktionen ihr Konzept vorlegen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen