Akuter Mangel an Pflegekräften

Pflegeheime in Güstrow schlagen Alarm: Der Arbeitsmarkt für qualifizierte Fachkräfte in der Altenpflege ist wie leergefegt. Die Situation habe einen kritischen Punkt erreicht, so Heimleiter Michael Noske vom „Haus Lindeneck“ der Volkssolidarität. Dieser Personalmangel ist besonders prekär, da die Zahl älterer, hilfsbedürftiger Menschen in der Region kontinuierlich steigt.

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28. April 2008, 06:41 Uhr

Güstrow - Noske fällt es immer schwerer, seinen Bedarf an qualifizierten Pflegefachkräften abzudecken. „Wir suchen seit langen, aber finden keine. Das hatten wir noch nie“, sagt der Leiter vom „Haus Lindeneck“. Er braucht sowohl Alten- und Krankenpfleger als auch Krankenschwestern. Doch von der Arbeitsagentur sowie von Zeitarbeitsfirmen sei aktuell kein ausgebildetes Personal zu bekommen. Der Fachkräftemangel hat aus seiner Sicht vor allem zwei Gründe: „Pflegekassen und Staat stellen zu wenig Geld für die Altenpflege zur Verfügung. Zudem fehlt in der Altenpflege der Nachwuchs, weil der Beruf gesellschaftlich wenig anerkannt, oft aber sehr hart ist“, sagt Noske.

Das bestätigt auch Bernd Lippert, Leiter des Diakonie-Pflegeheims „Am Rosengarten“ in Güstrow. „Viele sind nicht bereit, sich auf diese stressige und körperlich schwere Arbeit einzulassen“, sagt er. Wenn man zurzeit schnell eine Fachkraft brauche, sei man aufgeschmissen. „Ausgebildete Leute fehlen einfach“, muss er feststellen. Lippert würde zudem gerne mehr ausbilden. Das sei jedoch auch eine Kostenfrage.

Nahezu alle Träger von Pflegeheimen in Güstrow bilden selbst aus. Doch durch die Ausbildung allein lässt sich der steigende Personalbedarf nicht decken. Bereits seit Monaten sucht auch Dorita Genkel händeringend nach einer Wohnbereichsleitung sowie einer Pflegefachkraft für die Altenpflege. „Auf unsere Anzeigen haben wir kaum Resonanz. Es ist gerade kaum möglich, Fachpersonal zu finden“, so die Leiterin des Awo-Seniorenpflegeheims Magdalenenluster Weg, dem mit 160 Betten größten in Güstrow.

„Um am Arbeitsmarkt der Altenpflege die Schere zwischen künftigem Angebot und Nachfrage zu schließen, müsste die Ausbildung von Pflegefachkräften dringend forciert werden“, ist Michael Noske überzeugt. Dabei gehe es nicht nur um den aktuellen Bedarf, sondern um eine innovationsorientierte Ausbildungsstruktur, die mit neuen Qualifikationen, gegebenenfalls Berufsbildern, Abschlüssen und Übergängen den Anforderungen der künftigen Altenpflege Rechnung trage. „Dabei werden wir neue Wege zu beschreiten haben, die uns heute noch völlig fremd und abstrus erscheinen mögen. Der demografische Wandel wird uns zukünftig aber dazu zwingen!“, sagt Noske.

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