Aida Zwickel, gebraut auf hoher See

Braumeister Andreas Hegny bei der Bierprüfung.  Brauen darf der Handwerker allerdings nur auf See, im Hafen besteht der Zollvorschriften wegen ein Brauverbot.  ddp
Braumeister Andreas Hegny bei der Bierprüfung. Brauen darf der Handwerker allerdings nur auf See, im Hafen besteht der Zollvorschriften wegen ein Brauverbot. ddp

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07. Februar 2010, 07:13 Uhr

Hamburg/Rostock | Von seinem jetzigen Arbeitsplatz konnte Andreas Hegny früher nicht einmal träumen. Der 27-Jährige ist Deutschlands erster Braumeister auf hoher See. Er stellt täglich bis zu 600 Liter Bier in der Brauerei des Kreuzfahrtschiffes "AidaBlu" her - egal ob es im Mittelmeer oder in der Ostsee schippert. "Man kommt wohl schon ziemlich rum in der Welt", sagt Hegny voller Vorfreude. Denn eine genaue Vorstellung von dem, was ihn eigentlich erwartet, hat der Braumeister, der zuvor im hessischen Michelstadt Bier gebraut hat, im Moment noch nicht. Schließlich wird die "AidaBlu" erst morgen im Hamburger Hafen getauft.

Seinen Arbeitsplatz kennt Hegny aber schon. Seit Dezember, als das Schiff noch in der Meyer Werft in Papenburg lag, braut der 27-Jährige bereits Bier an Bord. Gebraut werden an Bord insbesondere zwei Sorten Bier: "Hövels Original" nach einem Rezept der Dortmunder Traditionsbrauerei und der Aida Zwickel, "ein helles, unfiltriertes Bier mit einer leichten Karamellnote", wie der Braumeister verrät. Hinzu kommen diverse Aktionsbiere, derzeit etwa ein Eisbock. Insgesamt können in den Kesseln 13 000 Liter Bier lagern.

Für die Herstellung des Bieres nach dem deutschen Reinheitsgebot wird das Malz direkt an Bord geschrotet. Dazu sind auf dem Schiff zwei verschiedene Malzlager untergebracht. "Um die optimalen Mischungen herzustellen, verwenden wir etwa sieben verschiedene Malzsorten", erklärt Hegny. Vorwürfe, man würde auf dem Schiff kein richtiges Bier herstellen, lässt er nicht gelten. Denn auch die Hefe, die für den rund vierwöchigen Brauprozess gebraucht wird, wird an Bord des 252 Meter langen und 32,2 Meter breiten Schiffes gezüchtet. "Es ist also alles so wie auch bei einer normalen Brauerei", so Hegny. Etwas ist aber doch anders: Bei der Konstruktion der Kessel mussten die Ingenieure die Bewegungen des Schiffes auf hoher See besonders beachten und mit einer speziellen Konstruktion arbeiten, um den sensiblen Brauprozess nicht zu gefährden. "Da haben die echt gute Arbeit geleistet", lobt Hegny. Wie genau es funktioniert, will er aber nicht verraten, um Nachahmung zu verhindern.

Dabei ist die Brauerei nach Meinung des Hamburger Kreuzfahrtexperten Helge H. Grammerstorf vom Beratungsunternehmen SeaConsult gerade richtig für die Clubschiffe der Aida. "Das trifft genau die Zielgruppe", sagt er. Es werde zwar wohl niemand eine Kreuzfahrt nur wegen der Brauerei buchen, dennoch passe sie gut zu dem Konzept eines "erlebnisorientierten" Kreuzfahrtschiffes.

Genau das findet Marc-Oliver Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund jedoch besonders gut: "Wir sind immer dankbar, wenn sich Dritte um das deutsche Nationalgetränk bemühen und mit neuen Ideen zu Steigerungen der Wertigkeit beitragen." Zudem könne die Brauerei auf der AidaBlu das Bier vielleicht als Botschafter überall hin in die Welt mitnehmen.

Darauf freut sich auch Hegny schon. Schließlich will er seinen Gästen den Brauprozess mithilfe der gläsernen Kessel näher bringen und mehr über das Bier vermitteln. Noch muss er sich ines etwas gedulden. Zwar hätte das Schiff am Wochenende mit ersten Gästen auf eine Erkundungsfahrt in die Nordsee starten sollen. Des starken Eisgangs wegen blieb das Schiff allerdings im Hamburger Hafen. Und dort, so wie auch in anderen deutschen Häfen, darf Hegny wegen der Zollvorschriften kein Bier brauen.

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