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23. November 2017 | 19:55 Uhr

Ärztemangel: Mediziner auf Abruf

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erstellt am 21.Dez.2009 | 06:18 Uhr

Bützow/Güstrow | Aufgrund des Fachärztemangels beschäftigen Kliniken immer häufiger Honorar- oder auch Leihärzte. Die Zahl der Mediziner auf Abruf wird in den kommenden Jahren weiter steigen, schätzen Experten. Besonders in ländlichen Regionen ist der Ärztemangel groß. Auch Krankenhäuser und Reha-Kliniken in unserer Region füllen personelle Lücken mit Honorar ärzten.

"Wir holen uns zur Überbrückung von Engpässen solche Mediziner. Das soll aber nicht die Regel werden", sagt Matthias Fischer, Verwaltungschef im Güs trower KMG-Klinikum. Derzeit arbeite ein Honorararzt im Güstrower Krankenhaus. In der Vergangenheit waren schon bis zu ein Prozent der Ärzteschaft im KMG-Klinikum Mediziner auf Abruf. "In den vergangenen Jahren konnten wir aber 25 bis 30 Ärzte einstellen", sagt Fischer. Es sei nicht einfach, offene Facharzt-Stellen zu besetzen. Das KMG-Klinikum beauftragt dafür Personal-Agenturen.

Thomas Blum, Geschäftsführer der Bützower Warnow-Klinik, bestätigt: "Es wird immer schwieriger, Ärzte zu finden." Das Bützower Krankenhaus setzt dabei noch auf Mund-zu-Mund-Propaganda. "Wir profitieren von der Nähe zu Rostock und unserem guten Arbeitsklima. Das spricht sich rum", sagt Blum. Derzeit seien alle Planstellen besetzt. Honorar-Verträge mit Ärzten gebe es dennoch. "Allerdings zur fachlichen Erweiterung unseres Angebotes", erklärt der Klinikchef. So könne das kleine Krankenhaus zusätzliche Facharztleistungen anbieten. Beispielsweise komme regelmäßig ein Kardiologe ins Haus. "Für eine volle Stelle ist unsere Klinik zu klein", sagt Blum.

Auch die Schwaaner Reha-Klinik habe Probleme, frei werdende Facharzt-Stellen wieder zu besetzen. "Im Moment haben wir ausreichend Mediziner", sagt Verwaltungsleiterin Silke von Lieven. Die Beschäftigung von Leih- oder Honorar ärzten sei in der Reha-Klinik aber durchaus ein Thema. "Bisher hatten wir einmal einen externen Mediziner beschäftigt, zur Vertretung in der Urlaubszeit", sagt von Lieven.

Was in unserer Region eher noch die Ausnahme zu sein scheint, "ist in Vorpommern bereits Routine, dass Arztstellen dauerhaft nicht besetzt sind", sagt Dr. Matthias Gast, Anästhesist aus Neustrelitz und seit 2006 als Honorararzt tätig. Gast ist Vorstandsmitglied im Bundesverband der Honorarärzte. In seinem Fachbereich, im Notdienst, werden seit Jahren Mediziner auf Abruf eingesetzt, jetzt aufgrund des Ärztemangels zunehmend auch in anderen Fachrichtungen. Er geht davon aus, dass der Ärztemangel sich noch weiter verschärft, der Bedarf an Honorarkräften steigt. "Selbst, wenn jetzt damit begonnen wird, mehr Medizinstudenten zu werben. Die Ausbildung bis zum Facharzt dauert 15 Jahre", sagt Matthias Gast. Fakt sei auch, dass ein Drittel der Studenten gar nicht in die medizinische Versorgung geht, sondern andere Berufslaufbahnen einschlägt. Selbst wenn die geschätzt rund 3000 Honorar ärzte in Deutschland ihre Selbständigkeit aufgeben, reicht dies nicht aus, um sämtliche freien Stellen zu besetzen.

Geld sei für die wenigsten Honorarärzte der Grund, aus dem Angestelltenverhältnis auszuscheiden, vielmehr die "Unzufrieden über die hohe Arbeitszeitbelastung von Krankenhausärzten", sagt Matthias Gast. Schuld daran sei die verfehlte Gesundheitspolitik der vergangenen Jahre. Der Mediziner beklagt außerdem: "Die Wirtschaftlichkeit von Kliniken steht an erster Stelle."

Honorarärzte müssten sich nicht selten dem Vorwurf aussetzen, sie seien arbeitsscheu und picken sich die Rosinen heraus. "Für Kliniken sind wir ein notwendiges Übel", sagt Gast. Für die Krankenhäuser seien diese Mediziner teurer, letztlich verdienen auch die Vermittlungsagenturen noch daran. Über 20 gebe es in Deutschland.

Matthias Gast ist nach drei Jahren als Honorararzt heute zufriedener als im Angestelltenverhältnis. "Ich kann arbeiten was, wo und wie oft ich möchte, mir freie Zeiten besser einteilen", erzählt der Neustrelitzer.

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