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Pampow: Gemeinde befürchtet Geruchsbelästigung : Ärger über geplante Biogas-Anlage

vom

Am Stadtrand von Schwerin, in der Nähe von Pampow, soll eine Biogas-Anlage entstehen. Pampows Bürgermeister Hartwig Schulz ist sauer.

svz.de von
erstellt am 03.Nov.2011 | 07:43 Uhr

Der Bürgermeister von Pampow ist sauer. Stinksauer. "Vor unserer Haustür soll eine Biogas-Anlage gebaut werden. Der Betreiber will sie mit Pferdemist beschicken. Und wir als Gemeinde sind über diese Pläne nicht einmal informiert, geschweige denn gefragt worden", empört er sich. Erst aus der SVZ habe er erfahren, dass auf der Gemarkung von Schwerin-Süd an der Gemeindegrenze zu Pampow eine solche Anlage errichtet werden soll, nämlich im Gewerbegebiet "Am Fährweg" in der Nähe des Postverteilzentrums. Er könne die Sorgen der Anwohner von Wüstmark sehr gut verstehen, die befürchten, dass es dann Geruchsprobleme geben wird.

Denn diese Befürchtungen haben auch die Pampower. Hartwig Schulz: "Wenn der Wind aus Nordost weht, kriegen wir die üblen Gerüche dieser Biogas-Anlage ab. Davon gehe ich ganz stark aus." Und damit sei Ärger im Dorf programmiert. Ersten Unmut gibt es jetzt schon. "Die Anlage soll zwar auf der Gemarkung der Stadt Schwerin entstehen, aber so etwas baut man nicht vor die Nase des Nachbarn", entrüstet sich Schulz. Weil es viele offene Fragen gibt, habe er bei Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow vorgesprochen und darum gebeten, das Bauprojekt im Bauausschuss der Gemeindevertretung vorzustellen.

Das ist nun vor wenigen Tagen geschehen. Bei diesem Gespräch dabei waren der Planer vom Unternehmen E\|con Gesellschaft für Projektentwicklung und Beteiligung mbH Plau, das die Biogas-Anlage errichten will, und Vertreter des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Schwerin.

"Ich habe meine Zweifel bei diesem Projekt, nach wie vor", betont Hartwig Schulz. Auch wenn der Planer versichert habe, dass es sich um ein innovatives Verfahren handele. Der Pferdemist - die Rede ist von ca. 30 000 Tonnen im Jahr - soll in Fermentierungskammern Biogas freisetzen. Der Pampower bleibt skeptisch: Der Investor könne viel versprechen, auch dass es keine Geruchsbelästigungen für Pampow geben werde. In der Praxis stelle sich hinterher manches anders dar. Das mussten auch die Einwohner von Wüstmark erfahren. Denn da stinkt es mitunter heftig. Und viele Wüstmarker würden dafür die Biogas-Anlage der Stadtwerke verantwortlich machen, so Schulz.

Auch wenn die neue Anlage im Gewerbegebiet "Am Fährweg" einen 22 Meter hohen Schornstein bekommen soll und die Abluft gefiltert wird, so der Pampower weiter, sei der Standort denkbar ungünstig und den Einwohnern nicht zumutbar. Bei dieser Aussage bleibe er auch nach dem Informationsgespräch.

Frank Gombert, der Vorsitzende des Bauausschusses der Gemeindevertretung Pampow, wirft noch eine andere Frage auf. Wird der ausgegaste Mist gleich entsorgt, also auf die Felder als Dünger gebracht, wie angekündigt, oder wird der Abfall mitunter auch zwischengelagert und sorgt so eventuell für weitere Probleme?

Auch für ihn kommt der vorgesehene Standort nicht in Frage. Die beiden Pampower schlagen dafür das Gewerbegebiet Göhrener Tannen vor. Das sei von den Wohnbebauung ausreichend weit entfernt. Denn, da sind sich Schulz und Gombert einig, wiederkehrende Geruchsbelästigungen im Dorf mindern den Wert der Wohngrundstücke. Die Fläche bei den Göhrener Tannen hätte noch einen anderen Vorteil für den Investor, meint Gombert und erklärt: Die Gewerbefläche dort ist viel größer als das Gebiet "Am Fährweg". Das in der Anlage erzeugte Biogas könne die in den Göhrener Tannen angesiedelten Firmen mit Warmwasser und Energie gleich versorgen. Hier hätte der Investor perspektivisch sogar die Möglichkeit zu erweitern, was am jetzt vorgesehenen Standort kaum möglich sein dürfte. Die Stadt wäre gut beraten, das Vorhaben des Investors unbürokratisch für die andere Fläche umzuplanen, meint der Pampower Bürgermeister. Er jedenfalls könne seinen Einwohnern nicht vermitteln, dass die Stadt so dicht bei Pampow diese Anlage bauen lassen will.

"Wenn die Oberbürgermeisterin es mit den guten nachbarschaftlichen Beziehungen ernst meint, wie sie immer erklärt, dann erwarte ich, dass sie uns hierbei entgegenkommt", so der Pampower Bürgermeister. Schließlich habe die Gemeinde die Landeshauptstadt bei der Erschließung der Göhrener Tannen der Stadt auch unterstützt und habe als Ausgleichsmaßnahme Teile ihrer Flächen vom Sieben-Dörfer-Moor bereitgestellt. Denn die Flächen der Stadt reichten als Ausgleichsmaßnahme nicht aus. "Soll das jetzt der Dank dafür sein?", fragt Schulz.

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