Ämter holen mehr Kinder aus Familien - In 188 Fällen Eltern das Sorgerecht entzogen

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09. September 2008, 09:42 Uhr

Rostock - Die Anrufer an der Kinderschutz-Hotline des Landes (0800 1414007) meldeten seit Febuar 216 Verdachtsfälle auf Vernachlässigung und -misshandlung. Die Anrufe betrafen 368 Kinder, 119 von ihnen waren jünger als drei Jahre. „Alle Hinweise wurden an die Jugendämter vor Ort weitergegeben“, sagte Heiko Will, Direktor des zuständigen Landesamtes für Gesundheit und Soziales.

Weitere 184 Anrufer holten sich an der Hotline Rat. „Erschütternde Fälle, wie der des getöteten Schweriner Mädchens Lea-Sophie, haben viele Menschen sensibler gemacht“, sagte Will, der mit der Resonanz der Hotline zufrieden ist.

Sensibler sind offensichtlich auch Jugendämter und Justiz geworden. Sie greifen inzwischen so tief wie noch nie in das Recht der Familien ein. Weil das Jugendamt in Schwerin eine Gefährdung für das Wohlergehen von Kindern sah, holte es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 62 Mädchen und Jungen in staatliche Obhut, im gesamten Jahr 2007 waren es 70 Kinder. Ähnlich sieht es in anderen Städten aus. Greifswald meldet 43 Kinder, die in den ersten sechs Monaten aus den Familien genommen wurden. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es lediglich 26.

Auch die Justiz in Mecklenburg-Vorpommern ist gegenüber dem Fehlverhalten von Müttern und Vätern härter geworden. Nach Angaben des statistischen Amtes entzogen Gerichte im vergangenen Jahr in 188 Fällen Eltern das Sorgerecht für ihre Kinder. Im Vorjahr waren es 169 Fälle – eine Zuname von 11,2 Prozent.

Der Trend zum härteren Durchgreifen besteht bundesweit. 28200 Kinder wurden im vergangenen Jahr in Obhut der Jugendämter genommen. Das sind 8,4 Prozent mehr als 2006. Das Sorgerecht verloren Eltern für 10800 Kinder, was ebenfalls einer Zunahme von 12,5 Prozent entspricht.

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