Älteren Fahrern bleibt Test erspart

Ältere Autofahrer müssen nicht zum Fahrtauglichkeits-Tüv. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen zunehmendem Alter und Unfallhäufigkeit, so gestern die Experten auf dem 47. Verkehrsgerichtstag in Goslar.

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30. Januar 2009, 07:32 Uhr

Goslar/Schwerin | "Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Fahrtüchtigkeit älterer Autofahrer generell überprüft werden müsste", sagte gestern Holger Rochow, Spezialist für Verkehrsrecht aus Schwerin und Teilnehmer beim Verkehrsgerichtstag in Goslar. Vielmehr hätten Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren das mit Abstand höchste Unfallrisiko im Straßenverkehr. So war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa jeder fünfte Getötete und Verunglückte im Jahr 2007 jünger als 25 Jahre. Die Verkehrsexperten in Goslar sprachen sich deshalb gegen einen Gesundheitscheck für ältere Autofahrer aus.

Im Einzelfall könne die Fahrerlaubnis aber eingeschränkt werden, so die Empfehlung. Zum Beispiel in Form eines Nachtfahrverbots, eines Ausschlusses von Autobahnen oder durch eine Beschränkung auf Fahrten im Umkreis der Wohnung. Auch sei es sinnvoll, dass Ärzte ältere Menschen auf mögliche Probleme beim Autofahren hinweisen.

Die Empfehlungen des Verkehrsgerichtstages werden in der Regel vom Gesetzgeber berücksichtigt. An dem Kongress nehmen rund 1600 Experten teil.

Hintergrund für die Debatte über den Gesundheits-Tüv ist die Forderung der Europäischen Union, alle Fahrer über 50 Jahren regelmäßig zu überprüfen. Bei Autobobilclubs stößt dieser Vorstoß auf Empörung.

Ab 2013 greift ohnehin eine neue Regelung, wie Holger Rochow erläutert. Dann sind Führerscheine nach einer EU-Richtlinie nur noch befristet gültig - und zwar maximal 15 Jahre. Dieser Zeitrahmen soll auch voll ausgeschöpft werden. Die Regelung gelte aber zunächst für Fahranfänger, so Rochow. Ist in diesem Zeitraum jemand auffällig geworden, beispielweise durch Alkohol am Steuer, kann er zu einer Untersuchung herangezogen werden, bevor er seine Fahrerlaubnis neu bekommt - oder verliert.

Die Verkehrsexperten sprachen sich zudem für " Section Control" gegen Raser auf Autobahnen aus. Dabei werden Fahrer am Anfang und am Ende einer Strecke fotografiert. Ermittelt wird das Durchschnittstempo. Wegen datenschutzrechtlicher Bedenken sei die Abstimmung sehr knapp ausgefallen, sagte Rochow. Für die Umsetzung bedürfe es einer Gesetzesänderung. Denn die Daten würden zu einem Zeitpunkt erhoben, an dem eigentlich noch die Unschuldsvermutung gelte.

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