ADAC fordert mehr Schranken

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80 Meter hatte der Triebwagen den Pkw auf Usedom mitgeschleift. dpa/Archiv

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12. Juli 2010, 08:19 Uhr

Schwerin/München | Nach dem schweren Bahnunfall mit zwei Toten auf Usedom fordert der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) an besonders gefährlichen Straßen die Abschaffung unbeschrankter Bahnübergänge. "Wo es ein hohes Verkehrsaufkommen gibt, brauchen wir zumindest eine Schranken-Lösung, um Menschenleben zu retten", sagte ADAC-Sprecher Maximilian Maurer gegenüber unserer Redaktion. Konkret heiße das: Ausstattung aller Bahnübergänge an Straßen mit einer täglichen Verkehrsbelastung von mehr als 2 500 Kraftfahrzeuge mit Schranken, wobei wichtige Bahntrassen Vollschranken oder Über- bzw. Unterführungen erhalten sollen.

Alle unbeschrankten Bahnübergänge abzuschaffen, sei zu kostenintensiv. Die meisten der rund 11 000 schrankenlosen Übergänge in Deutschland (Stand 2007/nur Netz der Deutschen Bahn) lägen auch an sehr untergeordneten und wenig befahrenen Straßen. Auf Usedom hingegen liegt die betreffende Passage direkt an einer dicht frequentierten Bundesstraße. Zusätzlich kann sich der Automobil-Club vorstellen Andreaskreuze mit einem Rotlicht zu koppeln, regte der Sprecher an.

Der Fahrgastverband "Pro Bahn" macht sich seinerseits dafür stark, die Andreaskreuze durch Stoppschilder zu ergänzen. Dies wäre eine kostengünstigere Variante, sagte Landesvorsitzender Marcel Drews. Der ADAC bezweifelt das jedoch, da bundesweit alle Schilder ausgetauscht oder ergänzt werden müssten, argumentierte Sprecher Maurer: "Das Geld könnte besser eingesetzt werden".

Auch bei der Frage nach dem Tempo der Züge in unmittelbarer Nähe der Übergänge gibt es geteilte Meinungen. Ein Drosseln hätte auch zur Folge, dass künftig mehr "Bummelbahnen" unterwegs seien, findet "Pro Bahn"-Mann Drews. Eine Reduzierung des Tempos als "Sofortmaßnahme" fordert hingegen Verkehrssicherheits-Ingenieur Franz Schielberg, der vor seiner Pensionierung für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft tätig war. "Das können übrigens auch Kommunen und die Straßenverkehrsbehörde beantragen", sagte er. Am bewussten Insel-Bahnübergang gelten 80 Stundenkilometer für die Züge.

Landes-Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) machte deutlich, dass sein Ressort den Ausbau unbeschrankter Bahnübergänge unterstütze. Zugleich appelierte er an alle Autofahrer, die Andreaskreuze zu beachten - Kritiker betonen immer wieder, dass das Verkehrszeichen zu wenig bekannt sei. An Bahnübergängen sei auch grundsätzlich langsam zu fahren. Der Minister - der im vergangenen Jahr die Situation an der betreffenden Strecke auf Usedom in Augenschein genommen hatte - habe nach dem Unfall vergangene Woche einen Brief an die Beteiligten vor Ort geschrieben, teilte eine Sprecherin Schlotmanns mit. Darin fordere er alle Beteiligten auf, eine Lösung zu finden.

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