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Acht Säulen, vier Bilder und ein doppeltes Museum

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erstellt am 24.Jun.2010 | 07:02 Uhr

Kunst des 21. Jahrhunderts trifft auf Kunst des 19. Jahrhunderts - und das in der 850 Jahre alten Stadt Schwerin. Möglich wird diese Begegnung der kreativen Art zu den Schlossfestspielen des Jahres 2010.

Während auf der Open-Air-Bühne auf dem Alten Garten die Liebenden, Fliehenden und Rächenden "Die Macht des Schicksals" erdulden müssen, werden die Besucher der großen Verdi-Oper hinter der Zuschauertribüne von einer Installation des Schweizer Konzeptkünstlers Res Ingold begrüßt.

Der Münchner Kunstprofessor spielt auf acht Meter hohen Leuchtsäulen mit Fotografien und Buchstaben, die erst im Vorbeigehen nach und nach ihr Geheimnis offenbaren. Auf jeder der Foto-Säulen hat Res Ingold Wortpaare zusammengesetzt, die sich aus dem Titel der Oper "Die Macht des Schicksals" ableiten.

Eine der Stelen trägt z. B. die Aufschrift "destiny-density" (Schicksal-Dichte). Eine andere Säule, die bei genauem Hinsehen das Foto eines historischen Ostseebades zeigt, spielt mit dem Wortpaar "Rich News-Schwerin" (Reiche Neuigkeiten-Schwerin).

Am meisten aber dürfte sich das Museum über die gedoppelte Fassade freuen, die Ingold als riesiges Pixelbild an der Rückseite der Zuschauertribüne angebracht hat. Das Wortpaar dort - "destinationen-verbindungen" verweist auf die neuen künstlerischen Verknüpfungen zwischen Staatlichem Museum und Staatstheater. Denn während in den Jahren zuvor die gewaltigen Kulissen der Schlossfestspiele das ehrwürdige Museum in den Schatten stellten und regelmäßig in der Sommersaison für eine Publikumsflaute sorgten, tun die beiden Kunsttempel am Alten Garten nun das Beste, was sie tun können: Sie arbeiten zusammen.

Und so sei den Kunstfreunden unter den Opernliebhabern unbedingt ein Besuch im Museum empfohlen. Von der Galerie Alte und Neue Meister mit dem Schwerpunkt holländische und flämische Malerei des Goldenen Zeitalters über die Sammlungen Marcel Duchamp und Ernst Barlach bis zur aktuellen Sonderausstellung "Schwerinblicke - Künstlersichten" (bis 4. Juli) bietet das 1882 eröffnete Haus in allen seinen Räumen Hochkarätiges.

Die vom französischen Hofmaler Oudry gemalten, riesigen Porträts exotischer Tiere, darunter das seinerzeit berühmte Nashorn Clara, Carel Fabritius "Torwache" oder Caspar David Friedrichs frühromantische "Winterlandschaft" sollte sich niemand entgehen lassen.

Einen wesentlichen Schwerpunkt der Sammlung bildet die mecklenburgische Landschaftsmalerei.

Impressionismus und Symbolismus, wenn auch nur mit wenigen Werken etwa von Max Liebermann, Lovis Corinth oder Franz von Stuck in der Schweriner Sammlung anzutreffen, markieren den Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert. Weitere Sammlungskonzentrationen bieten die veristische Malerei der 1920er-Jahre, die Kunst der DDR sowie aktuelle Tendenzen konzeptueller Kunst, wozu z. B. John Cage zählt.

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