50 Jahre Bühnenerfahrung: Peter Bause verabschiedet sich : Abschied von der Rostocker Bühne

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Der Vorhang geht auf und schon entsteht eine andere Welt. So beschreibt es Peter Bause - das Erlebnis einer Theatervorstellung. Seit seiner Jugend hat ihn dieses Spiel der Illusion fasziniert.

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09. Februar 2011, 12:18 Uhr

Der Vorhang geht auf und schon entsteht eine andere Welt. So beschreibt es Peter Bause - das Erlebnis einer Theatervorstellung. Seit seiner Jugend hat ihn dieses Spiel der Illusion fasziniert. So sehr, dass die Schauspielerei zu seinem Beruf, mehr noch seiner Berufung, wurde. Heute blickt der Mime auf 50 Jahre Bühnenerfahrung zurück. Und dabei ist es ihm, als sei das alles erst gestern gewesen. "Ich bin selbst erstaunt, dass es schon so lange her ist."

Am Freitag will Bause sein Jubliäum zusammen mit den Besuchern des Volkstheaters ab 19.30 Uhr im Großen Haus feiern. "Wo alles begann" heißt der Titel des Programms. Und der Untertitel "Aus, aus, aus - Das Spiel ist aus", verrät es schon: Damit verabschiedet sich Bause vom Rostocker Publikum.

Eigentlich sollte Bause bei der Post arbeiten. Ein Schauspielstudium kam nicht infrage: "Ich hatte kein Abitur und das war damals zwingende Voraussetzung." Allerdings gab es bei der Magdeburger Post, wo Bause anfing, einen dramatischen Zirkel. Bei dieser Truppe Laienschauspieler stieg Bause mit ein. Und schnell zeigte sich: Der junge Mann hat Talent.

In der DDR waren Ende der 50er-Jahre die Schauspieler knapp, berichtet Bause. Deshalb seien Mitarbeiter der Hochschule durchs Land gereist, um nach begabten Laien Ausschau zu halten. So stießen sie auch auf Bause, der sich daraufhin um einen Studienplatz bewerben konnte. Mit Erfolg: Der Quereinsteiger machte in einem Jahr eine Art Not-Abitur - "Wir hatten nur Deutsch, Russisch und Gesellschaftskunde" - und konnte danach ins Schauspielstudium einsteigen.

Seine Anfangsjahre verbrachte Bause in Neustrelitz. 1965 wechselte er ans Rostocker Volkstheater. Für fünf Jahre, die ihm in der Rückschau aber eher wie 50 ereignisreiche Jahre vorkommen, war er in der Hansestadt aktiv. Auch aus dieser Zeit will Bause am Freitag erzählen. "Die, die dann kommen, werden die Zeit ja vielleicht als Zuschauer miterlebt haben", so Bause. "So erfahren sie, wie es hinter der Bühne zugegangen ist." Beispielsweise sei einiges unternommen worden, nur damit Intendant Hanns Perten nicht zornig wurde. "Wenn das Kostüm bei der Probe noch nicht richtig passte, musste man zusehen, so zu stehen, dass es ihm nicht auffiel", erzählt Bause. Denn Perten konnte schnell aufbrausen. Aber ein guter Theatermann sei er gewesen, so Bause voller Hochachtung: "Während seiner Zeit war das Volkstheater auf einer einsamen Höhe."

Hier am Rostocker Theater hat Bause auch an einigen der Produktionen mitgewirkt, die für ihn die schönsten seines bisherigen Berufslebens sind: "Bel ami", die musikalische Brecht-Komödie "Happy End", die Brechtschen "Flüchtlingsgespräche" und schließlich "Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen" von Nikolai Gogol. "Das war der Höhepunkt und meine Fahrkarte nach Berlin", sagt Bause. Noch acht Jahre lang gab er am Deutschen Theater in Berlin den immer mehr dem Wahnsinn verfallenden Poprischtschin. Auch für Film und Fernsehen war Bause im Einsatz. Doch sein Hauptaugenmerk lag immer auf dem Theaterspielen.

Nach 1992 reiste Bause vor allem durch die alten Bundesländer, aber auch Österreich und die Schweiz, um die großen Brecht-Stücke zu zeigen. Aber immer wieder führte ihn sein Weg auch nach Warnemünde in die Kleine Komödie.

Nun verabschiedet sich Bause von Rostock. Er habe zwar noch Aufträge bis 2013, an ein Ende ist also nicht zu denken: "Aber ich mache für meine Lieblingsstadt Schluss." Nach Rostock wird Bause beruflich in Zukunft also nicht mehr kommen. Wer den Schauspieler auf der Bühne erleben will, muss schon mindestens nach Hamburg reisen, wo Bause vor wenigen Tagen am Altonaer Theater mit "Wallenstein - die Sterne lügen nicht" Premiere feierte. "Ich bin noch immer ein viel beschäftigter Theaterschauspieler", sagt Bause. Der 69-Jährige will das tun, was er schon immer gemacht hat: die Menschen unterhalten. "Das erfüllt mich mit großer Befriedigung."

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