Abschied ganz persönlich: Ludwigslusts Bürgermeister Zimmermann geht in Ruhestand

Nachdem Gasinur Gabidulin ein Bild von Kasan an Bürgermeister Hans Jürgen Zimmermann (r.) für die Stadt überreicht hat, zeigt er die persönlichen Geschenke für den scheidenden Chef der Stadtverwaltung. Foto: Uwe Köhnke
Nachdem Gasinur Gabidulin ein Bild von Kasan an Bürgermeister Hans Jürgen Zimmermann (r.) für die Stadt überreicht hat, zeigt er die persönlichen Geschenke für den scheidenden Chef der Stadtverwaltung. Foto: Uwe Köhnke

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13. Juli 2008, 08:48 Uhr

Ludwigslust - Für die Gratulationscour vor dem Beginn des Festaktes im Goldenen Saal des Schlosses waren 20 Minuten geplant. Aber die Schlange derer, die dem scheidenden Ludwigsluster Bürgermeister Hans Jürgen Zimmermann noch einmal die Hand schütteln wollten, war lang. Und so musste die Veranstaltung mit Verspätung beginnen.

Neben vielen Weggefährten aus dem gesellschaftlichen Leben hatte die Familie Platz genommen. Sie hat ihm Halt gegeben, alle Aufgaben zu meistern, wie Hans Jürgen Zimmermann am Ende bewegt bekannte.

Ganz persönlich, und darum erfrischend gehalten war die Festrede, die sich Stadtvertreterin Regina Prey und ihr „grüner“ Fraktionskollege Pastor i. R. Wilfried Romberg teilten. Da wurden die Erinnerungen an die Zeit der achtziger Jahre wach, als unter dem Dach der evangelischen Stadtkirchengemeinde der schützende Rahmen für offene Diskussionen über Bedrängnisse des DDR-Alltags geschaffen war.

„Schwerter zu Pflugscharen“ – der biblische Spruch des Propheten Micha war der Slogan, der am Ende in die Bildung des Neuen Forums und zum neuen Aufbruch wurde, in Ludwigslust mit Hans Jürgen Zimmermann in vorderster Reihe. Regina Prey erinnerte an die vielen Versammlungen und Diskussionsrunden. Als eines Tages die Menschen geklatscht hätten, als der gelernte Landwirt den Saal betrat, da habe sie zum ersten Mal gespürt, dass dies der richtige Mann für den künftigen Bürgermeisterposten sei.

Die Aufzählung all dessen, was in den letzten 18 Jahren in Ludwigslust geschaffen wurde, war lang. Petra Billerbeck, genauso lange Stadtkämmerin und gewählte Nachfolgerin im Bürgermeisteramt, erwähnte das Garnisonsgelände, sanierte Schulen und Kindergärten, die Stadtwerke, eine neue Feuerwache – und resümierte, Ludwigslust habe sich zu einer Perle in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt.

Die Städtepartnerschaften wurden noch einmal plastisch. Kamskoje Ustje in Tatarstan hatte eine Dankesurkunde des Präsidenten des Staatsrates der Republik mitgebracht – verliehen an Hans Jürgen Zimmermann als erstem Ausländer.

Michael Thomalla, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages MV, überbrachte die persönlichen Grüße des Präsidenten des Deutschen Städtetages, des Müchner Oberbürgermeisters Christian Ude.
Er löste Schmunzeln aus, als er Zimmermann als textsicheren Sänger und eiskalten Bader beschrieb.

Dieser hat sich sein ganz persönliches Refugium beispielsweise als Mitglied der Kantorei der Stadtkirchengemeinde erhalten. Musik spielt eine große Rolle in Hans Jürgen Zimmermanns Leben, was sich nicht nur in der musikalischen Umrahmung des Festaktes zeigte, sondern auch am Abend im Konzert der Ludwigsluster Klassik, das der Förderverein des Schlosses organisiert hatte.

Bei einem Empfang im Landhotel de Weimar sorgte die 95-jährige Karla Bollow für erstauntes und beifälliges Raunen im Publikum, als sie einen selbst verfassten Lebenslauf des scheidenden Bürgermeisters in Reimform rezitierte.

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