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Sternberger Seenlandschaft : Abholzaktion an der alten Mildenitz

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Eines der schönsten Durchbruchstäler im Sternberger Seenland macht nach einer Durchforstungsaktion einen armseligen Anblick. Der Waldbesitzer nennt das normale Forstwirtschaft, ein Anwohner Chaos wie nach einem Krieg.

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erstellt am 15.Apr.2011 | 06:21 Uhr

Mustin | Eines der schönsten Durchbruchstäler im Sternberger Seenland macht nach einer Durchforstungsaktion einen armseligen Anblick. Davon zeugen Fotos von Christian Lehsten aus Rothen, die er vor kurzem im Tal der alten Mildenitz in der Gemeinde Mustin kurz hinter der Rothener Mühle aufgenommen hat.

"Dort wurden vom privaten Waldbesitzer Bäume gefällt und ein Chaos hinterlassen, das aussieht, als ob in dem schönen Tal ein Krieg getobt hat", so Lehsten. Er hat das zuständige Forstamt und den Förster darüber informiert, ebenso das Landratsamt und Volker Brandt, den Chef vom Naturpark Sternberger Seenland. "Die haben sich das angeschaut und meinen, dass rein rechtlich der Waldbesitzer nicht zu fassen ist. Schön finden die das alle nicht, wie da im Wald gehaust worden ist", so Lehsten. "So mit der Natur umzugehen, ist einfach unsäglich", meint er. "Die Gier privater Waldbesitzer zerstört in diesem Fall ein ganz besonderes Stück Natur, bzw. geht damit brutal um. Mit Landschaftsschutz hat das nichts zu tun." Ein solches Verhalten sei auch kontraproduktiv für alle touristischen Bemühungen im Naturpark, so Lehsten, der im Gutshaus Rothen Ferienwohnungen vermietet.

"Wir haben normale Forstwirtschaft betrieben", erklärte gestern Waldbesitzer Christian von Burgsdorff aus der Nähe von Kiel. "In solche schwierigen Bestände wie dort geht man selten rein." Der Wald werde durchforstet, damit er wachsen kann. Auf einen Hektar werden 10 000 Bäume gepflanzt, nach 100 Jahren bleiben davon 400 übrig. Im Fall der alten Mildenitz sei gleich so gearbeitet worden, dass frühestens in 15 Jahren wieder in den Beständen gearbeitet werden muss. Was in dem Tal abgeholzt wurde, sei hauptsächlich Brennholz.

Nach dem Durchforsten wieder komplett aufzuräumen im Wald, sei aus Sicht der Natur nicht sinnvoll, sagt der Besitzer. Es beginnt jetzt ein Zersetzungsprozess des liegen gelassenen Holzes, der für Humus im Boden sorgt. Baumkronen, die im Wasser liegen, dienen als Nistplatz für kleine Vögel, sagt von Burgsdorff. Das Totholz biete Möglichkeiten für viele Organismen.

Dass die Kronen im Wasser liegen, sehe schlimm aus. Auf der anderen Seite dürften sie weitere Kanuten abschrecken. Und auf der alten Mildenitz soll auch nicht gepaddelt werden, so Volker Brandt, Chef der Naturparkverwaltung Sternberger Seenland in Warin. "Forstrechtlich gibt es keine Handhabe", so Brandt. Nach seiner Auffassung hätte der Eigentümer aber sensibler vorgehen können. Es handele sich hier um eines der schönsten Druchbruchstäler, das auch touristisch von Bedeutung sei. Anfang der 1990er-Jahre gab es Überlegungen, den Lauf der Mildenitz zum Naturschutzgebiet zu erklären. Das wurde verworfen, so Brandt. Jetzt gehören die Flächen zu einem Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiet, besitzen also Europäischen Schutzstatus. Allerdings sei der Wald-Managementplan noch nicht fertig, mit dem die Regeln für die Forst festgeschrieben werden.

Der naturnahe Bachlauf wird sehr gern angenommen von Vögeln, die sowohl die offene Landschaft, einen hochstämmigen Waldbestand als auch das nahe Wasser bevorzugen, erklärt Dr. Lothar Daubner, der die Region ornithologisch betreut. Vor zwei Jahren brüteten auf einem nur vier Kilometer langen Abschnitt an der alten Mildenitz drei Eisvogelpaare. Das war das dichteste Vorkommen in ganz Mecklenburg-Vorpommern, wobei sich die Bestände durch die letzten beiden kalten Winter reduziert haben.

Durch die jüngsten Holzungen sieht Daubner keine Gefahren für den Eisvogel und auch nicht für die seltene Gebirgsstelze. Auch die Kronen, die nach dem Holzen im Wasser liegen, stören den Naturschützer nicht. Das gibt es schließlich auch im Urwald.

"Ich sehe keinen gravierenden Verstoß", so der Ornithologe. Allerdings wurde hier auch aus seiner Sicht etwas rabiat vorgegangen. Derzeit werde geprüft, ob es aus Sicht des Naturschutzes Beanstandungen gibt. Zum Beispiel: Sind die Höhlenbäume für den Schwarzspecht stehen geblieben? Wurde der in der Region brütende Seeadler nicht gestört?

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