Ab jetzt geht es ans "Eingemachte"

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11. April 2009, 04:47 Uhr

Die Enttäuschung war Rolf Ludwig schon anzusehen: Nur 300 g Gewichtsverlust gegenüber der Vorwoche zeigte die Waage an. Und dabei hatte ihn das "Abnehmfieber" richtig gepackt: Drei- bis viermal pro Woche jeweils 15 bis 20 Minuten lang schindet der Schweriner sich auf dem Hometrainer seiner Schwester. Und bei dem schönen Wetter der letzten Tage hat er auch noch mehr Zeit in der Natur verbracht, um seinem Hobby, der Fotografie, nachzugehen. Und dann nur 300 Gramm weniger.
Simone Gladasch von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist dennoch mit ihm sehr zufrieden: "Es ist normal, dass das Gewicht immer langsamer fällt. Aber jetzt geht es ja auch erst ans Eingemachte", beruhigt sie ihre Kursteilnehmer.

Auch Manuela Storm braucht diesen Zuspruch. Denn bei ihr zeigte die Waage nur 200 g weniger an. Ehrlich gesagt hatte sie sogar noch mit einem schlimmeren Ergebnis gerechnet. Denn in der letzten Woche war sie gleich mehrmals eingeladen: Beim Essen schaffte sie es zwar problemlos, im Limit zu bleiben - aber die Brüsewitzerin gönnte sich auch mal ein Glas Sekt, wohl wissend, dass das eine kleine Kalorienbombe ist. Dafür hat sie aber eisern ihr Fitness-Programm durchgezogen: Zusätzlich zu den zwei Trainingseinheiten im Fitnessstudio workt sie jetzt einmal pro Woche. Und das zahlt sich aus.

"Das Ernährungsverhalten von Frau Sturm ist nach wie vor sehr gut", lobt Simone Gladasch nach dem - dann doch gar nicht so schlimmen - Wiegeergebnis. Allerdings ist ihr wie den beiden Abnehm-Willigen bewusst, dass über die Osterfeiertage die nächsten Hürden genommen werden müssen. Weil beide schon "ganz gut gefestigt" sind, ist die Ernährungsberaterin aber davon überzeugt, dass sie diese Herausforderung meistern werden. "Feiertage sollen ja auch Spaß machen", meint Simone Gladasch. Verbote wären beim Abnehmen ohnehin kon traproduktiv - "da würden Frau Sturm und Herr Ludwig schlimmstenfalls ihre kleinen Sünden gar nicht mehr ins Ernährungsprotokoll aufnehmen, und das wäre wirklich nicht gut".

Also quasi ein Freibrief für Rolf Ludwig, endlich einmal wieder seine Lieblingsspeise in größeren Mengen zu verzehren: Eier gehören nun einmal zu Ostern. "Anschließend sollte aber der Verzehr wieder auf zwei bis drei Stück pro Woche - und dazu gehören auch die verarbeiteten - zurückgedreht werden", mahnt Simone Gladasch. Denn mit ei-

nem zu hohen Cholesterinspiegel ist wirklich nicht zu spaßen.

Die neue Wochenaufgabe für Manuela Storm und Rolf Ludwig hilft, beizeiten gegenzusteuern: Beide sollen sich beim Einkaufen mehr Zeit gönnen und insbesondere nach der Vielfalt bei Obst und Gemüse schauen. "Ausnahmsweise darf dabei auch von der Regel, bevorzugt Produkte der Saison zu kaufen, abgewichen werden", ermuntert Simone Gladasch die Kandidaten. "Es geht darum, den Gaumen für andere Geschmäcker zu begeistern - das dürfen auch Südfrüchte sein. "

Vor allem Herrn Ludwig wird es schwer fallen, diese Aufgabe zu erfüllen. Denn auch wenn er sich sichtlich bemüht, mehr "Grünzeug" zu essen: 650 g pro Tag werden es einfach nicht. "Da ist man ja den ganzen Tag in der Küche mit Putzen und Kleinschneiden beschäftigt", meint er. Obst, das sofort verzehrfertig ist und womöglich noch süß schmeckt, ist und bleibt ihm am liebsten - doch seine Weintrauben sind nun mal nicht ohne.

Simone Storm knabbert vorm Fernseher auch klein geschnittene Äpfel oder Birnen. Aber an die empfohlenen 650 g Obst und Gemüse täglich kommt aber auch sie nicht ran. "Man hat ja nicht immer Appetit darauf. Vor allem beim Gemüse wird es schwierig", meint sie. Vielleicht helfen hier die verordneten neuen Geschmackserlebnisse aber weiter.

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