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Schwerin: Kirchen-Brände : 50-Jähriger steht vor Gericht

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Vor dem Schweriner Landgericht muss sich seit gestern ein 50-Jähriger aus Schleswig-Holstein verantworten, dem versuchte schwere Brandstiftung in der Schweriner Schelfkirche vorgeworfen wird.

svz.de von
erstellt am 12.Apr.2011 | 12:39 Uhr

An einem Dienstag im Oktober 2010 brach Feuer im Konservatorium der Schweriner Schelfstadt aus. Einen Tag später brannte die Altardecke in der benachbarten Schelfkirche. Am Donnerstag entzündete sich der Vorhang des Beichtstuhls in der katholischen St.-Anna-Kirche. Zwar verliefen alle drei Brände glimpflich. Aber die Polizei war sensibilisiert. Zumal es für den Brand in der Schelfkirche eine Zeugin gab, die um die Mittagszeit einen Mann in Altarnähe beobachtet hatte. Als zwei Tage später im Schlossparkcenter ein Ladendieb gestellt wurde, muss ein aufmerksamer Polizist stutzig geworden sein. Jedenfalls passte die Personenbeschreibung der Zeugin aus der Kirche genau auf den gefassten 50-Jährigen. Eher klein, längeres Haar, ungepflegtes Äußeres. Gestern begann vor dem Schweriner Landgericht der Prozess gegen den Mann. Hans-Reimer G. wird versuchte schwere Brandstiftung in der Schelfkirche vorgeworfen. Dazu kommen zwei versuchte Diebstähle. In dem einen Fall wollte G. laut Anklage einen Pullover im Wert von 2,99 Euro stehlen, ließ ihn aber fallen, als das eine Zeugin bemerkte. Wenig später soll er es auf eine knapp fünf Euro teure Creme abgesehen haben, als ihn der Ladendetektiv erwischte und der Polizei übergab. Seitdem sitzt der obdachlose Mann aus Schleswig-Holstein in Untersuchungshaft.

Er gehe öfter in Kirchen, um für sich eine Kerze anzuzünden, sagte er gestern. Schließlich glaube er an Gott. Er kenne auch die Schelfkirche, weil er in der Nähe zur Suchttherapie war. Aber dass er - wie es in der Anklage heißt - mit brennender Kerze zum Altar ging und die so abstellte, dass die Altardecke Feuer fing - daran könne er sich nicht erinnern. Schließlich habe er unter dem Einfluss von Alkohol und Beruhigungspillen gestanden, sagte der Schleswig-Holsteiner.

Die Zeugin, die zur Tatzeit zufällig die Schelfkirche besichtigte, erkannte den Mann gestern wieder. Er habe am Gestell mit den Kerzen gestanden und sei dann an ihr vorbei nach draußen gegangen, sagte die 41-Jährige. Daran sei ihr nichts verdächtig vorgekommen. Sie habe kurz danach die Kirche verlassen, dann aber bemerkt, dass sie bis zu ihrem Termin noch Zeit hatte. So sei sie wenig später in die Kirche zurückgekehrt. Da habe sie die Rauchsäule über dem Altar gesehen, die brennende Decke geschnappt, zusammengerollt und nach draußen gebracht.

Sie hat also nicht beobachtet, dass der Mann sich mit einer Kerze am Altar zu schaffen machte. Und den Brand erst entdeckt, als sie zum zweiten Mal die Kirche betrat. Eine Sachverständige aber sagte, wenn die Altardecke mit einer Flamme in Berührung kommt, brennt sie sofort lichterloh. Wie der Brand genau entstand, das hat bislang niemand untersucht. Nun will das Gericht einen Spezialisten beauftragen, der das nachholt.

Zwei psychiatrische Gutachter sollen darüber hinaus einschätzen, ob der Angeklagte gefährlich für die Allgemeinheit ist und im Falle einer Verurteilung in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden soll. Beide haben den offenbar hilflosen Mann untersucht und völlig unterschiedliche Schlussfolgerungen gezogen. Das Gericht legte gestern weitere Prozesstermine bis Mitte Mai fest.

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