50 000-Euro-Spritze gegen den Nachwuchsmangel

svz.de von
24. November 2009, 06:07 Uhr

Schwerin | Weil es an Nachwuchs mangelt, sinkt die Zahl der Hausärzte im Land seit mehr als zehn Jahren kontinuierlich. "In Anbetracht der besorgniserregenden Entwicklung haben wir bereits eine Reihe von Maßnahmen getroffen, um mehr Allgemeinmediziner für eine Tätigkeit in MV zu interessieren", sagt Oliver Kahl, Hauptabteilungsleiter bei der Kassenärzlichen Vereinigung. Beispielsweise könnten Ärzte Investitionskostenzuschüsse von bis zu 50 000 Euro bekommen, wenn sie sich in Gebieten niederlassen, in denen eine Unterversorgung droht. Eine weitere Maßnahme sei die Neugestaltung des Notdienstes: Eine Bereitschaftspauschale soll die niedergelassenen Ärzte entlasten. Außerdem werbe die KVMV Ärzte aus dem benachbarten Ausland an. Mittlerweile seien zwölf Ärzte polnischer Staatsangehörigkeit vertragsärztlich in MV tätig.

Um mehr hausärztlichen Nachwuchs fürs Land auszubilden, hat die KVMV auch die Einrichtung einer Stiftungsprofessur für Allgemeinmedizin an der Universität Rostock mit 2,4 Millionen gefördert, informiert Kahl. Der erste Lehrstuhl für Allgemeinmedizin in MV ist seit Beginn des neuen Studienjahres im Oktober besetzt. "Darüber sind wir sehr glücklich, denn nun steht uns ein strukturiertes und erfolgversprechendes Mittel gegen Hausärztemangel zur Verfügung", sagt Prof. Emil Reisinger, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock.

In Kooperation mit dem Universitätsklinikum Rostock hat die KVMV im vergangenen Jahr eine "Verbundweiterbildung" zum Facharzt für Allgemeinmedizin initiiert. Dabei folge jeder Assistenzarzt einem individuellen Rotationsplan, der gewährleiste, dass er seine stationären und ambulanten Weiterbildungsstationen innerhalb von fünf Jahren durchlaufen hat, erläutert Prof. Peter Schuff-Werner, Ärztlicher Direktor des Rostocker Uniklinikums. Der Vorteil: Er müsse sich nicht auf jede Station und jedes Fachgebiet extra bewerben und könne seine Weiterbildung somit ohne große Zeitverluste durchziehen. "Dadurch sollen ab 2013 jährlich fünf neue Hausärzte für MV freigesetzt werden", sagt Schuff-Werner.

Manuela Schwesig, Ministerin für Soziales und Gesundheit in MV, engagiert sich indessen für eine Reform der Bedarfsplanung für Ärzte. "Diese muss den tatsächlichen Gesundheitszustand der Bevölkerung berücksichtigen, und sie muss kleinräumiger werden", sagt sie. Außerdem setzt sich die Ministerin für eine neue ZVS-Vergabeordnung für Studienplätze ein. Ziel sei es, für solche Bewerber Studienplätze zu reservieren, die ihren Beruf in Gebieten mit Unterversorgung ausüben wollen.

Inzwischen gebe es für niedergelassene Ärzte eine Reihe von Möglichkeiten: Sie könnten andere Ärzte einstellen, Zweigpraxen, Teilzulassungen und überörtliche Versorgungsgemeinschaften bilden. Außerdem könnten sie parallel in ambulanten Einrichtungen und Krankenhäusern arbeiten. Auch die wirtschaftlichen Bedingungen für eine Tätigkeit in MV haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, sagt die Ministerin. Bei den ärztlichen Vergütungen im ambulanten Bereich sei das Budget um rund 20 Prozent angehoben worden. "Damit können Vergütungen erreicht werden, die denen in den alten Ländern entsprechen", sagt Schwesig.

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