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44 Jahre im Beruf und noch kein Ende

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erstellt am 16.Aug.2010 | 06:47 Uhr

Perleberg | Völlig entspannt greift sie in ihrem Wintergarten zur Gitarre und spielt. Nur für den Hausgebrauch, wie sie betont. Doch Hausmusik wird bei Sachses öfter gemacht. Und jetzt hat Eveline Sachse mehr Zeit dafür und für ihre Enkel. Denn nach 44 Arbeitsjahren im Gesundheitswesen gönnt sie sich mehr Ruhe. Obwohl, so ganz von der Arbeit kann die Perlebergerin dann doch nicht lassen, will sich ab Herbst ehrenamtlich engagieren in der Palliativmedizin.

Wie ist die gelernte Kinder- und Säuglingskrankenschwester zu diesem Wunsch gekommen? "Weil meine schönste Zeit die von 1998 bis 2001 auf der Inneren Station 1 war, die sich damals noch in der Bergstraße befand. Dort haben wir damals begonnen, ein bisschen Kultur in die Sterbebegleitung der Patienten zu bringen", erinnert sich Eveline Sachse. Verhehlt aber auch nicht, dass sie zu dieser Zeit bereits entsprechende Lebens- und auch Berufserfahrung hatte, um sich in die Aufgabe einbringen zu können.

Begonnen hatte ihre Laufbahn 1966 mit der Ausbildung, "die ich noch in Wittenberge an der kaufmännischen Berufsschule absolvierte, der späteren medizinischen Fachschule", erinnert sie sich. Ihr erster Arbeitsort war die Kinderstation im Perleberger Krankenhaus. Sie betreute in der Reetzer Straße lange Zeit auch behinderte Kinder, bis sie 1977 in die Perleberger Poliklinik wechselte. Doch schon 1978 wurde sie als Oberschwester für die Gynäkologie zurück ans Krankenhaus geholt, war ab 1988 Oberin für das gesamte Perleberger Krankenhaus. Als nach der Wende die Wahl der Oberin ausgerufen wurde, erhielt Eveline Sachse die meisten Stimmen, war bis zur Fusion des Perleberger und Wittenberger Krankenhauses erst Pflegedienstleiterin und dann Stellvertreterin und ging anschließend, wie schon erwähnt, als Stationsschwester auf die Innere 1.

"Dort habe ich sehr viel gelernt, wie man mit Theorie gar nicht erfassen kann", erzählt Eveline Sachse. Und dort hatte sie auch ein ganz besonderes Erlebnis. "Wir hatten einen Patienten mit Darmkrebs und Metastasen in der Leber. Seine beiden Söhne, 36 und 38 Jahre alt, kamen, und blieben abwechselnd bei ihrem Vater im Zimmer, Tag und Nacht, bis er starb. Wir stellten extra für sie einen Sessel und einen Hocker in das Krankenzimmer. Die haben uns damals gezeigt, wie Sterbebegleitung aussehen kann", beschreibt sie. Sie und ihr Team versuchten, Angehörige todkranker Patienten anzusprechen und sie für eine solche Begleitung zu gewinnen.

Doch Eveline Sachse weiß, die Begleitung im Krankenhaus ist das eine. Viele Patienten, die wissen, dass ihr Ende naht, möchten indes nicht hier, sondern zu Hause im Kreise ihrer Familie Abschied nehmen. Doch noch immer gebe es nicht wenige Angehörige, die sich mit einer solchen Situation schwer täten, Probleme damit hätten, diese Aufgabe zu übernehmen. Gemeinsam mit Krankenhausseelsorger Olaf Glomke und Pflegedienstleiter Bernd Riese möchte sie deshalb ein Netzwerk ehrenamtlicher Betreuungshelfer aufbauen, die sowohl den Angehörigen Sterbender zur Seite stehen, "sie für den Begleitungsprozess gewinnen, aber auch selbstständig zu den Patienten gehen können", beschreibt Eveline Sachse das Anliegen. Dafür möchte sie sich ehrenamtlich engagieren, Partner gewinnen.

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